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"Dem ein oder anderen fehlen zwei Eier in der Hose"

Basketball-Manager Johannes Kopkow vor der Trennung von NBC-Trainer Taylor - 17.02. 18:51 Uhr

Nürnberg  - Seit dem Sommer 2009 fungiert Johannes Kopkow bei den Basketballern des Nürnberger BC als Manager. Der Niedersachse, der seit einigen Wochen mit einer Nürnbergerin verheiratet ist, hat den Aufstieg des neugegründeten Klubs entscheidend mitgeprägt. Nun aber sieht sich der 29-jährige Diplom-Kaufmann einer schwierigen Situation gegenüber:

Angestrengte Mienen bei den Verantwortlichen im Nürnberger Profibasketball: NBC-Manager Johannes Kopkow (links) und Geschäftsführer Alexander Lolis suchen einen neuen Trainer.
Angestrengte Mienen bei den Verantwortlichen im Nürnberger Profibasketball: NBC-Manager Johannes Kopkow (links) und Geschäftsführer Alexander Lolis suchen einen neuen Trainer.
Foto: Sportfoto Zink
Angestrengte Mienen bei den Verantwortlichen im Nürnberger Profibasketball: NBC-Manager Johannes Kopkow (links) und Geschäftsführer Alexander Lolis suchen einen neuen Trainer.
Angestrengte Mienen bei den Verantwortlichen im Nürnberger Profibasketball: NBC-Manager Johannes Kopkow (links) und Geschäftsführer Alexander Lolis suchen einen neuen Trainer.
Foto: Sportfoto Zink

Die Trennung von Trainer Derrick Taylor war gestern praktisch beschlossene Sache. In dem Interview, das wir einige Stunden zuvor führten, war die Entwicklung bereits abzulesen. Zu der aktuellen Entwicklung wollte Kopkow keine Stellung nehmen.

NZ: Die sportliche Situation ist nicht dazu angetan, Optimismus zu verbreiten. Aber ist Ihre Aussage, jetzt im Abstiegskampf zu stecken, bei fünf Siegen Vorsprung auf den Abstiegsplatz nicht nur strategischer Natur?

Johannes Kopkow: Das muss ich ein wenig revidieren. Wir sind nicht mitten im Abstiegskampf, aber wir müssen aufpassen, dass wir da nicht reinrutschen. Wir sind zwar noch fünf Spiele vor dem Letzten, aber nichtsdestotrotz hat Leitershofen in den letzten acht Spielen das deutlich leichtere Programm. Ich möchte nicht, dass wir zwei Spieltage vor Schluss zu Hause gegen Leitershofen spielen und wir unbedingt gewinnen müssen. Unser Team scheint diese Saison nicht gefestigt genug, um so einer Drucksituation standhalten zu können.



NZ: Die Mannschaft spielt auch sehr launisch. Oft wollte sie ein Signal setzen, enttäuschte aber genau dann. Wie ist das zu erklären?

Kopkow: Das ist unbefriedigend, und das ist auch ein Trend. Es ist richtig im Sport, von Spiel zu Spiel zu denken. Man darf aber deswegen nie den Blick über den Tellerrand verlieren und muss auch nach vorne schauen. Und dieser Trend ist für uns Grund, Alarm zu schlagen. Das muss bei den Spielern und bei den Trainern ankommen. Jeder von denen muss alles für den NBC geben, nicht für sich selber. Das ist uns auf gut deutsch scheißegal. Es geht um den NBC. Und es geht um ein Programm, was wir hier in den letzten zweieinhalb Jahren mühsam angefangen haben aufzubauen und was wir weiterentwickeln möchten. Und dazu gehört auch eine sportliche Entwicklung.

NZ: Und wenn die nicht erkennbar ist?

Kopkow: Dann muss und wird es Konsequenzen geben. Wir möchten die nur nicht während dieser Saison ziehen. Wenn ein Spieler nicht verstanden hat, dass er einen Teil dazu beitragen muss, die sportliche Komponente effektiver und produktiver zu machen, wird der im nächsten Jahr sicher nicht mehr in Nürnberg spielen. Das gilt für Spieler als auch für Trainer. Deswegen ist es umso enttäuschender, wenn Zeichen gesetzt werden sollen, aber keine Zeichen kommen. Dann muss jeder dafür die Verantwortung tragen und Konsequenzen in Kauf nehmen.

NZ: Fehlen der Mannschaft Typen?

Kopkow: Ja, der Mannschaft fehlen teilweise die Typen, teilweise auch die emotionalen lautsprechenden Leader und dem ein oder anderen zwei Eier in der Hose.

NZ: Muss man dann jetzt zugeben, bei der Zusammenstellung des Kaders extreme Fehler gemacht zu haben?

Kopkow: Wir haben das auch mit Derrick Taylor durchgesprochen, und das war eine Entscheidung, die wir natürlich mitgetragen haben im Sommer. Er wollte unbedingt Jaivon Harris hier haben, der das Budget, was für einen Point Guard gedacht war, aufbrauchte. Und das ist ein Fehler, der sich jetzt herauskristallisiert. Ein Trainer ist natürlich für die sportlichen Belange verantwortlich, genau wie ich für die Mitarbeiter in der Geschäftsstelle verantwortlich bin. Am Ende muss sich jeder an den Zielen messen lassen, die er ausgegeben hat.

NZ: Hat es Taylor zu verantworten, dass das Team nicht zueinander findet? Oder passen die vielen bundesligaerfahrenen Spieler einfach nicht zusammen?

Kopkow: Grundsätzlich verstehen sich die Spieler sehr gut. Aber die müssen kein Wort außerhalb des Spielfeldes miteinander reden, sobald sie im Training oder im Spiel auf dem Court stehen, müssen sie von Anfang bis Ende füreinander kämpfen, sich vertrauen, miteinander kommunizieren. Das ist das Wichtige. Da muss es ein Team geben, da muss eine Team-Chemie entstehen. Aber das haben wir nicht geschafft, dass auf dem Spielfeld eine ganz klare Hierarchie, Rollenverteilung und Team-Chemie entsteht. Anscheinend ist auch das Vertrauen ineinander nicht da, und was natürlich aktuell ein sehr großes Problem ist, dass die Spieler auf dem Spielfeld nicht das umsetzen, was die Coaches ihnen mitgeben.

NZ: Und warum nicht?

Kopkow: Es kann drei Lösungen geben: Der Trainer schafft es nicht, den Spielern das, was er will, verständlich zu machen. Die Spieler verstehen es einfach nicht, der Trainer kommt nicht rein in die Köpfe, oder die Spieler wollen es nicht verstehen. Jede Möglichkeit wäre schlimm.

NZ: Ist die Mannschaft zu brav?

Kopkow: Die Spieler sind absolut loyal gegenüber ihrem Trainer und Derrick stellt sich ja auch immer vor seine Spieler. Das ist eine sehr verschworene Einheit, nur gehört halt auf dem Court mehr dazu, als nur lieb und nett zu sein. Nur mit Streichelzoo kommt man nicht weiter.

NZ: Derrick Taylor gilt als ausgesprochen höflicher Mensch. Ist er zu nett als Trainer?

Kopkow: Er ist unglaublich sympathisch, super höflich, zuvorkommend, eloquent und charismatisch. Er ist ein sehr, sehr netter Mensch.

NZ: Ist die Gefahr nicht groß, dass Spieler bereits jetzt mit ihren Gedanken woanders sind?

Kopkow: Das glaube ich nicht, weil sie ja im Moment immer noch von uns bezahlt werden. Wenn dem so wäre, müssten wir denjenigen Spieler sofort freistellen. Das möchte ich mir nicht vorstellen, jeder empfiehlt sich ja für irgendwas danach, ob das bei uns ist oder woanders.

NZ: Diese Umbaumaßnahmen, die im Sommer anstehen, könnten auch Spieler mit Vertrag treffen?

Kopkow: Grundsätzlich halten wir uns an Verträge. Außer wir empfinden die Situation gemeinsam so, dass wir den Vertrag auflösen, weil es besser für beide Seiten ist. Das eine schließt das andere nicht aus, was bedeutet: sowohl die einen als auch die anderen können sich nicht sicher sein. Das bezieht sich auf Trainer und Spieler, und das bezieht sich auch auf einen ganz anderen elementaren Punkt. Wir müssen erst mal schauen, was wir für ein Budget haben in der kommenden Saison. Es kann also theoretisch sein, dass wir gerne mit dem einen oder anderen Spieler verlängern wollen, es uns aber gar nicht leisten können.

NZ: Inwieweit ist es dann aus wirtschaftlicher Warte gefährlich, wenn man die Play-offs nicht erreicht?

Kopkow: Um neue Sponsoren zu gewinnen, sind die Play-offs ein ganz tolles Marketinginstrument. Da könnten sie Basketball von seiner besten Seite kennenlernen. In den Play-offs kommen noch mehr Leute, da passiert noch mehr, da ist es insgesamt viel, viel positiver. Aber dafür müssen alle kämpfen. 



Fragen: Florian Jennemann/Florian Pöhlmann

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Nürnberger Basketballclub NBC - Logo
Gründungsdatum:
2009



Kurzbeschreibung:
Seit 2011 spielt die Männermannschaft in der 2. Bundesliga (ProA);
"Nürnberger Basketball Club e. V. NBC" ab 2009;
vorherige Namen: DJK Falke, Consors Bulls, rce Falke, Sellbytel Baskets, Dimplex Falke und Franken Hexer.
Sitz: Marienbergstraße 82, 90411 Nürnberg.