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Auge in Auge mit Krokodilen und Bären

Naturfilmer Andreas Kieling berichtet in Nürnberg über sein Leben mit wilden Tieren - 04.02.12

Nürnberg  - Seit vielen Jahren gehört Andreas Kieling zu den renommiertesten Naturfilmern Deutschlands. Am Sonntag, 19. Februar, ist er um 20 Uhr mit seiner neuen Multivisions-Show „Mein Leben mit wilden Tieren“ in der Nürnberger Meistersingerhalle zu Gast.

Der will nicht spielen! Naturfilmer Andreas Kieling hat zwar viel Erfahrung mit dem Verhalten von Tieren. Mitunter gerät aber auch er in brenzlige Situationen. Am 19. Februar erzählt er in Nürnberg von seinem Leben mit wilden Tieren.
Der will nicht spielen! Naturfilmer Andreas Kieling hat zwar viel Erfahrung mit dem Verhalten von Tieren. Mitunter gerät aber auch er in brenzlige Situationen. Am 19. Februar erzählt er in Nürnberg von seinem Leben mit wilden Tieren.
Foto: PR
Der will nicht spielen! Naturfilmer Andreas Kieling hat zwar viel Erfahrung mit dem Verhalten von Tieren. Mitunter gerät aber auch er in brenzlige Situationen. Am 19. Februar erzählt er in Nürnberg von seinem Leben mit wilden Tieren.
Der will nicht spielen! Naturfilmer Andreas Kieling hat zwar viel Erfahrung mit dem Verhalten von Tieren. Mitunter gerät aber auch er in brenzlige Situationen. Am 19. Februar erzählt er in Nürnberg von seinem Leben mit wilden Tieren.
Foto: PR

NZ: Herr Kieling, was erwartet die Nürnberger bei ihrem Vortrag?

Andreas Kieling: Ich erzähle aus meinen 25 Jahren als Tierfilmer und Abenteurer. Zum Einstieg gibt es starke Geschichten aus Alaska, wo ich mit wilden Grizzlys und Eisbären zusammengelebt habe. Ich zeige, wie schön, aber auch wie hart das Leben dort sein kann. Viele Zuschauer können sich vielleicht noch an die Wanderung mit meinem Sohn durch Nordkanada und Alaska erinnern. Ich erzähle aber auch von Drehs, die nicht so gut gelaufen sind und mache eine Rückschau in meine Anfänge als Tierfilmer: Dabei gehe ich ganz weit zurück, bis zu meinem ersten Tierfoto, das ich gemacht habe. Das ist mein Meerschweinchen gewesen.



NZ: Was fasziniert die Menschen an ihren Abenteuern?

Kieling: Das ist ein alter Traum, gerade in unserer hektischen und schnelllebigen Gesellschaft: Mal für eine Zeit lang auszusteigen, wobei ich eigentlich nicht aussteige – ich filme ja. Aber es kommt den Zuschauern wie ein Aussteigen vor. Man geht in eine andere Welt und lebt ein Leben, dass den meisten Mitteleuropäern doch sehr fremd ist.

NZ: Sie haben Tiere auf der ganzen Welt gefilmt. Welche haben Sie am meisten beeindruckt?

Kieling: Ich habe 14 Jahre lang in Alaska gelebt, das war mit Sicherheit die prägendste Phase für mich als Tierfilmer. Und daraus hat sich meine Affinität zu Braun- und Eisbären entwickelt. Wenn man nach vier Monaten, wenn der Winter vorbei ist, zurückkehrt, und die Bären aus ihren Schlafhöhlen kommen, und man merkt an ihrem Verhalten, dass sie einen wiedererkennen, an der Stimme, am Geruch, am Verhalten. Das ist sehr berührend. Die Nähe zu großen charismatischen Tieren, egal ob das Berggorillas oder Wüstenelefanten oder Grizzlys oder Eisbären waren – da liegt ein großer Reiz drin. Ich habe aber auch in Deutschland tolle Erlebnisse mit großen Tieren gehabt und habe sie immer noch.

NZ: Welche Talente und Eigenschaften braucht man als Tierfilmer?

Kieling: Die Grundvoraussetzung ist, ein Gespür für Tiere zu haben und sich auf sie einzulassen. Viele Menschen gehen raus in die Natur und kriegen fast nichts mit. Wenn ich gute Aufnahmen machen möchte, muss ich viel über die Tiere und ihr Verhalten wissen. Und ich darf nicht zu emotional werden, und denken, der Bär mag mich jetzt, ist mein Freund. Das ist nur ein Wunschdenken. In der Natur gibt es keinen Hass, keine Rache, das ist Tieren fremd. Aber der Kampf um die Rangordnung wird immer wieder aufs Neue ausgefochten. Deshalb muss ich mir als Tierfilmer überlegen, was sieht das Tier in mir, erst dann bin ich in der Lage gute Aufnahmen zu machen und sehr nah an die Tiere heranzukommen.

NZ: Haben Sie einen Trick, wie Sie sich den scheuen Tieren nähern ?

Kieling: Es ist nicht so, dass ich in den Wald gehe, und alle Tiere von meiner Nähe und von meiner Person überzeugen kann. 80 Prozent aller Tiere, die ich in der freien Wildbahn sehe, laufen weg. Die sehe ich nie wieder. Aber es gibt einige, die sich anders verhalten und mit denen versuche ich dann in Kontakt zu treten, um Aufnahmen machen zu können. Ich investiere in der Regel mehr Zeit damit, Tiere an meine Person zu gewöhnen, als mit den eigentlichen Aufnahmen.

NZ: Haben Sie auch schon Bekanntschaft mit schlecht gelaunten Bären oder Dickhäutern gemacht?

Kieling: Natürlich. In der Regel waren es Scheinangriffe. Das ist eine Warnung: Du bist in mein Territorium vorgedrungen, verdrück dich! Die Tiere demonstrieren mir das in ihrer eigenen Sprache. Und wenn ich die nicht verstehe, bin ich vielleicht eine Minute später ein toter Mann. Richtige Angriffe gab es erst ein paar Mal. Es waren interessanterweise alles Angriffe in Verbindung mit der Paarungszeit. Da wallen die Hormone und die Tiere reagieren über. Das ist ein wenig wie bei uns Menschen.

NZ: Sie haben schon die exotischsten Tiere gefilmt, waren da Ihre aktuellen Recherchen in Deutschland nicht ein bisschen langweilig?

Kieling: Wenn ich morgens einen Fuchs auf der Wiese beobachte, der eine Maus fängt, kann ich mich darüber ähnlich freuen wie über Elefanten in Namibia. Ich weiß, wenn ich hier in Deutschland bin, mache ich andere Beobachtungen wie zum Beispiel in Nordalaska. In Alaska gibt es keine Begegnung mit der Zivilisation. Hier in Deutschland wandere ich durch Landschaften, die über Jahrhunderte und Jahrtausende von uns Menschen gestaltet wurden und einen eigenen Charme haben. Das zieht mich jederzeit wieder komplett in den Bann.

NZ: Hat sich Ihr Interesse im Laufe der Jahre geändert?

Kieling: Wenn mich als 25-Jähriger jemand gefragt hätte, ob ich einen Film über Deutschland machen oder lieber den Yukon-River hinunterfahren möchte, hätte ich ganz klar den Yukon gewählt. Heute würde ich lieber eine Reise auf der Donau von der Quelle bis zum Schwarzen Meer machen, und dabei über die Natur, seltene Vögel, aber auch die Menschen und ihre Geschichten berichten.

NZ: Wie steht Ihre Familie zu ihrem Beruf?

Kieling: Die ist ziemlich gespalten. Mein ältester Sohn teilt in gewisser Weise meine Leidenschaft. Er ist auch gerne draußen und ein abenteuerlicher Typ. Mein anderer Sohn hat eher Bedenken, ob ein Vorhaben funktioniert oder vielleicht zu einem Unfall führen könnte. Und meine Frau ist jemand die sich da am liebsten raushält. Sie bedauert mich eher und sagt, du tust mir leid, wenn du jetzt zu den Berggorillas nach Ruanda fährst oder Wölfe in Sibirien suchst. Da gibt es Moskitos oder Bürgerkrieg, da ist es kalt. Aber sie weiß, dass es mein Lebenselixier ist, und akzeptiert es.

NZ: Ihre neuen Filme und Ihr neues Buch, das im Frühjahr erscheint, spielen wieder in Deutschland...

Kieling: Mein letztes Buch führte mich entlang der deutsch-deutschen Grenze. Jetzt wandere ich durchs wilde Deutschland von den Alpen zum Wattenmeer. Es gibt Geschichten von den Steinböcken und Murmeltieren bis zu den Kegelrobben an der Küste.

NZ: Welches Resümee ziehen Sie aus ihren aktuellen Recherchen?

Kieling: Das Resümee meines neuen Buches ist, dass die Natur insgesamt und die Tiere bereit sind, mit uns Menschen in unmittelbarer Nähe zu leben. Aber: Wir müssen auch dazu bereit sein. Die Wildnis, die wir so verehren, kann ich, wenn ich ein wenig suche, auch in meiner unmittelbaren Nähe finden.

Der Vortrag am 19. Februar ist nahezu ausverkauft. Die neuen Filme von Andreas Kieling laufen in der ZDF-Reihe „TerraX“ am 8. und 15. April um 19.30 Uhr. Sein Buch „Unterwegs im wilden Deutschland“ erscheint im März im Piper-Verlag.
  



Fragen: Clara Grau

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Rund ums Nürnberger Stadtleben berichtet "Nürnberg plus", der Spezial-Lokalteil der NZ-Druckausgabe. Eine Auswahl von Artikeln und Bildergalerien aus N-Plus ist hier zu finden.