Nürnberger Bratwürste. Die habe sie vermisst, muss Kerstin Bohner lachend zugeben „Aber die kann man sich ja zum Glück schicken lassen.“ Ein Jahr lang verbrachte die 20-jährige Nürnbergerin nach dem Abitur in Botswana im Süden Afrikas, und half vor Ort bei der HIV-Aufklärung.
Denn in Botswana ist fast ein Drittel aller Bürger infiziert. „Eigentlich wissen die Leute genau, wie die Krankheit funktioniert. Unsere Aufgabe vor Ort war es, die sexuellen Netzwerke mit mehreren Partnern aufzusprengen, die es dem Virus erlauben, sich schnell zu verbreiten“, beschreibt Bohner. Zudem kümmerte sich Bohner um Waisen, die ihre Eltern an den tückischen Virus verloren haben.
Die Studentin der Politikwissenschaften gerät immer noch ins Schwärmen, wenn sie an ihre Zeit in Afrika denkt: „Meine Gastfamilie war einfach klasse. Auch die Organisation verlief problemlos – man hat sich super um uns gekümmert, wir haben uns schnell eingelebt.“
Überraschenden Besuch aus der Heimat gab es auch: Dagmar Wöhrl kam. Die Abgeordnete war in ihrer Funktion als Vorsitzende des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Deutschen Bundestag in Afrika. Wöhrl frage auf Reisen immer, ob deutsche Freiwillige vor Ort sind, „aber dass es ausgerechnet eine Nürnbergerin ist, war purer Zufall“, so Wöhrl. Die Abgeordnete selbst ist glühender Fan von „weltwärts“: „Wenn ich jung wäre, würde ich auf jeden Fall an diesem Programm teilnehmen“, ließ Wöhrl ihrer Wertschätzung freien Lauf.
Sebastian Stelzer hat in Argentinien viel gelernt. Nicht nur die spanische Sprache, die er vorher nicht beherrschte. „Ich bin offener geworden“, erzählt der 23-Jährige, der zwölf Monate in einer sozialen Einrichtung 50 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt Buenos Aires arbeitete und lebte. Und: „Ich bin nicht mehr so vorsichtig wie früher. Ich mache einfach mal.“
Die lebenslustigen Südamerikaner in der Einrichtung „Luz, Esperanza, Pureza“, deren Name ins Deutsche übersetzt „Licht, Hoffnung und Reinheit“ bedeutet, haben es ihm leicht gemacht. Temperamentvoll, bunt gemischt – und mit offenen Armen und Herzen für den Deutschen. „Deutschland wird von den Argentiniern insgesamt sehr positiv wahrgenommen“, erinnert sich der Nürnberger.
Mittlerweile studiert er in Bamberg Pädagogik. Einen Einblick in diesen Bereich sammelte er im Ausland: Hausaufgabenbetreuung, Englisch- und Deutschunterricht für Kinder und Erwachsene sowie Freizeitgestaltung standen in der Einrichtung auf der Tagesordnung.
Auch für Diane Rossier bestimmten Kinder ein Jahr lang den Alltag. Die 22-jährige Hamburgerin arbeitete in einem Kinderheim in Südafrika. „Die Kinder dort sind keine Waisen. Sie haben zwar alle ein Zuhause – aber in das können sie nicht zurück“, beschreibt sie die Situation.
Missbrauch, Armut und Abhängigkeit bringt diese Kinder um ein normales Familienleben. „Eigentlich sollen sie nur übergangsweise im Heim bleiben, aber in der Realität bleiben sie meist sehr viel länger.“
Näher als Rossier kann man diesen Kindern fast nicht kommen. Sie begleitete sie im Alltag, half bei den Hausaufgaben, schlief sogar mit ihnen auf einem Flur. Kommuniziert wurde in Englisch, doch die Politikstudentin schnappte schnell mehr als nur ein paar Brocken Afrikaans auf: „Man will ja schließlich wissen, worüber die Kinder sich beim Spielen streiten“, erinnert sie sich schmunzelnd an den ungewöhnlichen „Sprachkurs“. „Afrikaans ähnelt dem Deutschen und dem Holländischen, also kann man sich viele Wörter herleiten.“
Lisa Otzelberger hat eine gute Tante abgegeben. „Tia“, spanisch für Tante, ist die liebevolle Bezeichnung für die Betreuerinnen in dem Tagesheim für Kinder aus armen Verhältnissen in Santiago de Chile, in dem die 21-Jährige aus Roth ein Jahr bei den Hausaufgaben half, Freizeit gestaltete und ein offenes Ohr für die 40 Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren hatte.
Otzelbergers Herkunft ist nur schwer zu überhören – das fränkisch-gerollte „R“ kommt ihr leichter über die Lippen als das schnelle Spanisch, das man in Chile spricht. „Chilenisch ist schwer zu verstehen, auch wenn ich in der Schule den Leistungskurs belegt hatte“, erinnert sie sich: „Selbst nach einem Jahr wurde mir gesagt, dass ich mich immer noch wie eine Deutsche anhöre.“
Spaß gemacht hat ihr das Jahr im Ausland sehr: „Ich hatte das Gefühl, mich sehr gut einbringen zu können.“ Und auch einen praktischen Nutzen hatte es auch: „Ich hatte mit dem Gedanken gespielt, Grundschullehrerin zu werden. In Chile habe ich gemerkt, dass ich mich nicht nur
mit Kindern beschäftigen möchte.“ Zurück in der Heimat sind sich alle einig: Selbstsicherer sind sie geworden, erwachsener und eigenständiger. Ein Jahr Freiwilligendienst kann viel bewirken.
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