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Die ratlosen Götter verbergen sich hinter Masken

Ausstellung "Körpersprache" in der Zentrifuge - 29.09. 18:36 Uhr

Nürnberg  - Eine ganz besondere Form der Präsentation von "Körperwelten" ist ab dem 1. Oktober in den Räumen der Zentrifuge zu sehen: Statt um plastinierte Leichen geht es bei einer Gemeinschaftsausstellung zum Thema "Körpersprache", um die Ausdrucksformen des menschlichen Körpers und die Beziehungen zwischen den Sinnen und dem Raum.

Werner Fleischmanns Videoinstallation "Tanz wird zu Licht" ist ein Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung.
Werner Fleischmanns Videoinstallation "Tanz wird zu Licht" ist ein Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung.
Werner Fleischmanns Videoinstallation "Tanz wird zu Licht" ist ein Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung.
Werner Fleischmanns Videoinstallation "Tanz wird zu Licht" ist ein Spiel mit der menschlichen Wahrnehmung.

Dabei sind bei der Gemeinschaftsschau der Nürnberger Ateliergemeinschaft „LaborArtorium“ auch die menschliche Vergänglichkeit, Verletzungen, Schmerz und der Tod ein Thema: Christian Haberland macht den symbolischen Staub, zu dem alles Menschliche wieder zerfällt, als gehämmerte, gewischte oder dahingeblasene Graphit-Partikel sichtbar, während Wolfgang Christel die Schreckensbilder aus Abu Ghraib zu Skulpturen des Schmerzes formt.



Dem mit Elektroschocks gefolterten „Schmerzensmann“ stellt er einen ähnlich aussehenden Täter gegenüber, der mit seiner spitzen Kapuze ein wenig an ein Mitglied des Ku-Klux-Klan erinnert. In irgendeiner Art und Weise tragen wir aber alle ein Stück Täterschaft mit herum, lautet die Quintessenz, zu der Wolfgang Christel auch frühe Bilder von 1981 präsentiert:

Die bittere Zivilisationskritik erschien damals als Serie namens „Schleckers Paradies“ und brachte dem Künstler in der Presse das Prädikat „ein besonderer Appetitverderber“ ein. Wenn alles so gründlich in die falsche Richtung läuft, dann fällt auch den Göttern nicht mehr viel ein: Bei „The Earth Project“ sind von den übernatürlichen Mächten nur noch Steinköpfe mit Gasmasken übriggeblieben, ratlos wegen ihres aus dem Ruder gelaufenen Planeten.

Angesichts der menschlichen Unzulänglichkeiten mag es tröstlich erscheinen, dass vieles vielleicht nur eine Illusion ist: Diese Schlussfolgerung lässt Werner Fleischmanns Videoinstallation „Tanz wird zum Licht“ zu: Das Video einer Tänzerin wird auf transparente Folien projiziert und entzieht sich so aus den meisten Perspektiven der Betrachtung. Nur aus bestimmten Blickwinkeln tritt die Tänzerin in Erscheinung.

Wie verlässlich sind unsere Sinne?

Ähnlich ist es für Fleischmann mit anderen Körpern überhaupt: Während wir wegen unserer „Tiefensinne“ uns zumindest über die das Vorhandensein des eigenen Körpers im Klaren sind, bleiben für die Wahrnehmung der uns umgebenden Welt nur die weniger verlässlichen Sinne Sehen, Tasten, Riechen, Hören und Schmecken.

In der Ausstellung, deren Vernissage am heutigen Freitag, 30. September, um 19 Uhr beginnt, sind auch Arbeiten von Anton Hantschel, Marcus Pretzl, Sabine Schuster und Susanne Dundler zu sehen. Am Samstag, 1. Oktober, steht um 20 Uhr eine Performance auf dem Programm, bei der vier Künstler Improvisation für Bewegung und Klang zeigen.

Körpersprache, Ausstellung in der Zentrifuge Nürnberg, Muggenhofer Straße 141, Dauer: 1. bis 9. Oktober.
  



Clemens Helldörfer

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