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Noch erstaunlich locker wirkt Dennis Kirchberg, der sich einen Visumsantrag kopiert. In wenigen Tagen soll es nach Burma gehen. „Zum Reisen und Forschen“, wie er sagt. Durch die Vorfreude sind die Formulare für seine Aufenthaltsgenehmigung ein klein wenig in Vergessenheit geraten und er ist nun spät dran. „Ich bin am Samstag im Copyshop, weil ich organisatorisch etwas hinterherhänge. Meine Odyssee ist hier noch keinesfalls vorbei, es geht jetzt gleich noch weiter.“ Sagt’s und verschwindet zur Post um die Ecke, von wo aus er die Unterlagen per Express an die Visumsagentur weiterschickt.
Auch Julia Rose macht nur einen Zwischenstopp am Äußeren Laufer Platz. Die BWL-Studentin hat erst vor 20 Minuten ihre Diplomarbeit zu Hause am Schreibtisch fertig geschrieben, deren Seiten der Drucker gerade ausspuckt. „Ich muss die Arbeit heute noch abgeben“, sagt die 29-Jährige verlegen. Warum sie auf den letzten Drücker hier ist? „Neben dem Studium arbeite ich noch sehr viel und dann bleibt oft nur das Wochenende.“ Geschlafen hat Julia diese Nacht gar nicht. Nachdem sie sich für einen Einband entschieden hat, eilt sie in Richtung Prüfungsamt davon.
Im hinteren Teil des Ladens tummeln sich derweil zwei Studenten und greifen zielsicher in eines der Regalfächer. Das Geschäft bietet nicht nur Soforthilfe in Form von Direktausdrucken und Sofortkopien, sondern hat auch die Lösung für diejenigen parat, denen selbst 16 Uhr am Samstag als letzte Frist nicht reicht. Die beiden Männer verlassen das Geschäft mit einem Toner und haben das Schlimmste noch vor sich: Es blüht ihnen eine Nachtschicht am Schreibtisch. Ihre Arbeiten sind noch weit davon entfernt, überhaupt fertig zu sein und müssen in nervenaufreibender Heimarbeit ausgedruckt werden.
Da ist Jasmin Dittrich schon wesentlich besser dran. Sie liegt nicht nur gut im Zeitplan, sondern hat ihren Freund Alexander Lütkebohle zur Unterstützung mit an den Drucker geschleppt. Die 26-jährige Studentin der Kulturwissenschaft vergleicht in ihrer Masterarbeit vier feministische Romane und hat bis zur endgültigen Abgabe noch über eine Woche Zeit. Trotzdem ist sie sehr froh darüber, ihre Arbeit in dreifacher Ausgabe schon heute mit nach Hause zu nehmen. Die Erleichterung darüber steht ihr ins Gesicht geschrieben, als sie wenig später ihre Thesen in gebundener Form in den Armen hält.
Doch es finden sich nicht nur Studenten aus der nahe liegenden Uni zwischen den Druckern, Kopieren und Scannern. Geraldine Baumhof ist geschäftlich hier. Sie wohnt gar nicht in Nürnberg und ist extra 60 Kilometer weit gefahren, um Flyer für ihren Yoga-Unterricht zu drucken. „Den Tipp habe ich von einem Freund bekommen. Bei mir hat am Wochenende kein Kopierladen geöffnet und ich brauche die Werbezettel unbedingt für Montag.“ Ein Gerät weiter lässt sich ein Ehepaar beraten. Es erstellt ein Projektportfolio zu einem Businessplan, das für ein Treffen mit Geldgebern in der nächsten Woche gebraucht wird.
Mittlerweile ist es nach 15 Uhr und der allgemeine Stresspegel der Anwesenden scheint prozentual zur voranschreitenden Stunde zu steigen. Eine ältere Dame steht sogar schon so unter Zeitdruck, dass sie auf die Frage nach einem Gespräch nur ärgerlich abwinkt und etwas von „Ich hab andere Probleme“, zischt. Den auf den Rücken geschnallten Rucksack hat sie erst gar nicht abgenommen, ebenso werden Mantel, Schal und Mütze anbehalten. Sichtlich nervlich angeschlagen transportiert sie die kopierten Papiere nach einer Viertelstunde in einer Plastiktüte vom Discounter nach Hause, ohne zu verraten, warum sie unter Druck ist.
Der Countdown läuft. Es ist eine Stunde vor Geschäftsschluss und der Laden hat sich wirklich merklich gefüllt und auch die Raumtemperatur ist durch den Hochbetrieb der Drucker und Kopierer angestiegen. An der Kasse bildet sich eine kleine Warteschlange aus Studenten, Geschäftsleuten, älteren Herrschaften, die sich Zeitungsausschnitte über die eigenen Enkel kopiert haben, Azubis in spe mit Bewerbungsmappen und noch druckfrischen Fotos unterm Arm.
Das dreiköpfige Team wuselt zwischen den Kunden umher, füllt leere Fächer am Drucker auf, beseitigt Papierstaus und hilft beim Verkleinern und Vergrößern diverser Dokumente. Aber was der Laie als regen Betrieb interpretiert, ist gar keiner, meint Edith Pecher vom Copyland. „Eigentlich ist heute total tote Hose. Da hätten Sie mal letzte Woche hier sein sollen oder kurz vor Weihnachten, als die Schüler ihre Facharbeiten abgeben mussten! Da reichte die Schlange fast bis zur gegenüberliegenden Straßenseite.“
Um zehn vor vier erscheint eine müde wirkende Studentin mit einem ganzen Korb voller loser Blätter. Sie ist der obligatorische Nachzügler des Tages. „Ich hätte noch ein paar Bindungen zu machen“, sagt sie erschöpft Richtung Tresen. „Dann aber schnell“, meint Edith Pecher, „wir haben schließlich bald Feierabend.“
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12