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Der Arme. Ich bin ja auch kein As im Hundesport und kann nachvollziehen, wenn man keine Lust hat, Bällen hinterherzujagen. Mach’ ich auch nicht. Höchstens ab und an einem Stöckchen oder meinetwegen auch mal einer frechen Amsel oder... Jedenfalls habe ich mich gefragt, warum es Kindern wie Erwachsenen so schwer fällt zu akzeptieren, wenn einer nicht nach ihren Regeln spielen mag. Die Strafe bleibt in allen Altersstufen gleich: Nicht-Beachten, Verachten, Ausschluss aus der Gemeinschaft. Ist es zu viel verlangt, das Anders-Sein zu akzeptieren?
Irgendwie schon. Ich muss selbst zugeben, dass ich auf Veränderungen oft ziemlich unflexibel reagiere. Bekomme ich mein gewohntes Futter nicht, lasse ich das andere liegen. Biegt Frauchen nicht gleich zur Hundewiese ab, stemme ich die Pfoten in den Boden. Adäquat dazu fallen unter Menschen Sätze wie „Das haben wir immer so gemacht“ oder „Orientieren Sie sich an den Leitlinien von 2009“. Solche Phrasen wiederum machen Frauchen rasend.
Kreatives entsteht unter solchen genormten Rahmenbedingungen kaum. Und Innovatives? Bestimmt nicht. Andererseits möchten die meisten Arbeitgeber aber ihr Unternehmen voranbringen. Sie wissen schon – weiter, höher, schneller. Eine böse Zwickmühle: Alles soll besser werden, aber dabei darf sich bitte nichts verändern. Selbst ein kleiner Hund wie ich weiß, dass das nie und nimmer funktioniert. Da wäre es doch ein guter Anfang, wenn sich die Menschen beim Gedächtnistraining nicht nur irgendwelche Begriffe merken würden, sondern auch die Flexibilitäts- und Toleranzwerte ihrer grauen Zellen steigerten.
Die Begegnungen mit denjenigen, die ein bisschen neben der ausgelatschten Spur laufen, sind nämlich die, die uns voranbringen. Mit diesem Wissen bin ich dem Blondschopf bei unserer nächsten Begegnung freudig quietschend entgegengerannt. „Was ist denn das für ein komischer Hund?“, hat der daraufhin Frauchen irritiert gefragt. „Monty ist eben ein bisschen anders“, hat diese geantwortet – und dann sind wir lachend weitergelaufen.


