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BBC-Fernsehteam zu Besuch bei den Symphonikern

Ein Dirigent ohne Berührungsängste - 23.02. 07:00 Uhr

Nürnberg  - Der Chefdirigent der Nürnberger Symphoniker, Alexander Shelley, ist in seiner Heimat "noch nicht berühmt genug" meint Clemency Burton-Hill, Moderatorin der BBC-Sendung "Culture Show". Um das zu ändern, packte sie ihr fünfköpfiges Drehteam inklusive Produzenten, Kameramänner und Tontechniker in den Flieger und drehte am Mittwoch einen Beitrag für die Sendung im neuen Probesaal am Dokuzentrum ab.

Die BBC-Produzentin Louise Bourner gibt dem Kameramann kurz vor der Aufnahme noch letzte Anweisungen.
Die BBC-Produzentin Louise Bourner gibt dem Kameramann kurz vor der Aufnahme noch letzte Anweisungen.
Foto: Stefan Hippel
Die BBC-Produzentin Louise Bourner gibt dem Kameramann kurz vor der Aufnahme noch letzte Anweisungen.
Die BBC-Produzentin Louise Bourner gibt dem Kameramann kurz vor der Aufnahme noch letzte Anweisungen.
Foto: Stefan Hippel

Für das wöchentlich ausgestrahltes Kulturmagazin filmten sie Shelley, der gerade mitten in den Vorbereitungen einer CD-Einspielung für den Bayerischen Rundfunk steckt.

Casting-Show mit klassischer Musik

Die BBC ist Shelley nicht fremd: Für die BBC Proms, alljährlich stattfindende Sommerkonzerte in London, kommentierte er schon als Experte das Geschehen. Dabei traf er auch zum ersten Mal auf Burton-Hill, die selbst eine erfolgreiche Violinistin ist, als sie den Abend moderierte.

Heute verbindet beide mehr als die bloße Liebe zur klassischen Musik: „Wir wollen, dass die ganze Welt weiß, dass das eigentlich ihre Musik ist“, erklärt die Moderatorin. Mit dem Beitrag, der am 9. März auf BBC2 ausgestrahlt wird, hofft sie, Shelleys Bekanntheitsgrad auch in seiner Heimat zu steigern.

In England trat er auch bei der Sendung „BBC Young Musician of the Year“ als Juror auf, eine Art Mischung aus „Deutschland sucht den Superstar“ und „Jugend musiziert“. Bei dieser Gelegenheit traf er erneut auf Burton-Hill, deren Vater in früheren Jahren die Sendung begleitete. Diese Show ist viel erfolgreicher als das Popmusik-Pendant: Die Gewinner dieses Wettbewerbs schaffen es durch die Bank, weltweit Karrieren als Orchester- und Solomusiker zu machen.

Der Nürnberger Dirigent ist für die auch als Autorin und Schauspielerin aktive Burton-Hill ohnehin Teil einer ganz neuen Generation von jungen Dirigenten, die mit den klassischen Klischees brechen: „Er hat Leidenschaft. Er hat Menschlichkeit.“


Der in London geborene Shelley ist seit 2009 Dirigent der Symphoniker.
Der in London geborene Shelley ist seit 2009 Dirigent der Symphoniker.
Foto: Harald Sippel
Der in London geborene Shelley ist seit 2009 Dirigent der Symphoniker.
Der in London geborene Shelley ist seit 2009 Dirigent der Symphoniker.
Foto: Harald Sippel

Zwar gebe es jede Menge guter Dirigenten, so die Engländerin, „aber Shelly ist wirklich etwas Besonderes.“ Statt alt und verknöchert ist er ein moderner junger Mann, der mitten im Leben steht. Bei seiner Karriere steht er zu dem, wofür er sich begeistert, nämlich der klassischen Musik. Auf die Frage, was er außerhalb der musikalischen Welt so alles anstellt, muss er schmunzeln: „Ich mag Fußball, ich gehe in Clubs, tanze gerne und habe auch keine Berührungsängste mit der Popkultur.“

Ebenso wenig wie sich Shelley vor der Popmusik scheut, sollte es seiner Meinung nach Barrieren zur klassischen Musik, Kunst oder Literatur geben. „Denn diese Dinge haben so viel zu bieten“, erklärt er.



Unter Beweis stellte der 32-Jährige das bereits mit dem Projekt „440Hz“ während seiner Düsseldorfer Zeit. Da war der Name schon Programm: „Überall auf der Welt stimmen Musiker ihre Instrumente nach dem Kammerton A, ganz gleich welche Musik sie machen.“

Shelly organisierte in diesem Rahmen auch Konzerte, bei denen die Grenzen zwischen klassischer und moderner Musik verwischten. „Wir versuchten immer, einen Abend zu gestalten, bei dem der Zuhörer sich nicht denkt ,jetzt höre ich Klassik‘ oder ,jetzt höre ich House‘, sondern erkennt, dass alles zusammenpasst und Sinn ergibt und dem Hörer etwas sagt“.

Kenner und Liebhaber der klassischen Musik seien ohnehin in der Lage, viele Bezüge zum Jazz, zum Pop und sogar zum HipHop zu erkennen. Ähnliche Projekte sind auch für Nürnberg geplant: „Ich möchte einige Ideen, die ich in Düsseldorf hatte, nach Nürnberg holen.“

Gerade jüngeres Publikum will Shelley auch mit dem neuen Probesaal ansprechen: Er sei zwar kleiner als die Meistersingerhalle, eigne sich indes aber besonders für die „jungen Leute, um dann noch Party zu machen“. Spätestens in der Spielzeit 2013/14 soll es damit so richtig losgehen.

Nach Erstausstrahlung am 9. März stellt die BBC ihren Beitrag auch ins Netz, die Adresse: www.bbc.co.uk/programms/b006t6c5.


  



David Ganek

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Rund ums Nürnberger Stadtleben berichtet "Nürnberg plus", der Spezial-Lokalteil der NZ-Druckausgabe. Eine Auswahl von Artikeln und Bildergalerien aus N-Plus ist hier zu finden.