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Eine Brücke zwischen Musik und Technik

90 Minuten mit dem Tontechniker Christian Hielscher - 16.09. 17:01 Uhr

Nürnberg  - 90 Minuten in der Stadt. In dieser Serie begleitet Nürnberg plus Menschen an interessanten Orten und Arbeitsplätzen. Diesmal hat eine NZ-Mitarbeiterin einem Tontechniker beim Aufbau einer Open-Air-Bühne über die Schulter geschaut.

Tontechniker Christian Hielscher ist während des Konzerts eher der Mann im Hintergrund, weil alle Aufmerksamkeit der Fans auf die Bühne gerichtet ist. Doch ohne sein Eingreifen würden die Bands kaum auftreten können.
Tontechniker Christian Hielscher ist während des Konzerts eher der Mann im Hintergrund, weil alle Aufmerksamkeit der Fans auf die Bühne gerichtet ist. Doch ohne sein Eingreifen würden die Bands kaum auftreten können.
Foto: Harald Sippel
Tontechniker Christian Hielscher ist während des Konzerts eher der Mann im Hintergrund, weil alle Aufmerksamkeit der Fans auf die Bühne gerichtet ist. Doch ohne sein Eingreifen würden die Bands kaum auftreten können.
Tontechniker Christian Hielscher ist während des Konzerts eher der Mann im Hintergrund, weil alle Aufmerksamkeit der Fans auf die Bühne gerichtet ist. Doch ohne sein Eingreifen würden die Bands kaum auftreten können.
Foto: Harald Sippel

Musik hört man am besten live, denn nur dann wird man von dem einzigartigen Ambiente eines Konzertes gepackt. Besonders stimmungsvoll sind Festivals und Open Airs aller Art. Kreischende Fans himmeln ihre Stars an. Die Musiker schmettern ihre Hits von der Bühne und extatische Körper bewegen sich im Rhythmus. Doch kaum jemand weiß, wie viel Aufwand es benötigt, um eine solche Veranstaltung technisch möglich zu machen.



Vom Aufbau der Bühnenelemente bis hin zur Feinabstimmung des Sounds ist viel Fachwissen gefragt. Der Nürnberger Tontechniker Christian Hielscher hat mit seinen Kollegen das diesjährige Klüpfel Open-Air am Wöhrder See aufgebaut und betreut. Der 32-Jährige arbeitet seit zehn Jahren als Tontechniker. Er ist Haustechniker der „Luise“, seit sechs Jahren fester Tour-Mischer der Nürnberger Band „The Audience“ und weiß genau, worauf es ankommt: „Bei einem Freiluftkonzert muss man besonders darauf achten, dass alles gegen Blitzschlag, Starkwind und Regenwasser gesichert ist. Zudem darf es nicht lauter als 98 Dezibel werden, um keine Anwohner zu stören. Das kann eine Herausforderung sein.“

Aus einem Stück Wiese wird ein rauschendes Musikfest

In einer Konzerthalle, sind die meisten Elemente wie Bühne und Licht bereits fest installiert. Bei einem Konzert unter freiem Himmel, wie dem Klüpfel Open Air, wird Schritt für Schritt aus einem Stück Wiese ein professionelles Musikfest. „Wir haben die Bühne aufgebaut, welche gut im Boden verankert sein muss, ein Zeltdach installiert und die Seitenplanen eingehängt“, so Christian Hielscher. Anschließend wurden beim sogenannten „Groundsupport“ Aluminiumgestänge so auf dem Boden befestigt, dass anschließend die Scheinwerfer zur Beleuchtung der Bühne eingesetzt werden können. Mit Liften wird dann die gesamte Konstruktion auf die gewünschte Höhe angehoben.

Nun geht es an die Technik. Boxen und Verstärker werden positioniert und fixiert. „Durch das Wummern der Bässe, könnten die Boxen ohne eine fachmännische Fixierung verrutschen und auch von der Bühne fallen“, erklärt der Tontechniker.

Jetzt wird der Arbeitsbereich für den Tonmischer des Abends, das sogenannte „Front of House“ aufgebaut. Hier sind Geräte wie Equalizer (Klangregler) und Hallgeräte in einem „Siderack“ eingebaut. Von seinem Mischpult aus bereitet der Tontechniker die von der Bühne kommende Musik für das Publikum auf und auch der Lichttechniker sorgt hier für die richtige szenische Beleuchtung.

Dann wird alles verkabelt. Das „Multicore“ ist eine Art Hauptkabel, das aus vielen nummerierten Kabeln besteht, welche die einzelnen Elemente auf der Bühne mit dem Mischpult am „Front of House“ verbinden. So können die Elemente einzeln optimal gesteuert und geregelt werden. Legt der Techniker beispielsweise fest, dass das Kabel Nummer sechs mit der Gitarre verbunden ist, markiert er dieses auch auf seinem Mischpult am Kanal sechs. Wie die Nummerierungen belegt sind, bleibt immer ihm selbst überlassen. Je nachdem, wie viele Verbindungen man benötigt, kann ein solches Mischpult bis zu 60 Kanäle fassen und dann 45 Kilo schwer sein. Alle Verbindungen werden anschließend auf ihre Funktionalität hin getestet.

Wo die Musik spielt, da schuftet der Tontechniker

Nun werden die „Backline“, also das Schlagzeug und die anderen Instrumente aufgebaut und mit Mikrofonen abgenommen. Monitore, also Lautsprecher, welche die Musik nicht zum Publikum hin, sondern auf die Bühne strahlen, helfen den Musikern, sich und die Bandkollegen beim Spielen besser zu hören. So spielen beispielsweise alle Musiker im gleichen Takt, da sie den Beat des Schlagzeugers gleichermaßen hören.

Neben dem Aufbau und Verkabeln ist Christian Hielscher dann beim Verlauf des Konzertes für die Kommunikation und künstlerische Verbindung zwischen Musikern und Technik zuständig. Mit dem Abmischen der Musik, also dem Einpegeln aller Komponenten, so dass sie ein harmonisches Klangbild ergeben, sorgt er für den Gesamtmix, den das Publikum am Ende zu hören bekommt.

Um all diese technischen und mechanischen Vorgänge verstehen und kontrollieren zu können, muss man sich jedoch ganz schön durchbeißen: „Ich kann nur jedem raten, sich viel Zeit für die Ausbildung zu nehmen bevor man zur Prüfung antritt. Auch Aufbaukurse für Physik und Mathe sind sehr zu empfehlen“, rät Christian Hielscher allen, die sich für diesen Beruf begeistern. Hat man die Prüfung erst einmal geschafft, sei es aber ein sehr abwechslungsreicher Job, der einem zwar viel abverlangt, aber auch jede Menge Spaß bringt. 



Olivia Barth-Jurca

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Rund ums Nürnberger Stadtleben berichtet "Nürnberg plus", der Spezial-Lokalteil der NZ-Druckausgabe. Eine Auswahl von Artikeln und Bildergalerien aus N-Plus ist hier zu finden.