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Gordys Gespür für die australische Erde

Besuch bei den Aborigines - 20.04. 18:25 Uhr

Nürnberg  - Um die Aborigines Australiens ranken sich viele Mythen. Wie aber sieht ihre Lebenswirklichkeit heute aus? Unsere Mitarbeiterin Franziska Bauer hat sich vier Wochen vor Ort umgesehen. Dort hat sie in den Metropolen im Osten, der südlichen Küstenregion und der Wüste im Zentrum des Kontinents mit Aborigines gesprochen.


Im Goorong-Nationalpark an der Küste Südaustraliens fühlt sich Gordon „Gordy“ Rigney zu Hause: Er kennt sich als Mitglied der Aborigines mit den Besonderheiten des Landes aus. Den nächsten Generationen geht dieses Wissen immer mehr verloren, befürchtet er.
Im Goorong-Nationalpark an der Küste Südaustraliens fühlt sich Gordon „Gordy“ Rigney zu Hause: Er kennt sich als Mitglied der Aborigines mit den Besonderheiten des Landes aus. Den nächsten Generationen geht dieses Wissen immer mehr verloren, befürchtet er.
Im Goorong-Nationalpark an der Küste Südaustraliens fühlt sich Gordon „Gordy“ Rigney zu Hause: Er kennt sich als Mitglied der Aborigines mit den Besonderheiten des Landes aus. Den nächsten Generationen geht dieses Wissen immer mehr verloren, befürchtet er.
Im Goorong-Nationalpark an der Küste Südaustraliens fühlt sich Gordon „Gordy“ Rigney zu Hause: Er kennt sich als Mitglied der Aborigines mit den Besonderheiten des Landes aus. Den nächsten Generationen geht dieses Wissen immer mehr verloren, befürchtet er.

An der Südküste Australiens, entlang des Murray-Flusses, liegt das Gebiet, für das sich Gordon Rigney verantwortlich fühlt. Sanft streicht er mit seiner Hand durch den Strauch mit den saftig grünen Grasstängeln. Fast so, als würde er sie streicheln, als verbinde ihn etwas mit diesem Stück Erde, das er nicht in Worte fassen kann.

Einen der borstigen Halme pflückt „Gordy“ heraus, steckt ihn in den Mundwinkel und kaut darauf. Er schmeckt salzig und beinhaltet wichtige Mineralien, erklärt er. Das Wissen über diese Pflanzen ist Wissen über seine Heimat, die Heimat der Ngarrindjeri, wie die lokale Gemeinschaft der Aborigines heißt. Mit ihrem Land sind die Aborigines untrennbar verbunden.

Jeder Teil des Landes, beschreibt Gordy, ist voller Geschichten, die jedem Ort Bedeutung geben und weitergegeben werden von Generation zu Generation. Jede Gemeinschaft der Aborigines kennt die Geschichten um ihr Gebiet. Sie erzählen von der Entstehung des Landes, von heiligen Plätzen, von Regeln, wie die Menschen das Land bewahren sollen. Das Land ernährt sie im Gegenzug, es gibt ihnen Identität.


Gordy setzt sich auf die Bank vor seinem Haus und zündet sich eine Zigarette an. Er spricht darüber, dass es neben den Geschichten, die das Land erzählt, eine Geschichte gibt, die den Aborigines aufgezwungen wurde. Sie beginnt mit der britischen Kolonisation im Jahr 1788. Das Land, das die Aborigines in über 500 Gemeinschaften seit Jahrtausenden besiedelten, nannten die Briten „Terra Nullius“. Leeres, staatenloses Land, das sie besitzen wollten. Ausgelöst durch unterschiedliche Vorstellungen von Land kam es zu Massakern gegen die Aborigines.

Die nationale Politik der anschließenden Jahrzehnte war geprägt von mehreren Phasen, berichtet Gordy. War es erst die Trennung der Aborigines von der „weißen“ Gesellschaft, strebte die Regierung später eine Angleichung an die Siedler an. Tausende Aborigine-Kinder wurden ihren Eltern entrissen und in missionarischen Waisenhäusern oder bei „weißen“ Familien in anderen Landesteilen aufgezogen. „Stolen Generation“, „eine gestohlene Generation“ nennen die Australier dieses Geschichtskapitel, sagt Gordy und drückt seine Zigarette aus.

In seiner Küche zeigt er auf eine Flagge an der Wand. Sein Cousin Matt hat sie entworfen. Sie ist das Symbol für die Selbstbestimmungsbewegung der Ngarrindjeri. In den späten 1960er Jahren erwachte das Selbstbewusstsein der Aborigines auf nationaler Ebene. 1967 erreichten die Proteste Verfassungsänderungen, die vorsahen, Aborigines in der Volkszählung zu berücksichtigen.

In den folgenden Jahrzehnten erließ die Regierung Gesetze zur partiellen Landrückgabe, erklärt Gordy. Die Ngarrindjeri verwalten Teile ihres Landes heute wieder selbst. Doch viele Aborigines warten immer noch auf die Entscheidung über ihren Landanspruch. Der Kampf um ihre Heimat vereint die Aborigine-Gemeinschaften des Kontinents.

Über 1500 Kilometer von Gordy und der Küste entfernt, brennt die Sonne in der zentralaustralischen Wüstenstadt Alice Springs auf ein Plakat. „Sorry“ steht darauf, darunter „13. Februar 2008“. Es ist das Datum, an dem sich der damalige Premier Kevin Rudd erstmals in der Geschichte bei den Aborigines für das begangene Unrecht entschuldigt hat. „Auf so eine Entschuldigung haben wir lange gewartet“, meint Gordy. „Viel hat sich seitdem allerdings nicht verbessert.“

Dabei sind es viele Veränderungen, die sich die Aborigines erhoffen. Auf einer bunt bemalten Holztafel an einer Schule in Alice Springs haben sie Wünsche aufgeschrieben. Bildung, Jugendarbeit und Respekt, steht darauf. Sie erhoffen sich auch Hilfe, um Suizid, Drogen- und Alkoholmissbrauch einzudämmen. Die Holztafel weist auf ihre prekäre Situation hin, von der auch Gordy erzählt: „Viele Gemeinschaften sind von Perspektivlosigkeit und Diskriminierung geprägt.“

Ihre Chancen am Arbeitsmarkt sind geringer als die der Nicht-Aborigines und drängen sie an den Rand der Gesellschaft. Jugendliche wachsen oft ohne Schulbildung in zerrütteten Gemeinschaften auf, in denen Gewalt und Alkoholismus gravierende Probleme sind. Viele Jugendliche kennen ihre Kultur nicht mehr, beklagt Gordy. Sie wissen oft nicht mehr um die Bedeutung des Landes und dessen heilige Plätze.

Ein solcher Platz ist der Ayers Rock, der Sandstein-Monolith mitten im roten Zentrum des Kontinents. Jahrtausende alte Felsbilder der Anangu, wie die lokale Aborigine-Gemeinschaft heißt, erzählen Geschichten über diesen Felsen. Die Anangu nennen ihn Uluru und wollen nicht, dass er bestiegen wird. Einen Weg auf den Ayers Rock gibt es trotzdem: Scharen von Touristen laufen ihn jeden Tag hinauf.

Der Umgang mit Touristen ist auch Gordy vertraut. Er macht mit ihnen Touren durch den Busch. Es ist sein Traumjob, weil er den Besuchern die Geschichte seines Landes vermitteln kann, weil er dazu beitragen kann, dass die Geschichte der Aborigines anerkannt wird.

Besucher bekommen bei ihm ein ganz anderes Bild der Kultur, als Touristen es in Sydney vor der Harbour Bridge fotografieren: Drei Aborigines posieren traditionell gekleidet und weiß bemalt vor der Brücke, einem Wahrzeichen der kolonialen Geschichte des Kontinents. Sie halten Klangstäbe und einen Bumerang in den Händen. Sie inszenieren sich auf ihrem einst angestammten Land. 




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