Als ich zur Schule ging, saßen in meiner Klasse zwei Jungs, die beide Marco Meier hießen. Nicht selten sorgte das beim Aufrufen zur Abfrage oder der Herausgabe von Schulaufgaben für Verwechslungen und somit für viel Gelächter. Dass man aber auch mit einem eher seltenen Namen nicht vor den unglaublichsten Missverständnissen gefeit ist, erzählt folgende wahre Geschichte.
Seit einiger Zeit beschleicht mich in regelmäßigen Abständen ein Albtraum: Während ich nachts friedlich schlafe, tritt ein Sondereinsatzkommando der Polizei meine Haustüre ein, zerrt mich ahnungslos aus dem Bett und ich blicke beim Abtransport in die weinenden Augen meiner Frau und meiner kleinen Tochter. Warum, fragen Sie? Ich habe Angst vor meinen Namensvettern.
Vor einigen Monaten erreichte mich ein Anruf und der erzürnte Geschäftsführer eines Fitnessstudios fing an, mich zu beschimpfen. Ich solle doch gefälligst meinen Beitrag bezahlen, meine Einzugsermächtigung für den Monatsbeitrag würde nämlich nicht funktionieren, da die Bank das Konto gesperrt habe.
Zunächst verteidigte ich mich vehement und versuchte ihm klar zu machen, dass ich in seinem Studio nicht trainiere, sondern mich dort lediglich alle zwei Wochen mit Freunden zum Squashen treffe. Mein Gegenüber fühlte sich veräppelt und blieb hartnäckig, so dass ich aus purer Verzweiflung die Möglichkeit einer Verwechslung aufgrund einer Namensgleichheit als letztes Argument in den Ring warf.
Schon ein paar Wochen zuvor hatte mich eine Mitarbeiterin des gleichen Fitnessstudios beschuldigt, nicht zu einem vereinbarten Probetermin erschienen zu sein. Auch damals stritt ich alles ab, verdächtigte aber meine Kumpels eines dummen Racheakts, weil ich den letzten Squash-Termin kurzfristig abgesagt hatte. Doch die Fährte führte ins Leere, denn sie schworen bei aller Sportlerehre, sich keinen dummen Scherz mit mir erlaubt zu haben.
Zurück am Telefon schnaubte der Herr Geschäftsführer mich an, er werde das überprüfen und legte auf. Kurze Zeit später ein erster Erfolg. Die Assistentin der Geschäftsleitung meldete sich bei mir und bat um Entschuldigung.
Es sei im Computersystem tatsächlich einem Namensvetter versehentlich meine Handynummer zugewiesen worden, weswegen ich die eigentlich für ihn bestimmten Anrufe erhalten hatte. Man werde das korrigieren und einen Verweis in meine Kundenkartei schreiben.
Kaum hatte ich aufgelegt, erinnerte ich mich plötzlich: Hatte es nicht vor ein paar Jahren in meinem damaligen Job schon einmal eine ähnlich unangenehme Verwechslung gegeben? Der Anruf bei einer bekannten Kneipe, um für eine Verlosungsaktion Biergutscheine für die größte Kirchweih in der Metropolregion zu organisieren, endete damals in einem wahren Debakel.
Der Barbesitzer unterstellte mir, ich hätte bei ihm in letzter Zeit mehrmals die Zeche geprellt und dies wäre nur ein weiterer plumper Versuch, Freibier abzustauben. Auch hier verpufften die Beschwörungen meiner Unschuld wie ein Wassertropfen im Death Valley. Erst als ich persönlich die Gutscheine in der Kneipe abholte, glaubte man mir, dass ich nicht der böse Bier-Bube war, für den man mich gehalten hatte.
Derart skurrile Erlebnisse verlangten nach einem Eintrag auf meinem Facebook-Profil. Dort machte ich mir ordentlich Luft über meinen unbekannten Namensvetter, der mich nun schon drei Mal in größere Unannehmlichkeiten gebracht hatte. Wer behauptet, soziale Netzwerke seien nur Zeitverschwendung, der lese jetzt weiter.
Kurze Zeit später schrieb mir ein alter Freund, den ich schon seit Jahren nicht mehr gesprochen hatte: Er kenne sogar zwei Leute, die den gleichen Vor- und Nachnamen wie ich haben. Und die beide in der Umgebung wohnen.
Da er während des Studiums an einer Tankstelle gejobbt hatte, war ihm beim Zahlen der beiden Namensvettern mit ihren EC-Karten dieser unglaublich Zufall der dreifachen Übereinstimmung aufgefallen. Weil er sich zudem im Nachtleben dieser Studentenstadt gut auskannte, wusste er weitere pikante Details über meine beiden dubiosen Doppelgänger zu berichten, da sie ihm anschließend öfter aufgefallen und begegnet waren.
Beide seien mehr oder weniger Kleinkriminelle. Einer säße gerade für ein paar Wochen hinter Gittern, da dieser gerne mal mit Marihuana deale. Der andere sei ein kleiner Schläger, der in betrunkenem Zustand nicht nur meinen Bekannten schon ohne Grund angepöbelt hatte, sondern oft seine Rechnungen nicht bezahlte und regelmäßig Hausverbot in Kneipen kassierte. Zitat meines alten Freundes: „Das sind beides Typen, von denen man sich besser fernhält.“
Als freier Journalist mit einer doppelten, derart unangenehmen Namensgleichheit zu leben ist nicht das Förderlichste, wenn etwa neue Geschäftskontakte nach mir im Internet suchen. Zum Glück fand ich eine Lösung, um mich von den anderen beiden zu unterscheiden. Ich zog nach Nürnberg und benutze beruflich meinen zweiten Vornamen. Nun hoffe ich einfach, dass mich das SEK in Zukunft höchstens im Traum aus dem Schlaf reißt.
Do. 23.02.12
Do. 23.02.12
Mi. 22.02.12
Mi. 22.02.12
Mi. 22.02.12