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Die Zahl der Nutzer von Gemeinschaftsauto-Angeboten wächst

Auf kurzen Strecken rechnet sich das Teilen der Kosten - 27.12. 16:11 Uhr

Nürnberg  - Wer heutzutage mobil und flexibel sein will, muss nicht mehr zwangsläufig ein eigenes Auto besitzen. Mit dem Konzept des Carsharing – also des Autoteilens - können Leute genau dann ein Auto nutzen, wenn sie es benötigen. Danach geben sie das Auto einfach wieder zurück – ähnlich wie bei einer herkömmlichen Autovermietung, nur wesentlich günstiger. Seit fünf Jahren wird das Konzept in Nürnberg angeboten. Das Teilen spart nicht nur Kosten, sondern schont auch die Umwelt.

Horst Forster, Chef der Autovermietung in der Südstadt, bietet einen Wagen zur gemeinschaftlichen Nutzung nach dem Carsharing-Modell an und fährt gut damit.
Horst Forster, Chef der Autovermietung in der Südstadt, bietet einen Wagen zur gemeinschaftlichen Nutzung nach dem Carsharing-Modell an und fährt gut damit.
Foto: Harald Sippel
Horst Forster, Chef der Autovermietung in der Südstadt, bietet einen Wagen zur gemeinschaftlichen Nutzung nach dem Carsharing-Modell an und fährt gut damit.
Horst Forster, Chef der Autovermietung in der Südstadt, bietet einen Wagen zur gemeinschaftlichen Nutzung nach dem Carsharing-Modell an und fährt gut damit.
Foto: Harald Sippel

Die Autovermietung ABC UNIX RENT bieten das Carsharing seit 2006 in Kooperation mit der Firma Drive-CarSharing in Nürnberg an. Verteilt über die ganze Stadt stellen sie den Kunden vier Autos zur gemeinsamen Nutzung zur Verfügung. Das Prinzip ist denkbar einfach. Nach einer einmaligen Anmeldung erhält der Kunde eine Karte – ähnlich einer Kreditkarte. Nach der Autobuchung im Internet geht der Kunde zu dem Stellplatz des Carsharing, hält die Karte an ein Lesegerät, das innen in der Windschutzscheibe angebracht ist, und die Tür öffnet sich. Die Autoschlüssel liegen griffbereit im Handschuhfach. Abgerechnet wird das Auto pro Stunde und gefahrenem Kilometer.



Robert Lachmann, Geschäftsführer der Autovermietung ABC UNIX RENT, berichtet, dass das Autoteilen bei den Kunden gut angenommen wird. „Viele finden es einfach unwirtschaftlich ein eigenes Auto zu haben, nur weil sie einmal die Woche die Kinder zum Sport bringen müssen oder in die Oper wollen“, so Lachmann. Für solche kurzen Fahrten werden die Autos derzeit am häufigsten genutzt. Weitere Gründe, die immer mehr Kunden dazu bewegen das Carsharing zu nutzen sind: der Umweltschutz, das Wegfallen der Parkplatzsuche und Reparaturkosten.

Davon, dass die Zahl der Carsharing-Nutzer wächst, profitieren auch die übrigen Mitmenschen. Weniger Autos drängen sich durch den Verkehr, stoßen Abgase in die Luft und benötigen Parkplätze. Denn besonders in Großstädten ist das Carsharing Modell beliebt. Auf dem Land, ist es noch nicht so verbreitet. In ganz Deutschland werden mehr als 5000 Autos im Carsharing genutzt.

Im vergangenen Jahr hat auch die Autovermietung Forster, in der Nürnberger Südstadt, ein Gemeinschaftsauto angeschafft, einen Fiat Punto Da auch hier die Nachfrage steigt, überlegt sie noch weitere Autos für das Konzept anzuschaffen, erzählt Mitarbeiterin Biene Schaffrath. Gerade für „kurze Strecken um die 50 Kilometer“ nutzen die Kunden das Carsharing, so Schaffrath. Sowohl Privatpersonen als auch Business-Männer nutzen das Angebot bei Forster – meist sind die Kunden zwischen 20 und 45 Jahren alt.

Die Kosten für so ein Gemeinschaftsauto setzen sich zusammen aus einem Monatsbeitrag, dem Stundenpreis für das Auto – der bei Anbietern in Nürnberg um die drei Euro liegt - und zusätzlich den Kraftstoffkosten pro gefahrenem Kilometer. Bei Elektroautos, die für Nürnberg derzeit in Planung sind, wäre der Stundenpreis zwar teurer, dafür würden sich die Kilometerkosten aber lediglich auf wenige Cents belaufen.

Laut Willi Loose, Geschäftsführer des Bundesverbandes CarSharing e.V., nutzen derzeit deutschlandweit 190.000 Menschen das Modell des Carsharing – das bedeutet eine Vervierfachung in den letzten 14 Jahren. Auf ein geteiltes Auto kommen durchschnittlich 34 Nutzer. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern entzerrt auch den Verkehr in Großstädten.

Robert Lachmann von ABC UNIX RENT hat das Gefühl, dass die Idee des Autoteilens bei Frauen ein bisschen besser ankommt, als bei Männern. „Vielleicht sind Frauen da einfach ein bisschen praktischer orientiert. Ihnen geht es darum von A nach B zu kommen. Männer hängen einfach ein bisschen mehr an ihrem Auto.“

Da die Autos nicht direkt bei der Autovermietung abgeholt und wieder abgegeben werden, ist eine ständige Kontrolle der Fahrzeuge nur schwer möglich. Da setzt Lachmann einerseits auf die Aufmerksamkeit der nächsten Nutzer und andererseits auf ein spezielles Kontrollsystem, das am Bordcomputer angeschlossen ist. Hat ein Fahrer bei der Abgabe einmal vergessen das Licht oder den Blinker auszuschalten, wird die Autovermietung informiert.

In Nürnberg gehen die Kunden recht pflichtbewusst mit den Autos um. Sie werden meist sauber hinterlassen, ohne dass es zu größeren Ärgernissen kommt. Wenn die Tür bei der Abgabe mal zu schnell zugeschlagen wurde, und sich noch CDs oder die Sonnenbrille im Auto befinden, gibt es keinen Grund zur Panik, sagt Lachmann. Dafür gibt es extra eine Hotline. Die öffnet dann mit Fernsteuerung das Auto wieder und die vergessenen Habseligkeiten können geholt werden.

Auch die Deutsche Bahn bietet mit Flinkster bereits in vielen deutschen Städten Carsharing Autos an. Eine Konkurrenzsituation sehen die Anbieter des Carsharing in Nürnberg derzeit noch nicht. Wenn das Angebot jedoch weiterhin so gut nachgefragt wird, könnte sich das ändern. Ein Blick in die benachbarten Bundesländer und europäischen Nachbarländer zeigt, dass die Idee des Autoteilens überall an Beliebtheit gewinnt und immer mehr Anbieter, von Peugeot bis Daimler, in das Angebot mit einsteigen wollen.

  



Franziska Baur

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