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„Gera hat ein Drittel der Bevölkerung verloren“, so Rita Stielau von der Stadt Gera. Die Einwohnerzahl ist unter die 100000er-Marke gesunken. Das fällt den Besuchern sofort ins Auge, wenn sie durch die Innenstadt spazieren. Etliche Fenster sind mit Brettern vernagelt, an den Klingeln fehlen die Namen. Die Geburtenrate ist in den 1990ern zurückgegangen, die Arbeitslosigkeit führte nach dem Zusammenbruch der Geraer Industrie zu Abwanderung. Obwohl die Stadt in den letzten Jahren nicht zuletzt durch die Bundesgartenschau 2007 neue Impulse erhalten hat, sind diese Entwicklungen noch allerorts spürbar. Vor allem junge Leute wollen nicht in der Stadt bleiben. „Hier ist ja nichts los für die Jugend“, beschwert sich ein junger Mann vor einem Restaurant, „kein Wunder, dass alle von hier weg wollen.“
Nur selten sieht man heute junge Menschen durch die nach der Wende neu gestalteten Parks, etwa an der Orangerie, spazieren. „Spätestens nach der Schule ziehen sie alle weg“, bestätigt der Mann vor dem Restaurant. Die meisten von ihnen gehen nach Jena. Obwohl die Universitätsstadt bereits aus allen Nähten platzt und Wohnraum entsprechend teuer ist.
Deshalb versucht die Stadt nun, Studenten aus dem 40 Kilometer entfernten Jena anzuwerben, die hier günstig wohnen können und dann eben zur Uni pendeln. Geras Wohnungsbaugesellschaften bieten gar Studentenjobs zusammen mit den Zimmern an. Meistens verschwinden die Studenten aber schnell wieder, sobald sie in Jena eine passende Bleibe gefunden haben. Dort sind alle anderen Studenten schließlich auch — inklusive Studentenleben.
Dass Gera neue Impulse braucht, merkt man auch auf der Sorge, der traditionsreichen Einkaufsstraße der Stadt, die kaum noch Passanten anzieht und einen immer größer werdenden Leerstand zu verzeichnen hat. In den letzten Jahren sind in der Innenstadt zwei neue Einkaufszentren aus Glas und Beton entstanden. Ultramoderne Gebäude protzen seitdem mitten in der Stadt, wo viele Häuser mit ihren kunstvoll verzierten Fassaden noch auf die Zeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgehen, als Gera durch die boomende Textilbranche zu den reichsten Städten Deutschlands gehörte.
Jetzt bummeln die Menschen eben durch die überdachten Ladenmeilen. „Die Ampel zwischen den Gera-Arcaden und dem Elsterforum ist der am meisten frequentierte Fußgängerüberweg in der Stadt“, so Stadtmitarbeiterin Stielau, „auf der Sorge wird die Laufkundschaft immer seltener.“ Dem Druck der beiden Einkaufstempel hat auch das einstige Hertie-Kaufhaus in der Innenstadt nicht standhalten können. Seit Jahren steht der Komplex nun schon leer, die Schaufenster sind mit Brettern vernagelt.
Getan hat sich trotzdem einiges in der ostthüringischen Stadt. Seit der Wende ist sie farbenfroher geworden. „Früher war hier alles Grau in Grau“, so Stielau. Das bestätigt auch Fotograf Hans Hirsch. „Der Industriestaub des Heizkraftwerks hing überall auf den Trabbis.“ Mittlerweile wurden die Schornsteine des Kraftwerks abgerissen. Wenn ein Gebäude saniert wird, leuchtet die Fassade danach oft in sonnigem Gelb oder frischem Blau. Ein 250 Kilometer langes Radwege-Netz soll Besucher anlocken, das sanierte Stadttheater glänzt und Parks laden zu langen Spaziergängen ein. Stolz ist die Stadt auf ihren berühmten Sohn Otto Dix, dessen Geburtshaus zu einem Museum umgestaltet wurde. Fehlen nur die Bewohner, die der Stadt neues Leben einhauchen.
„Die Straßenzüge in Gera sind kurios, aber nicht immer schön“, sagt Fotograf Hans Hirsch über seine Heimatstadt. Im August zeigt er persönliche Ansichten der Stadt im Internationalen Haus in Nürnberg.
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12
Mi. 25.04.12
Fr. 02.03.12
Do. 29.12.11