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Bürokratische Hürden auf dem Weg zum Familienglück

Ein homosexuelles Paar berichtet bei Pro Familia über seine Familiengründung - 01.07. 17:11 Uhr

Nürnberg  - "Kinderwunsch Grenzenlos" ist das Jahresmotto der gemeinnützigen Organisation Pro Familia für 2011. Für Fragen zu Sexualität und Partnerschaft, Schwangerschaft und Familienplanung steht bei Pro Familia auch die Beratungstür für Homosexuelle offen. Am vergangenen Mittwoch berichteten Paare der Initiative lesbischer und schwuler Eltern (ILSE Nordbayern) über ihre Erlebnisse auf dem Weg hin zum Wunschkind.


Die Familien von Daniela und Susanne F., hier mit ihrer Tochter Anna, reagierten positiv auf den Kinderwunsch.
Die Familien von Daniela und Susanne F., hier mit ihrer Tochter Anna, reagierten positiv auf den Kinderwunsch.
Foto: Norbert Kiesewetter
Die Familien von Daniela und Susanne F., hier mit ihrer Tochter Anna, reagierten positiv auf den Kinderwunsch.
Die Familien von Daniela und Susanne F., hier mit ihrer Tochter Anna, reagierten positiv auf den Kinderwunsch.
Foto: Norbert Kiesewetter

Susanne (32, Betriebswirtin) und Daniela F. (31, Sozialpädagogin) waren bereit, Nürnbergplus ihre Erfahrungen mitzuteilen. Die beiden sind seit 2007 ein Paar, der Kinderwunsch war schon immer ganz klar vorhanden, auch wenn im ersten Moment die lesbische Neigung scheinbar im Weg stand. Heute halten sie ihre neunmonatige Tochter in den Armen und sind eine glückliche Familie.

„Anfangs ist das schwerste Kopfarbeit! Trauen wir uns das zu? Was sagen die Eltern? Welche Probleme wird das Kind in der Schule haben?“, erinnert sich Daniela F. „Soll die Samenspende von einem guten Freund kommen oder anonym? Uns war es wichtig, dass wir in fünf oder 20 Jahren mit unserer Entscheidung immer noch zufrieden sind!“ In einem ersten hilfreichen Kontakt zur ILSE trafen Susanne und Daniela auf rund 20 Familien aus Nürnberg, Bamberg und Würzburg. Die meisten haben schon Kinder, andere Paare stehen noch in der Familienplanung. Jeden ersten Sonntag im Monat gibt es ein Treffen entweder im Spielhaus Rädda Barnen oder einen Freizeitausflug. Bei einem bundesweiten Treffen besuchten Susanne und Daniela das Familienseminar des LSVD (Lesben- und Schwulenverband Deutschland). „Auf unseren Kinderwunsch haben in den eigenen Familien alle positiv reagiert. Es gab auch keinerlei negative Erlebnisse aus unserem Wohnumfeld“, erinnert sich Susanne.

Die beiden entschieden sich letztlich für einen anonymen Samenspender, weil keine Vaterrolle im klassischen Sinn ausgeübt werden soll. Sie haben im Internet gesucht und eine Anzeige aufgegeben. „Schließlich wählten wir unter zwei Bewerbern auch nach ‚Bauchgefühl‘ aus“, erzählt Daniela F. „Der Student hat gut ausgeschaut, war nach seinen Attesten gesund und im persönlichen Kontakt sofort sympathisch. Er sieht aus wie der jüngere Bruder von Susanne.“ Ein sporadischer E-Mail-Kontakt besteht und sein Name ist hinterlegt, falls Tochter Anna mit 16 Jahren doch noch mehr über ihre Abstammung wissen möchte.

Bürokratische Hürden überwinden

Insgesamt mussten mehr Hürden überwunden werden als bei Heteropaaren. Als problematisch erwies sich das Adoptionsrecht. „Unsere Anna war endlich geboren und ich wollte sie adoptieren. Dann forderte das Jugendamt, es müsse erst ein Mutter-Kind-Verhältnis entstehen. Das bedeutete, frühestens nach zwölf Monaten wäre von Amts wegen alles glatt gegangen“, erinnert sich Susanne. „Monatelang habe ich mich auf unser Kind gefreut, war bei der Geburt dabei. Die geforderte Wartezeit war wie ein Schlag ins Gesicht!“

Die mit dem Samenspender abgesprochene Anonymität machte der Bürokratie schwer zu schaffen. Zwei DIN-A4-Ordner Korrespondenz, mehrere Richter- und Notartermine waren nötig, um die Adoption in sieben Monaten durchzuboxen. „Manchmal hatte ich schon Zweifel, ob es nicht einfacher gewesen wäre, die zwölf Monate einfach abzuwarten“, meint Susanne. „Dagegen war die Beantragung der Elternteilzeit vorbildhaft einfach!“ Es bestehen Steuer-Nachteile, weil die Lebenspartnerschaft nicht mit der Ehe gleichgestellt ist. Ein klares Adoptionsrecht für Schwule und Lesben fehlt, deswegen läuft im Moment alles in einem juristischen Graubereich ab. „Alle gleichgeschlechtlichen Paare sollten mehr an die Öffentlichkeit gehen“, wünscht sich Daniela. „Die Gesellschaft ist offener und toleranter als man denkt!“

Weitere Informationen bei der Initiative lesbischer und schwuler Eltern im Internet unter www.ilse.lsvd.de oder per Mail unter ilse.nordbayern@lsvd.de
  



Norbert Kiesewetter

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Rund ums Nürnberger Stadtleben berichtet "Nürnberg plus", der Spezial-Lokalteil der NZ-Druckausgabe. Eine Auswahl von Artikeln und Bildergalerien aus N-Plus ist hier zu finden.