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Am Pfingstwochenende nahm das Talent erstmals am nationalen Lehrgang der „U13“-Junioren teil. „Ich war vorher schon aufgeregt. Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt“, erläutert die Eibacher Nachwuchskraft. Neben dem berechtigten Stolz über die Berufung fieberte er dem Lehrgang auch mit einer gesunden Portion Nervosität entgegen. „Um halb acht ging es gleich zum Morgenlauf, danach wurde gefrühstückt“, schildert der Zwölfjährige den morgendlichen Ablauf. An Ausschlafen war bei der gemeinsamen Übernachtung in der Turnhalle freilich nicht zu denken.
Während sich dreieinhalb Tage alles nur um Faustball drehte, stand der Ball selbst eher selten im Mittelpunkt. „Wir waren weniger auf dem Feld, sondern haben mehr Lauf- und Athletikübungen gemacht“, erklärt Lukas. Er freute sich vor allem darüber, ausnahmsweise einmal andere Trainer als seinen Vater Uli Schneider an der Seite zu haben, der zu Hause in Eibach das Jugendtraining leitet.
Während Lukas den einen oder anderen Kaderspieler schon von Vereinsduellen kannte, spielte sich der Eibacher prompt in die Starting-Five und zählt nun zu den fünf besten deutschen „U13“-Junioren. „Ich habe es mir schlimmer vorgestellt, auch wenn es schon anstrengend war“, erklärt der Zwölfjährige. Seinen Muskelkater verschweigt er nicht. „Er war ziemlich kaputt und ist schnell eingeschlafen“, erinnert sich Uli Schneider mit einem Grinsen an die Rückkehr seines Sohnes.
Faustball wurde dem Zwölfjährigen praktisch in die Wiege gelegt. Während Vater Uli 1988 den Europapokal an den Hopfengartenweg holte, hat Mutter Karen als Spielertrainerin die Verantwortung für die Eibacher Frauen, die erst kürzlich den Aufstieg in die erste Bundesliga geschafft haben. Die Faustballerfamilie komplettiert der zehnjährige Niklas Schneider, der bereits gemeinsam mit seinem Bruder Lukas auf dem Trainingsplatz steht. Auf seinen Lorbeeren ausruhen soll sich der Zwölfjährige aber nicht. „Das war nur ein Etappenziel“, mahnt Uli Schneider. Eine Warnung, die bei seinem Sohn Lukas längst angekommen zu sein scheint. Schwer beeindruckt berichtet das Talent vom Leistungsvermögen der älteren Kaderspieler – ein Niveau, das er auch bald erreichen möchte.
„Ein größeres Feld, eine höhere Leine und ein schwererer Ball – von der ‚U12‘ zur ‚U14‘ ist es ein Riesenschritt“, erklärt Trainer Uli Schneider, der beide Jahrgänge zusammen trainieren lässt, damit sich auch die Jüngeren frühzeitig an die höheren Anforderungen gewöhnen. Während Lukas Schneider bei der „U14“ zu den Angreifern zählt, verstärkt er auch schon die „U16“ in der Abwehr. Wenn es die Zeit hergibt, steht der Zwölfjährige auch beim Training der Mädchen mit auf dem Feld.
„Es ist schon eine hohe Belastung, aber Lukas ist auch sehr motiviert“, sagt Uli Schneider. Neben den Reisestrapazen bei Lehrgängen und Auswahlspielen muss der Zwölfjährige für einzelne Tage von der Schule befreit werden. Bisher hat sich der hohe Zeitaufwand jedoch nicht negativ auf seine schulischen Leistungen ausgewirkt. Stattdessen steht er zusätzlich einmal pro Woche für den TC Eibach auf dem Tennisplatz, was Vater Uli mit gemischten Gefühlen sieht, aber: „Tennis ist ein herrlicher Sport, den ich auch betrieben habe.“
Doch die Freude, mit dem Sohn ein paar Bälle schlagen zu können, trübt die Tatsache, dass einige Bewegungsabläufe beim Tennis für diverse Schlag-Techniken beim Faustball nicht gerade förderlich sind, wie Lukas auch selbst schon auf dem Feld feststellen musste. Auch wenn er vorhat, sportlich vorerst weiter zweigleisig zu fahren, betont er: „Faustball hat immer Vorrang.“
Mit Motivationsproblemen hat in diesen Tagen keiner der Eibacher Nachwuchsspieler zu kämpfen. Während die D-Junioren mit der Deutschen Meisterschaft am vergangenen Wochenende den Saisonhöhepunkt bestritten (die weibliche "U12" holte den Titel, die männliche wurde Vize-Meister), schwärmen einige von ihnen regelrecht von der für die deutsche Mannschaft siegreichen Faustball-WM in Österreich.
„Wir sind mit zwölf Kids und drei Elternpaaren hingefahren. Es war eine supergeile Veranstaltung“, beschreibt Uli Schneider die Eindrücke von den Finalspielen. Auch Sohn Lukas ist noch immer aus dem Häuschen: „Die Partystimmung ist besser als beim Fußball.“ Schließlich gebe es durch die vielen Punkte ständig Grund zum Jubeln, nicht nur selten bei Toren. Besonders die akrobatischen Einlagen der Nationalspieler beeindruckten den Nachwuchsspieler: „Du denkst: Den kriegt der doch nie mehr – und plötzlich hechtet der Abwehrspieler nach dem Ball und spielt ihn.“ Zwar hat Lukas Schneider die Teilnahme am nächsten Junioren-Nationalmannschaftslehrgang bereits sicher, doch er ist sich bewusst, dass er sich permanent neu beweisen muss. Gelegenheiten dazu bieten sich in diesem Jahr noch genügend. Bereits im September reist der Eibacher mit der Bayernauswahl zum Deutschlandpokal nach Schleswig-Holstein.
Im Oktober geht es dann zum Jugend-Europacup, bei dem sich Bayerns Beste mit Auswahlmannschaften aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz messen werden. Prognosen will der Eibacher nach zwei zweiten Plätzen im Vorjahr lieber nicht abgeben, versichert aber: „Wir werden angreifen. Wir haben noch eine Rechnung offen.“


