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In ihrer Kindheit habe sie eine große Entfernung getrennt, sagte Moderator Rolf Langenberger, der viele Jahre SPD-Landtagsabgeordneter war, zu Beginn der Veranstaltung. Überhaupt musste Amor sich schwer anstrengen und sich durch verschlungenste Pfade schlängeln, bis er endlich freie Bahn hatte, um seinen Pfeil ins Ziel schießen zu können. Getroffen hat er mitten im Operationssaal. Dem Patienten auf dem OP-Tisch sei dabei nichts passiert, versicherten die beiden auf Anfrage aus dem Publikum.
Zurück zum Anfang. Was tun nach der vermasselten Prüfung? Mit dem Startkapital vom Vater in der Türkei eine eigene Arztpraxis aufmachen oder sich in einem anderen Land als Facharzt qualifizieren? Deutschland? Ohne ein Wort Deutsch zu können? Der Onkel in Berlin und ein sechsmonatiger Sprachkurs helfen weiter.
Nach nunmehr bestandener Facharztprüfung soll es eigentlich wieder zurück in die Türkei gehen. Doch eine Klinik in Bad Nauheim macht dem frischgebackenen Anästhesisten eine Offerte, der er nicht wiederstehen kann. Damit ist Amor schon fast auf der Zielgeraden. Zur gleichen Zeit beschließt nämlich die junge Krankenschwester Gabriele in Nürnberg, an dasselbe Krankenhaus zu gehen. Ismail Baloglu hat inzwischen im dazugehörenden Schwesternwohnheim zwei Zimmer bezogen – im Parterre, mit Blick auf den Eingang.
Die Nachricht, dass bald aus Franken eine neue Krankenschwester kommen wird, verbreitet sich schnell. „Und alle Ärzte hatten Interesse an ihr“, erinnert sich Ismail Bagoglu. Ganz besonders interessant aber wird die Neue für ihn, als er von seinem Fenster aus beobachtet, wie die Eltern ihrer Tochter beim Umzug helfen. Umgekehrt wird auch Gabrieles Mutter rasch auf den jungen Mann im Erdgeschoss aufmerksam. „Schau mal, der Hübsche, der da immer seine Hosen bügelt.“ Der aber muss sich trotzdem ordentlich anstrengen, bis Gabriele mit ihm Tanzen geht.
Doch dann trifft Amors Pfeil auch sie. Das junge Paar entscheidet: Wir gehen nach Nürnberg. „Bei Euch ist es ja wie bei Türken“, sagte Ismail begeistert zu seiner Gabi, als er das erste Mal seine künftigen Schwiegereltern besucht. Und tatsächlich, Gabi, das Einzelkind, ist umgeben von jeder Menge Onkel und Tanten, die alle zusammen mit ihren Familien in einem Haus mit offenen Türen leben.
„Meine Eltern haben mir mitgegeben, Menschen nicht nach ihrem Äußeren oder ihrer Herkunft zu beurteilen“, sagt Gabriele Baloglu. Widerstand kommt allerdings von Gabriele Baloglus deutschem Umfeld. „Die Bemerkungen waren zum Teil absolut grenzwertig“, sagt sie. Doch multikulturelle Ehe funktioniert seit mehr als 30 Jahren hoch erfolgreich. Und auch die drei Kinder sind allesamt wohlgeraten.
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12