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Und vor allem immer aktuell. Nicht jeder, der an der Spitze eines Teams oder gar eines ganzen Unternehmens steht, wird seiner Führungsrolle auch gerecht, wie tagtäglich viele Mitarbeiter erfahren.
Dabei sollte jeder, der an der Spitze steht, den Anspruch an sich selbst haben, ein guter Chef sein zu wollen. Doch nur wenige, die auf Chefsesseln sitzen, erweisen sich dabei als echte Naturtalente. Allerdings ist das Führen von Menschen eine Qualifikation, die sich erwerben lässt. Dass danach eine große Nachfrage besteht, zeigt schon das Angebot. Wer bei Google das Wort „Führungsseminar“ eingibt, erhält „ungefähr 51300 Ergebnisse“.
Ob im Mittelstand besser geführt wird als in großen Konzernen, ob Männer oder Frauen die besseren Führungskräfte sind, damit beschäftigt sich eine aktuelle Studie der Commerzbank, die gemeinsam mit tns infratest durchgeführt wurde: „Frauen und Männer an der Spitze: So führt der deutsche Mittelstand“. Präsentiert wurde die Studie in Nürnberg unter anderem im Beisein von Christine Haderthauer, Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Werner Lang, Geschäftsführer der Mekra Lang GmbH & Co.KG (Ergersheim) und Christine Bruchmann, geschäftsführende Gesellschafterin der Fürst Unternehmensgruppe (Nürnberg).
Doch zuvor Zahlen einer anderen Studie: Mehr als 120 Milliarden Euro beträgt der volkswirtschaftliche Schaden, der deutschen Unternehmen allein 2010 durch mangelnde Mitarbeiter-Bindung entstanden ist, wie die Berliner Beratungsfirma Gallup ermittelte. Demnach weisen emotional ungebundene Beschäftigte 27,8 Prozent höhere Fehlzeiten auf als emotional gebundene Beschäftigte. Zudem würden unmotivierte Mitarbeiter eher kündigen, als ihre Kollegen. So schließen 59 Prozent der emotional ungebundenen Mitarbeiter eine Kündigung in Jahresfrist nicht aus – bei den emotional hoch gebundenen Mitarbeitern sind es nur sieben Prozent. Doch Fluktuation verursache enorme Kosten, etwa durch Know-how-Verlust oder Einarbeitungszeiten.
Und wie funktioniert dies nun im Mittelstand? „Hier begreifen sich die Top-Führungskräfte als unverzichtbare Motivatoren ihrer Belegschaft, ergab die Befragung der Commerzbank. Übersetzt heißt dies: 79 Prozent der Führungskräfte glauben, dass motivieren noch wichtiger ist als Arbeitsprozesse zu organisieren (73 Prozent) oder Strategien zu entwickeln (72 Prozent). Ihren Führungsstil beschrieben sie vor allem als sachlich-pragmatisch und versuchten so, den vielfältigen Anforderungen des Tagesgeschäftes gerecht zu werden. Und noch etwas ergibt die Studie: „Visionäre und Charismatiker sind im Mittelstand eher die Ausnahme.“ Als visionär betrachten sich 25 Prozent der Unternehmer, als charismatisch nur 19 Prozent.
Dabei gibt es auch Geschlechterunterschiede: Frauen verstehen sich sogar zu 82 Prozent als Motivatoren, setzten stärker auf Organisation, Fachexpertise und Kontrolle. Weniger wichtig indes sind für Frauen patriarchale Rollenbilder. Doch auch die nehmen im – oft noch patriarchalisch geprägten – Mittelstand immer mehr ab. Gleichzeitig fühlt sich der mittelständische Unternehmer seinen Mitarbeitern oft stärker verbunden als Führungskräfte eines Großkonzerns – und das schlägt sich nieder in einer größeren Loyalität der Beschäftigten.
„Es gibt niemanden, der nichts kann“, sagt Werner Lang, Mitinhaber und Geschäftsführer des mittelständischen Herstellers von Spiegelsystemen und Spiegeln für Nutzfahrzeuge aus dem Landkreis Neustadt/Aisch. „Jeder hat verschiedene Stärken und Schwächen, für diese muss man die jeweilige Stelle anpassen – nicht umgekehrt.“ Denn die Begeisterung, mit der junge Menschen ihre Arbeit oft aufnähmen, lasse sich auch in 60-jährigen Mitarbeitern entfachen. „Oft wird das Brennen aber einfach totgepatscht – das ist, was Führung vielfach anrichtet.“
Auch Ministerin Christine Haderthauer hat „große Lust an den Unterschieden der Menschen“, die sie versucht, bestmöglich einzusetzen. Dabei hat sie für sich festgestellt, dass Frauen gut führen. Kein Wunder, findet sie. „Wer Kinder groß gezogen hat, tut sich auch mit Führen leichter“, so die zweifache Mutter. Allerdings wünscht sie sich von den Frauen mehr Mut, auch nach der Führungsrolle zu greifen.
Dass sich Frauen dabei oft selbst im Weg stehen, darüber herrschte zwischen Lang, Haderthauer und Christine Bruchmann Einigkeit. Lang macht bei Frauen oft ein übergroßes Maß an Bescheidenheit aus: „Wenn – bei gleicher Qualifikation – eine Frau den nächsten Karriereschritt machen soll, sagt sie oft, ach, das kommt ein Jahr zu früh. Männer sagen eher: Das ist ja seit zwei Jahren überfällig.“ Bruchmann geht noch weiter: „Wenn ich Frauen eine bessere Position in Hamburg angeboten habe, dann ist es mitunter vorgekommen, dass sie diese abgelehnt haben mit Begründungen wie: Ich habe jetzt gerade einen Freund und will hier nicht weg.“
Haderthauer und Bruchmann als „Frauen in Führungspositionen“ zeigten auf dem Podium vor allem eines: Frauen kommunizieren klar, direkt und vor allem allgemeinverständlich. Hier hapere es noch in vielen Unternehmen, wie die Commerzbank-Studie auch zeigte: In den Unternehmen wird zwar „nicht zu wenig, jedoch zu unklar kommuniziert. Typische Führungsfehler sind uneindeutige Anweisungen, unproduktive Diskussionen und Fehleinschätzungen der Mitarbeiter.“ Das Fazit der Experten: „Unternehmen mit guter Geschäftslage oder besonders zufriedenen Mitarbeitern agieren stringenter und zuweilen auch etwas autoritärer.“
Dazu eine Studie der Zeitarbeitsfirma Rundstedt: „Mangelnde Entscheidungsfreude bei ihren Chefs treibt die deutschen Arbeitnehmer auf die Palme. 41 Prozent finden dieses Verhalten völlig inakzeptabel. In Italien dagegen stört das nur 26 Prozent. Vielmehr nervt es die Italiener, wenn ihr Chef nicht im Team arbeiten kann (42 Prozent). Das wiederum stört die Deutschen von allen am wenigsten.“
Mi. 23.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12
Mi. 16.05.12
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12