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„Die Krippen- und Hortbetreuung boomt“, sagt Michael Kölbl, der stellvertretende Leiter der städtischen Fachakademie für Sozialpädagogik. „Das zieht, mit Ausnahme von ländlichen Bereichen, eine entsprechende Nachfrage nach sich.“
Aber es sollen nicht nur zunehmend mehr Kinder betreut werden. Immer mehr Kinder werden auch länger, also ganztags statt nur vormittags, betreut. Der Betreuungsbedarf reicht von frühmorgens bis spätabends. „Die Kinder sind länger da. Die Arbeit ist mehr geworden. Deswegen braucht man mehr Erzieher.“ So umreißt Eva Walliczek-Stupka, die Leiterin der Kindertageseinrichtung in der Grünewaldstraße 18, die Situation. Die Krippe zum Beispiel hat 47 Stunden in der Woche geöffnet, und das heißt, dass in Schichten gearbeitet werden muss. Für die Kernzeit von 8.30 bis 16 Uhr wiederum müssen „kontinuierliches Personal und gute Strukturen“ gewährleistet sein.
„Wir haben einen großen Erziehermangel im Ballungsraum“, sagt Almut Stubenvoll, die Leiterin der Evangelischen Fachakademie für Sozialpädagogik in Nürnberg. Lange Ausbildung, schlechte Bezahlung: Auf diesen Nenner wird der Beruf Erzieher oft gebracht. Das klingt nicht gerade attraktiv: Ein Teil der angehenden Erzieher hört demzufolge nach der Ausbildung auf, viele nehmen doch noch ein Studium auf.
Darauf hat die Evangelische Hochschule Nürnberg in Kooperation mit den Fachakademien für Sozialpädagogik in Nürnberg, Gunzenhausen und Rummelsberg jetzt reagiert: Sie bietet ab dem Wintersemester 2012/13 einen dualen Studiengang an, der die Ausbildung zum Erzieher mit dem Bachelorstudium zum Kindheitspädagogen kombiniert. Dieser bayernweit einmalige Studiengang „Erziehung, Bildung und Gesundheit im Kindesalter Dual“ ermöglicht beide Abschlüsse in acht Semestern und soll das Berufsfeld auch für Abiturienten attraktiver machen.
Die Ausbildung zum Erzieher ist in Nürnberg bisher an drei Fachakademien möglich: an der Evangelischen Fachakademie für Sozialpädagogik, an der Städtischen Fachakademie für Sozialpädagogik und am Bildungszentrum für Pflege, Gesundheit und Soziales, einer seit wenigen Jahren bestehenden Einrichtung der Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Dienste, die allerdings keine Prüfungen abnimmt.
Der gestiegene Bedarf an Erziehern lässt sich auch daran ablesen, dass in Bayern in den letzten drei Jahren zehn Fachakademien für Sozialpädagogik entstanden sind. Auch in Nürnberg hat man reagiert: Nach einem Stadtratsbeschluss von 2008 wurde auf eine vierzügige Ausbildung aufgestockt, das heißt in diesem Jahr schließen knapp 100 Schüler die Ausbildung ab. Im Schulausschuss Ende Februar soll darüber beraten werden, ob die Schule noch eine Klasse mehr anbieten soll.
Fünf Jahre dauert die Ausbildung zum Erzieher. Das will Michael Kölbl jedoch etwas differenzierter gesehen wissen: Eigentlich handele es sich um drei Jahre, und wie bei einer Meisterausbildung werde ein Vorberuf verlangt. Das sei in diesem Fall der Kinderpflegeberuf.
Dennoch: Es ändert nichts daran, dass die Berufseinsteiger nach fünf Jahren lediglich ein Nettogehalt von rund 1200 Euro verdienen und die Aufstiegschancen meist schlecht sind. „Was Erzieher verdienen, ist lächerlich und eine Zumutung, nachdem sie eine so qualifizierte Ausbildung genossen haben“, findet Almut Stubenvoll. Da mache es sich denn auch bemerkbar, dass es im Großraum derzeit mehr Lehrstellen gebe und junge Leute sich für andere Berufe entscheiden, die vermeintlich attraktiver seien. Vor zwei Jahren noch gab es 500 bis 600 Anmeldungen für die 60 Plätze eines Jahrgangs, die die Evangelische Fachakademie anbietet. Das ist heute bei weitem nicht mehr so, auch wenn Stubenvoll sagen kann: „Wir haben immer noch genug Azubis.“
Die haben es derzeit auch leicht, für ihr Berufspraktikum im fünften Ausbildungsjahr eine Einrichtung zu finden, die sie mit offenen Armen empfängt. Sarah Obermeyer zum Beispiel, momentan im vierten Ausbildungsjahr an der Evangelischen Fachakademie, hat ihre Praktikumsstelle für das fünfte Jahr bereits – in einem Kindergarten. Auf die Frage, warum sie trotz schlechter Bezahlung den Beruf Erzieher anstrebt, muss sie nicht lang nach einer Antwort suchen. „Meinen Beruf habe ich mir nicht nach dem Geld ausgesucht, sondern danach, dass er mir Spaß macht“, sagt sie. Und fügt hinzu: „Auch wenn die Arbeit körperlich und psychisch wahnsinnig anstrengend ist.“
Neben der ideellen und emotionalen Erfüllung gibt es im Moment mehr denn je eine Gewissheit: „Es ist etwas sehr Sicheres, Erzieher zu werden“, bekräftigt Almut Stubenvoll. Nicht ganz so einfach, wie eine Praktikumsstelle zu finden, sei es jedoch, nach der Ausbildung eine Vollzeitstelle zu ergattern, bedauert sie – und das kann finanziell zum Problem werden. Seit jedenfalls das Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) im August 2005 in Kraft getreten ist, sind die Träger der Erziehungseinrichtungen gehalten, das Personal entsprechend der Betreuungszeiten einzustellen, die die Eltern buchen. Das Ergebnis: Viele Erzieher bekommen nur noch Verträge über 20 bis 30 Stunden.
Den Kita-Leitern hingegen verlangen die neuen Erfordernisse gepaart mit dem Anspruch, die Kinder gut zu betreuen, nicht selten einen organisatorischen Kraftakt ab. Engagierte Berufspraktikanten, die – wie Sabrina Mauckner in der Kinderkrippe in der Grünewaldstraße – 36 Wochenstunden arbeiten, sind mehr als willkommen. „Wir sind froh, dass wir zwei sehr fitte Berufspraktikanten haben, die frischen Wind ’reinbringen“, sagt Eva Waliczek-Stupka.
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12