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Das plötzliche Ende einer Erfolgsgeschichte

Kündigung: Die „Erzählbühne“ hat keinen Platz mehr in der Stadtbibliothek - 19.01.11

Nürnberg  - Das Jahr begann mit einem Paukenschlag: Das fünftägige Festival „Zauberwort“ begeisterte zahlreiche Besucher und rückte die Kunst des Erzählens ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Kurz nach diesem Höhepunkt kommt jetzt ein Tiefschlag für den Veranstalter: Der „Erzählbühne“ werden die Räumlichkeiten gekündigt. Die Stadtbibliothek, unter deren Dach die Erzählkunst seit Jahren eine feste Adresse hat, meldet plötzlich Eigenbedarf an.


Jahrelang hat Michl Zirk dafür gekämpft, eine feste Adresse für die Erzählkunst zu etablieren. Jetzt wird ihm ohne Vorwarnung gekündigt.
Jahrelang hat Michl Zirk dafür gekämpft, eine feste Adresse für die Erzählkunst zu etablieren. Jetzt wird ihm ohne Vorwarnung gekündigt.
Foto: Flassak
Jahrelang hat Michl Zirk dafür gekämpft, eine feste Adresse für die Erzählkunst zu etablieren. Jetzt wird ihm ohne Vorwarnung gekündigt.
Jahrelang hat Michl Zirk dafür gekämpft, eine feste Adresse für die Erzählkunst zu etablieren. Jetzt wird ihm ohne Vorwarnung gekündigt.
Foto: Flassak

Michl Zirk, der Macher der „Erzählbühne“, ist entsetzt: „Es gab vor der Kündigung keine Vorwarnung, nicht mal eine Andeutung. Auf meine Nachfrage hieß es dann, dass aufgrund der Terminbindung leider keine Vorgespräche geführt werden konnten. Es müsste schnell gehandelt werden.“ Als Grund gab ihm ein Mitarbeiter der Stadtbibliothek die Fusion mit dem Bildungszentrum (BZ) zum „Bildungscampus“ an. Gerade erst hatte dessen neuer Leiter, Wolfgang Eckart, in einem Interview die Vereinigung von BZ und Bibliothek anschaulich beschrieben: Als zwei Bildungstanker, die nun unter gemeinsamer Flagge fahren. Michl Zirk greift das Bild auf: „Das Pikante dabei ist, dass dieser neue Riesentanker zuallererst einen kleinen, aber feinen Kultur-Einhandsegler wie die Erzählbühne versenkt.“

Dieser Darstellung widerspricht Christian Kunze, kommissarischer Leiter der Stadtbibliothek: „Der Bildungscampus steht erst am Ende einer Reihe von Gründen.“ Der Hauptgrund für den Raumbedarf sei die Schaffung einer neuen Zentralbibliothek. So ziehe etwa die Buchrestaurierung vom Egidienplatz an den Gewerbemuseumsplatz. Zudem steige dort der Bedarf an Besprechungs- und Veranstaltungsräumen. „Wir wurden vom Publikumsinteresse an bestimmten Angeboten überrascht“, erklärt Kunze einen Mitgrund für die kurze Kündigungsfrist. „Es tut mir Leid für Herrn Zirk. Aber ich stehe bei meinen Kunden in der Pflicht.“

Zirk ist zwar der alleinige Betreiber der Erzählbühne, aber betroffen ist zugleich eine gutes Dutzend Erzählerkollegen aus dem Großraum, das die feste Spielstätte geschätzt hat – so wie auch das Publikum.

Seit 2003 fördert Michl Zirk die Erzählkunst in den Räumen der Stadtbibliothek: Erst mit dem „Haus der Geschichten“ im Luitpoldhaus, seit 2006 dann mit der „Erzählbühne“ im Gebäude am Katharinenkloster. „Die Raumsituation und die Lage sind optimal: Zentral, gut erreichbar, und man traut sich auch abends im Dunkeln hin“, erzählt Zirk.

Für ihn war es schon immer wichtig, einen konstanten Spielort anzubieten: „Wer einen bestimmten Musikstil in Nürnberg hören möchte, der weiß, wohin er gehen muss. Aber wohin gehen Leute, die gerne Geschichten hören? Das Publikum brauchte früher detektivische Eigenschaften, um die verschiedenen Veranstaltungen zu finden!“

Inzwischen ist die „Erzählbühne“ etabliert – sie ist der einzige Veranstaltungsort in Deutschland, an dem regelmäßig und ausschließlich Erzählveranstaltungen stattfinden. Aber nicht mehr lange: Zum 31. Mai muss Michl Zirk das Feld geräumt haben. „Ich plane also für Mitte Mai die letzte Veranstaltung, der Arbeitstitel lautet ,The Last Waltz’ – ein Abschieds-Abend mit verschiedenen Erzählern und Musikern.“

Es gibt aber auch gute Nachrichten von der „Erzählbühne“. Zum Beispiel die, dass es noch schlimmer kommen könnte: Michl Zirk muss keine Veranstaltungen absagen, weil ohnehin eine Sommerpause geplant war. Und er will weitermachen – die Suche nach neuen Räumen hat bereits begonnen.

Wer Räumlichkeiten für die „Erzählbühne“ anbieten möchte, erreicht Michl Zirk unter 0170-554629

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Erik Stecher

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Rund ums Nürnberger Stadtleben berichtet "Nürnberg plus", der Spezial-Lokalteil der NZ-Druckausgabe. Eine Auswahl von Artikeln und Bildergalerien aus N-Plus ist hier zu finden.