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Der Meister und sein Mundwerk

Marc Robrock macht alles aus Metall - 05.10. 18:26 Uhr

Nürnberg  - Im März 2007 wurde die letzte Schicht bei AEG in Nürnberg gefahren. Was zurückblieb, waren wütende und frustrierte Arbeiter – und ein Gelände, groß wie 30 Fußballfelder, vollgepackt mit Bürogebäuden und Hallen.

Marc Robrock in seinen heiligen Hallen auf dem ehemaligen AEG-Gelände, deren Atmosphäre auch Matthias Egersdörfer liebt.
Marc Robrock in seinen heiligen Hallen auf dem ehemaligen AEG-Gelände, deren Atmosphäre auch Matthias Egersdörfer liebt.
Foto: Josef Hofmann
Marc Robrock in seinen heiligen Hallen auf dem ehemaligen AEG-Gelände, deren Atmosphäre auch Matthias Egersdörfer liebt.
Marc Robrock in seinen heiligen Hallen auf dem ehemaligen AEG-Gelände, deren Atmosphäre auch Matthias Egersdörfer liebt.
Foto: Josef Hofmann

Eine tote Immobilie. Sie wieder mit Leben zu füllen, war eine Mammutaufgabe. "Auf AEG", so der neue offizielle Name des Areals, hat sich seither etwas Besonderes entwickelt: Nun teilen sich Künstler das Gelände mit mehr als drei Dutzend Firmen und Einrichtungen. Rund 1000 Menschen arbeiten auf dem Gelände. Einige der Firmen stellt die NZ in einer kleinen Serie vor.


Metallbauer gibt es viele. Aber in welcher Schlosserei findet schon einmal im Monat eine anerkannte Kulturveranstaltung statt? Bei Meister Robrock auf dem ehemaligen AEG-Gelände. Dorthin lädt der fränkische Berufsgrantler Matthias Egersdörfer an jedem zweiten Dienstag zur „Comedy Lounge“. Nicht die einzige Besonderheit, die Meister Robrock, der mit Vornamen nicht Meister, sondern Marc heißt, von der Konkurrenz unterscheidet – meint auch der Meister selbst.

Schon allein sein Lebenslauf deutet darauf hin: Schule, Lehre, Meister – also der direkte Weg – scheint Marc Robrocks Ding nicht gewesen zu sein. Stattdessen: Schule, nebenher ein bisschen Schlossern und Schweißen, dann einmal für längere Zeit ins Studium der Fertigungstechnik eingetaucht, auch einmal in Biologie- und Chemievorlesungen hineingehorcht. „Und mit der Kunst habe ich geliebäugelt“, was ihn öfters zur Kunstakademie verschlagen hat.


Bilderstrecke zum Thema
Nach wochenlangen Protesten wurde Mitte März 2007 die letzte Schicht bei AEG in Nürnberg gefahren. Seit 1887 hatte die Allegemeine Elektricitäts-Gesellschaft (AEG) die Deutschen mit allem versorgt, was man im Haushalt so brauchen kann. Klicken Sie sich durch eine Reise durch die Geschichte von AEG.

Doch schließlich stellte er irgendwann fest, so erzählt er: „Das ist alles Quatsch, das hält dich nur auf. Mach einfach das, was du kannst.“ Und das war das Arbeiten mit Metall. Es folgten schließlich doch noch Lehre und Meistertitel.

Auch ein Gastspiel bei der Quelle als Kulissenbauer im Fotostudio gab der heute 42-Jährige. Und schließlich folgte noch ein Jahr in Sydney: „Dort habe ich aus Bauholz Skulpturen gemacht. Und nachdem sich herumgesprochen hatte, dass ein deutscher Handwerksmeister hier arbeitet, habe ich auch Aufträge für Türen und die Reparatur von Kommoden bekommen“, erzählt Marc Robrock.

Schließlich wurde er doch sesshaft. „Auf dem ehemaligen AEG-Gelände war ich 2008 der allererste Mieter. Ich habe mir alle Hallen angeschaut. Das war herrlich, alles war leer“, erinnert sich Robrock. Er entschied sich für einen 2000 Quadratmeter großen Komplex auf dem Nordgelände. Zu groß für seine damalige „One-Man-Show“. Also vermietete er einen Teil unter. Auf den Standort aufmerksam wurde er durch Mund-zu-Mund-Propaganda. Und er hat selbst weiter für Werbung gesorgt. „Nach mir sind noch andere aus meinem Bekanntenkreis hierher gezogen“, berichtet er. Das erklärt zum Teil zumindest, wieso hier jeder jeden zu kennen scheint.

Die Nähe zur Kultur und die ungewöhnliche Vita sind laut dem Meister aber immer noch nicht der entscheidende Unterschied zur Konkurrenz: „Das Alleinstellungsmerkmal ist das Mundwerk“, behauptet Robrock. Und er versteht das rundum positiv: Er pflege eben eine „angstfreie“ Kommunikation, ob mit Architekten oder Privatkunden. Robrock versteht sich als kommunikativer Ideengeber, wenn es darum geht, das richtige Geländer, die besondere Treppe oder den außergewöhnlichen Balkon zu planen und zu bauen. Damit verdient er „die Butter aufs Brot“, wie er es selbst formuliert.


Video zum Thema
Schon seit längerem hält die Nürnberger Zeitung das Frankenfähnchen im Internet hoch. Jetzt gibt es eine neue Serie über den fränkischen Humor. Diesmal spürt Matthias Egersdörfer dem fränkischen Humor nach.

Und auch bei diesen „normalen“ Schlosserarbeiten hat Robrock den Ehrgeiz, mit „kleinen Details“ immer das „Quäntchen mehr“ zu bieten. Seine Affinität zu Design und Kunst kann er aber erst ausleben, wenn es um Möbel-Kreationen oder Skulpturen geht – mal als Auftragsarbeit, mal nach eigenen Ideen.

Und Matthias Egersdörfer mit seiner Comedy sorgt für die nötige Werbung? Da hat Meister Robrock dann doch so seine Zweifel: „Die Leute haben eine genaue Vorstellung davon, wie ein normaler Schlosser zu sein hat.“ Bei den Veranstaltungen könnte der Eindruck entstehen, dass „wir keine richtigen Schlosser sind und mehr Party machen.“ Und diese Botschaft ist natürlich falsch. Marc Robrock ist ein richtiger Schlosser – aber eben einer, der nach getaner Arbeit auch einmal Party macht.

Weitere Informationen unter: www.aufaeg.de



Josef Hofmann

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