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Seit knapp 20 Jahren haben solche «Sofi-Touristen» einen besonderen Ansprechpartner in Nürnberg: Eckehard Schmidt entschloss sich 1990, nicht nur mit einer Gruppe Gleichgesinnter zur Sonnenfinsternis nach Finnland zu reisen, sondern daraus eine richtige Studienfahrt zu machen. Dieses Konzept kam so gut an, dass im Anschluss die «Astronomie-Studienreisen» aus der Taufe gehoben wurden.
«Früher haben Sonnenfinsternisse die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, jetzt können wir solche Ereignisse entspannt genießen und dank heutiger Reisemöglichkeiten auch mit eigenen Augen verfolgen», sagt Schmidt. Er selbst ist natürlich mit von der Partie und hat es mittlerweile schon auf zehn Exkursionen zu totalen Sonnenfinsternissen gebracht, die ihn und seine Reisegruppen etwa nach Peru, Indien, Sambia, Libyen und Island führten. Am 10. Juli startet die nächste Tour, deren Ziel ein chinesisches Berghotel in 3000 Metern Höhe ist.
Dort soll am 22. Juli die längste Sonnenfinsternis des 21. Jahrhunderts beobachtet werden, bei der der Mond-Kernschatten die Sonne maximal fast sieben Minuten verdunkeln wird. Vom «Emei-Berghotel» aus wird diese Phase zwar etwas kürzer ausfallen, dafür ist aber die Wahrscheinlichkeit größer als anderswo, dass keine störenden Wolken den Beobachtern den Blick auf das astronomische Großereignis verstellen. Denn für einen echten Totalitäts-Sammler (im Englischen auch «Eclipse-Chasers» genannt) gilt die Sonnenfinsternis-Zeit nur dann, wenn die Verdunklung auch frei zu sehen ist.
«Es ist einfach ein Naturerlebnis ohnegleichen,» beantwortet Schmidt die Frage, welche besondere Faszination von einer «Sofi» ausgeht. «Man fühlt sich tief berührt und merkt sehr intensiv, wie verletzlich unsere Erde doch ist». Das war auch der Grund, weshalb die Sonnenfinsternisse früherer Zeiten die nicht astronomiekundigen Menschen derart ängstigten: Sie glaubten, die Sonne kehre nie mehr zurück und die Erde müsse in ewiger Nacht versinken. Einen großen Interesse-Schub hat natürlich auch die Sonnenfinsternis gebracht, die im Jahr 1999 über Deutschland zu beobachten war.
Die über 20-tägige Chinareise beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Finsternis: So findet etliche Exkursionen zur Astronomie-Geschichte des Reichs der Mitte statt, außerdem stehen sechs chinesische Sternwarten auf dem Besuchsprogramm. «Ich überlege mir immer, welche astronomischen Themen man einbinden kann», berichtet Schmidt. Meistens hat die Gruppe auch Sofi-Brillen dabei, die an die Einheimischen verschenkt werden.
Der im Jahr 1947 geborene Eckehard Schmidt organisiert mit seiner außergewöhnlichen Reiseagentur «wissenschaftsreisen.de» auch Touren mit Polarlicht-Beobachtungen, Ausflüge auf den Spuren berühmter Astronomen oder Besuche in Mathematik- und Computermuseen. Weitere interessante Ziele sind die Überreste von Meteoritenkratern, astronomische Beobachtungs-Stätten aus früheren Zivilisationen oder der Sternenhimmel, den man von der Südhalbkugel der Erde aus beobachten kann. Im Jahr 2010 steht aber natürlich wieder erst einmal eine Sonnenfinsternis auf dem Programm – da sich der Kernschatten dann über mehrere Kontinente erstrecken wird, stehen entweder Asien oder Afrika zur Auswahl.


