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Spätestens nach ein paar Minuten zwischen den Buden fällt dem Besucher auf, dass fast an jeder Ecke geflirtet wird, was das Zeug hält. Grüppchenweise balzen die männlichen Gäste zwischen Glühwein, Punsch und Lebkuchen um die Gunst der Damen. Wer aufmerksam lauscht, bekommt so manch spannende Unterhaltung mit.
Dabei gibt es auch keine Altersgrenzen. „Schön, dass wir uns endlich treffen“, sagt ein älterer Herr zu seiner Verabredung, die sich extra für das Treffen die Haare zu einem Berg auftoupiert hat. „Wir könnten doch danach auch gleich noch was essen gehen“.
Wer sich im Advent verabreden will, trifft sich wie selbstverständlich am Christkindlesmarkt. Und wer kein Date in Aussicht hat, schnappt sich eben vor Ort eins.
„Am Christkindlesmarkt lernt man als Frau dauernd interessante Männer kennen“, sagt eine hübsche Mittdreißigerin, die gerade mit einer Freundin Glühwein schlürft und das Angebot an attraktiven Männern begutachtet. Und es stimmt. Immer wieder prosten noch unbekannte männliche Wesen in Richtung der dunkelhaarigen Frau mit dem roten Mantel, man kommt schnell ins Gespräch.
Aber auch unfreiwillig klappt es mit der Kontaktaufnahme sehr gut. Im Gedränge zwischen den Buden trampelt man dem anderen Geschlecht eben versehentlich auf die Füße und muss sich dafür entschuldigen. „Mit einer Tasse Glühwein – wie sonst“, lacht sie.
Ist der erste Kontakt hergestellt, folgt das nächste Rendezvous. Natürlich wieder auf dem Christkindlesmarkt. Da wird der Mann dann gleich auf Herz und Nieren geprüft. „Hier erfährt man in nur einer Stunde schon eine ganze Menge über den Kerl“, so Renate Blumer. Die 36-Jährige schlendert am liebsten über den Markt der Partnerstädte. „Eine Verabredung in einem Café ist bei weitem nicht so informativ.“ Wenn die Männer wüssten, welche Checkliste die Damen dabei abhaken, würden sie sich vielleicht doch noch überlegen, ob sie das Date nicht lieber absagen sollten.
Blumer „prüft“ eine ganze Reihe an Punkten. Schaut der Mann anderen Damen nach? Ist er höflich zu den Verkäufern? Stellt er sich anständig an, oder drängelt er sich am Glühweinstand vor? Quetscht er sich rücksichtslos durch die Massen? Oder lässt er anderen Besuchern höflich den Vortritt?
Motzt er, wenn Eltern einen Kinderwagen durch die Gassen schieben? „Wenn man unbedingt Kinder haben möchte, er aber absolut nicht an Familiengründung denkt, dann kann das früher oder später durchaus zu gewissen Differenzen führen“.
Isst er, worauf er gerade Lust hat, oder prüft er alles Essbare auf Kalorien- und Eiweißgehalt, um ja kein Gramm zuzulegen und den hart antrainierten Waschbrettbauch zu ruinieren? „Einmal hatte ich ein ganz schreckliches Date hier“, so Blumer. „Der Typ war einfach unmöglich.“ Blumer hat noch weitere Stolpersteine auf ihrer Checkliste. Wie reagiert der Kerl, wenn man über kalte Füße jammert? Achtet er darauf, dass niemand seine Begleitung über den Haufen rennt? Betrinkt er sich hemmungslos? Oder blamiert er sich gar mit geographischem Unwissen auf dem Markt der Partnerstädte?
Aber keine Angst. Normalerweise verlaufen Dates am Christkindlesmarkt sehr entspannt. Gesprächsthemen gibt es schließlich genug. Näher kommen kann man sich auch leicht – es ist ja auch so verdammt eng in den Gassen und kalt ist es ja sowieso.
Wenn das alles nichts hilft, kann man immer noch die Flucht ergreifen. Man muss nur zwischen all den Besuchern verloren gehen. Wer dann noch sein Handy abstellt, ist gerettet, kann nach Hause fahren und in aller Ruhe mit einer Freundin über den schrecklichen Mann lästern.
So weit kommt es bei Nadine und Sebastian hoffentlich nicht. Die beiden Studenten gehen zum ersten Mal miteinander aus.
„Warum sollten wir ins Kino gehen, oder uns in ein Café setzen, hier kann man doch so schön an den Buden vorbei schlendern“, sagt die 22-Jährige. Ob sie ihr Date gerade auch auf Herzen und Nieren prüft? Sie lacht nur, „das darf ich doch jetzt nicht verraten“.
Wenn es denn so wäre, müsste sich der 25-Jährige zumindest keine Sorgen machen. Nach eineinhalb Stunden auf dem Hauptmarkt frieren die beiden.
Das Date ist deshalb aber noch nicht vorbei. „Wie gehen jetzt noch in einer Bar was trinken, in der Innenstadt gibt es ja genug Auswahl“.
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12