26°C
Donnerstag, 24.05. - 15:37 Uhr
Login
Info
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos!
Passwort vergessen
Info
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!

E-Mail-Adresse
Druckversion

Bioanbau auf Mafiaboden

Junge Italiener berichten von einem mutigen Projekt - 20.02. 08:00 Uhr

Nürnberg  - Fünfzehn ehemals arbeitslose junge Leute in Süditalien schließen sich zu einer Kommune zusammen und erzielen mit dem Verkauf ökologischer Produkte Gewinne. Das klingt wie eine reine Erfolgsgeschichte. Nicht jedoch, wenn diese Landwirtschaft auf einem Gelände betrieben wird, das vormals im Besitz der kalabresischen Mafia war. Von Schwierigkeiten, Erfolgen und einem "Kulturkampf" berichteten Mitglieder der Genossenschaft "Valle del Marro-Libera Terra" im Nachbarschaftshaus Gostenhof.


Im Rahmen der BioFach waren die jungen Landwirte aus Süditalien nach Nürnberg gekommen. Die Dante Alighieri Gesellschaft hatte in Zusammenarbeit mit dem Italienischen Konsularbüro in Nürnberg, dem Generalkonsulat der Republik Italien und der Nürnberger Vertretung des BUND Naturschutz zum „Kalabresischen Bioabend“ geladen.

„Italien ist der größte Produzent biologischer Landwirtschaft in der EU, knapp 300 italienische Unternehmen stellen auf der BioFach aus“, so Enrica Valsecchi, Präsidentin der Gesellschaft. Von der Qualität der ökologischen Produkte konnten sich die Gäste der Abendveranstaltung bei einem Buffet überzeugen.

Die Geschichte der Genossenschaft Valle del Marro ist in mehrerlei Hinsicht beeindruckend. Das Grundstück der Kommune wurde 1995 der kalabresischen Mafia, der ’Ndrangheta, enteignet. Das Jahr war für Italien ein sehr schwieriges, denn damals fielen die kritischen Richter Falcone und Borsellino den Killern der Mafia zum Opfer.

Lange fand sich kein Käufer für das verwilderte Landstück. Viele hatten Angst, mit der ’Ndrangheta in Konflikt zu geraten. Die kriminelle Organisation gilt mit mehreren Milliarden Jahresumsatz als einer der mächtigsten Mafia-Arme Europas. Nicht nur im weltweiten Drogenhandel ist sie federführend, auch mit gefälschten Biolebensmitteln macht die ’Ndrangheta riesige Umsätze. Nach wie vor hat sie Kalabrien fest im Griff.

Ein kleines Vermögen investiert

Trotzdem ließen sich die langzeitarbeitslosen Jugendlichen nicht abschrecken. Seit 2005 bauen sie auf dem Gelände „Libera Terra“ biologisches Obst und Gemüse an. 2500 Euro Startkapital, ein kleines Vermögen, hat jeder von ihnen investiert, um dem Traum vom ökologischen Landbau näher zu kommen. Domenico Fazzari gehört zu den Mitgliedern der ersten Stunde.

In Nürnberg berichtete er, wie die Jugendlichen von der lokalen Bevölkerung erst einmal kritisch beäugt wurden: „Kaum jemand konnte sich vorstellen, dass jemand, der auf einem ehemaligen Mafia-Grundstück lebt, nichts mit denen zu tun hat“, so Fazzari. Umso mehr hat es die Genossenschaft gefreut, als sie nach und nach das Vertrauen ihrer Nachbarn gewinnen konnten und von diesen auch Unterstützung, zum Beispiel in Form von Landmaschinen, erhielten. Erste Verkaufserfolge erzielten sie 2006 mit eingelegten Auberginen und selbst gemachtem Chili-Pesto.

Auch wenn es sicher vieles leichter gemacht hätte, ließen sich die Biolandwirte nicht auf Avancen der Mafia ein. Im Gegenteil, sie stellten sich sogar aktiv gegen den mächtigen Gegner: „Wir haben uns auf einen Kulturkampf eingelassen, denn die ’Ndrangheta regiert nicht nur in Italien, sondern überall auf der Welt“, so Fazzari. Als die Kommune im März 2007 zu einer Demonstration zum Gedenken an die Opfer der Mafia einlud, kamen mehr als 30000 Leute. Die Mafia reagierte auf ihre Art: „Einen Monat später erlitten wir einen Schaden von 50000 Euro, weil Unbekannte uns Zucker in die Tanks unserer Traktoren geschüttet hatten.“ Es blieb nicht das einzige Mal, dass die Kommune zur Zielscheibe der Mafia wurde. Erst im letzten Sommer brannten 500 Olivenbäume, immer wieder werden wertvolle Maschinen gestohlen oder zerstört.

„Legalität, Solidarität und soziale Gerechtigkeit“ – dies sind die Ziele, auf die sich die Genossenschaft beruft. Daher ist es für Domenico Fazzari und seine Mitstreiter auch selbstverständlich, trotz aller Rückschläge weiterzumachen: „Wir möchten in unserem Land bleiben und etwas verändern. Wir sind die Generation, die endlich damit beginnen muss, damit es unseren Kindern und Enkeln besser geht.“ Er selber habe viel zu oft gehört, dass man „an sich denken“ müsse. Domenico denkt besonders an seinen neunmonatigen Sohn: „Er soll mal stolz auf seinen Vater sein.“ 



Gilda Goharian

Ihr Kommentar

Name:
 
Info
Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.



Zum Thema
BioFach 2007
Seit:
1990; ab 1999 in Nürnberg
Turnus:
jährlich

Termin:
13. bis 16.2.2013
Zeiten:
Zutritt nur für Fachbesucher!
Kurzbeschreibung:
Größte Fachmesse für Bio-Lebensmittel und Naturwaren aus aller Welt. Seit 2007 in Verbund mit der Naturkosmetik-Messe Vivaness.
Veranstalter:
NürnbergMesse
Besucher:
40.000 aus 130 Ländern (2012)
Teilnehmer:
2.400 Aussteller; davon 70 Prozent aus dem Ausland (2012)