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"Es war eine Party, aber die ist vorbei"

Franz-Josef Wich im NZ-Gespräch - 03.02. 19:47 Uhr

Nürnberg  - Seit rund vier Jahrzehnten kennt Franz-Josef Wich (57) die Nürnberger Tennis-Szene aus dem Effeff. Mit der NZ redete der Geschäftsführer der Tennis GmbH beim 1.FC Nürnberg und Teamchef der Tennis-Bundesligamannschaft des Club über den Davis Cup in Bamberg, Tommy Haas, aufstrebende Talente und den Tennis-Sport im Allgemeinen.

Der Nachwuchs ist im Kommen: Tennis steht bei Kindern wieder höher im Kurs.
Der Nachwuchs ist im Kommen: Tennis steht bei Kindern wieder höher im Kurs.
Foto: Stefan Hippel/Wolfgang Zink
Der Nachwuchs ist im Kommen: Tennis steht bei Kindern wieder höher im Kurs.
Der Nachwuchs ist im Kommen: Tennis steht bei Kindern wieder höher im Kurs.
Foto: Stefan Hippel/Wolfgang Zink

NZ: Am nächsten Wochenende ist in Bamberg der Davis-Cup. Gehen Sie hin, Herr Wich?

Franz-Josef Wich: Das habe ich mir noch offen gelassen, ehrlicherweise. Ich bin mir noch nicht sicher.

NZ: Hat Sie es überrascht, dass der Tommy Haas wieder dabei ist?

Wich: Ja, wenn Sie mich so direkt fragen, schon, ja.

NZ: Warum?

Wich: Ich bin mir nicht sicher, ob das eine sportliche Entscheidung gewesen ist. Tommy Haas ist ja doch über seinen Zenit drüber, und Florian Mayer, Philipp Petzschner und Philipp Kohlschreiber, das sind ja jetzt auch keine Youngster mehr, die jemanden brauchen, der sie unterstützt. Das sind gestandene Tennisspieler, die ihre Erfahrungen haben. Von der sportlichen Seite verstehe ich das nicht ganz, ich würde eher der nächsten Generation eine Chance geben. Außerdem wird ja auf Sand gespielt und Haas ist nicht wirklich ein Sandplatz-Experte. Ein Doppel-Experte ist er auch nicht. Also könnte es ein bisschen um mediale Aufmerksamkeit gegangen sein.



NZ: Welche Chancen räumen Sie den Deutschen denn ein?

Wich: Eigentlich sehr gute Chancen. Florian Mayer ist in der Lage, auf Sand alle zu schlagen. Ebenso Kohlschreiber. Mayer hat ja im letzten Jahr sehr gut gespielt. Er hat ein bisschen Pech gehabt mit einer Verletzung. Kohlschreiber ist eine sehr gute Nummer zwei. Er hat im letzten Jahr eine schwächere Saison gespielt, aber bei den Australian Open in Melbourne zum Beispiel eigentlich ordentlich. Petzschner ist ein sehr guter Doppel-Spieler. Ich gehe davon aus, dass die Deutschen 3:2 gewinnen und, dass Haas nicht eingesetzt wird. Wenn es bei seiner Nominierung darum geht, das ganze Tennis wieder in den medialen Fokus zu rücken, dann mag das in Ordnung sein. Aus sportlicher Sicht verstehe ich es nicht.


Franz-Josef Wich
Franz-Josef Wich
Franz-Josef Wich
Franz-Josef Wich

NZ: Merkt man durch diese Davis-Cup-Begegnung in unmittelbarer Nähe eine Auswirkung auf das mittelfränkische Tennis, beziehungsweise auf das Nürnberger Tennis?

Wich: Aktuell nicht. Es ist ja so, dass bei uns die Saison erst wieder im März, April losgeht. Aber ich finde das schon für unsere Region super, dass man hier Tennis wieder etwas in die Aufmerksamkeit bringt. Ich glaube schon, dass sich das ein bisschen auswirken wird, aber nicht kurzfristig. Ich finde die Entwicklung insgesamt ohnehin schade. Ich meine, ich bin im Tennis groß geworden und habe bestimmt eine ganz große rosa Brille auf was Tennis betrifft. Aber gerade in den letzten Jahren, gibt es sehr, sehr gute Spieler wie Djokovic, Murray, Federer. Sportler, die man herzeigen kann. Und in Deutschland wird das nicht wirklich präsentiert.

NZ: Sie sind schon seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil im Nürnberger Tennis. 25, 30 Jahre dürften es sein.

Wich: Ich bin mit 17, 18 zum FCN gekommen, und ich bin eigentlich dann jetzt schon fast 40 Jahre dabei. Also von der Seite her bin ich mit der Szene vertraut.

NZ: Wie beurteilen Sie denn diese 40 Jahre im Nürnberger Tennis?

Wich: Na ja, es war natürlich so, dass Ende der siebziger, Anfang der achtziger Jahre der Hype noch nicht so groß war. So 1985 und 1986 ist das mit Boris Becker und Steffi Graf gekommen. Die neunziger Jahre waren dann wirklich Party, wenn ich das mit einem Schlagwort bezeichnen darf. Aber die Party ist vorbei. Bis zum Ende der neunziger Jahre ist Tennis ständig nach oben gegangen. Und dann Mitte der neunziger Jahre bis Mitte 2004/2005 haben wir ständig Mitglieder verloren. Viele sind zum Golf gewandert. Viele die im Prinzip 20, 30 Jahre Tennis gespielt hatten, haben sich nochmal eine neue Sportart gesucht. Dabei kann man Tennis auch bis ins hohe Alter spielen.

NZ: Und wie ist es jetzt?

Wich: Seit ein paar Jahren beobachte ich, dass Golfspieler zurückkommen. Es ist ja so, dass das, was man als Kind oder Jugendlicher gelernt hat, besser und tiefer sitzt, als wenn Sie mit 50 oder 60 Golf anfangen. Tennis verliert von daher niemanden mehr an Golf. Und wir merken in der Jugend, dass wir Zulauf haben. Man kann es aber nicht mit den neunziger Jahren vergleichen. Dann ist Tennis auch stark im Seniorensport. Was uns wehtut, sind die 25- bis 40-Jährigen.

NZ: Also am Nachwuchs fehlt es nicht?

Wich: Ich kann nur für uns sprechen. Wobei man ehrlicherweise auch als Verein aktiv sein muss. Das heißt, kein Tennisverein kann sich heute hersetzen und warten, wer da vorbeikommt. Wir gehen aktiv an Grundschulen, Kindergärten ran und schauen, dass man Kinder zum Sport bringt. Da fängt man natürlich nicht gleich mit Tennis-Matches an, sondern es geht allgemein um Sport. Ich finde, jedes Kind sollte zum Sport geführt werden. Es geht bei uns im Training auch darum, die Kinder motorisch auszubilden. Es ist nicht so, dass die mit fünf, sechs Jahren gleich mit Tennisschlägern bewaffnet werden, sondern die werden hingeführt. Aber man muss aktiv als Verein werden, es ist auf keinen Fall so, dass man mit Anfragen zugeschüttet wird.

NZ: Tennis ist im Vergleich zu den letzten 30 Jahren ins Hintertreffen geraten. Obwohl sich das Spiel an sich nicht geändert hat. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Wich: Nun ja, das Spiel ist schneller, dynamischer, attraktiver geworden. Zum Zuschauen ist es ein attraktiver Sport. Zum Ausüben ist es auch ein komplexer Sport, der ist schwierig zu lernen. Man kann nicht auf den Platz gehen und einfach spielen, man muss es lernen. Ein Problem war sicherlich, Tennis aus den Öffentlich-Rechtlichen Fernsehanstalten zu nehmen. Das in die Privaten reinzugeben war sicherlich nicht so toll. Die Privaten haben dann das Interesse verloren und die Öffentlich-Rechtlichen hatten sich auch verabschiedet. Dann wieder reinzukommen, ist halt schwierig.

NZ: Gibt es noch andere Faktoren?

Wich: Das Andere ist, dass der Deutsche Tennis-Bund in der Außendarstellung nicht wirklich gute Arbeit geleistet hat. Sie brauchen ja Plattformen. Da gäbe es auch die Bundesliga. Die wird zwar flächendeckend in Deutschland gespielt, ist jedoch eher regional. Aber es gäbe die Möglichkeit, die erste und zweite Bundesliga in irgendeiner Form darzustellen. Nur kocht jeder ein bisschen seine eigene Suppe. Bundesliga-Tennis interessiert den DTB nicht wirklich. Man wehrt sich nicht mit Händen und Füßen dagegen, aber man tut auch nicht wirklich was dafür. Da könnten die Verbände dem Verein mehr helfen. Der Sport findet ja eigentlich im Verein statt, nicht im Verband. Dazu fehlt die mediale Aufmerksamkeit. Man muss nicht übertreiben, aber Tennis ist stiefmütterlich behandelt worden. 



Fragen: Florian Jennemann

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