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Oikocredit profitiert vom Trend zu ethischer Geldanlage

In Menschen investieren und Entwicklung fördern - 23.11. 20:05 Uhr

Nürnberg  - Seit die Finanzkrise täglich neue Hiobsbotschaften bereithält, floriert bei Susann Mayer-Höcht das Geschäft. Sie hört jetzt oft: "Ich will weg von der Bank." Die Menschen suchten nach einer sinnvollen Geldanlage, nach Finanzprodukten, die sie auch verstehen, sagt die Leiterin der Geschäftsstelle von Oikocredit Bayern in Nürnberg.

Sie konnten ihre Geschäftsidee dank eines Mikrokredits verwirklichen: Karina Cori und Juana Mayta Wanka (r.) aus Bolivien zeigen stolz ihr Gebäck.
Sie konnten ihre Geschäftsidee dank eines Mikrokredits verwirklichen: Karina Cori und Juana Mayta Wanka (r.) aus Bolivien zeigen stolz ihr Gebäck.
Foto: Oikocredit
Sie konnten ihre Geschäftsidee dank eines Mikrokredits verwirklichen: Karina Cori und Juana Mayta Wanka (r.) aus Bolivien zeigen stolz ihr Gebäck.
Sie konnten ihre Geschäftsidee dank eines Mikrokredits verwirklichen: Karina Cori und Juana Mayta Wanka (r.) aus Bolivien zeigen stolz ihr Gebäck.
Foto: Oikocredit

Weg von der Bank, das heißt für viele Anleger, ihr Geld dieser Kreditgenossenschaft anzuvertrauen, durch deren Darlehen Menschen in Entwicklungsländern unterstützt werden. Zum Beispiel eine Gruppe von Frauen im indischen Gadwal, die dank der Mikrokredite den Sprung in die Selbstständigkeit als Sari-Weberinnen wagen konnten. Oder die Kaffee-Kooperative in Nicaragua, deren 450 Mitglieder ihre Kaffeebohnen an den fairen Handel liefern und dadurch einen deutlich höheren Preis erzielen können. Der Mehrerlös fließt in die Ausbildung der Kinder und schafft so Zukunftsperspektiven für die Familien.

„In Menschen investieren und dadurch Perspektiven schaffen“, das bezeichnet Mayer-Höcht als die Hauptintension der vor 35 Jahren gegründeten Organisation. Gesteuert wird das weltweite Geschäft von den Niederlanden aus. In Deutschland ging Oikocredit vor knapp 30 Jahren an den Start, im Frühjahr steht das runde Jubiläum an.



In über 70 Ländern Lateinamerikas, Asiens, Afrikas und Osteuropas wurden seitdem Kredite vergeben – meist an Menschen, die am Kapitalmarkt sonst keine Chance hätten. Feste Zinssätze über die gesamte Laufzeit sind ebenso garantiert wie beratende Unterstützung . „Wer von uns finanziert wird, erhält auch Beratung und Schulung“, sagt Mayer-Höcht. Etwa in ökologischen Fragen. Dieser Aspekt ist neben der Armutsbekämpfung eines der Hauptanliegen der Genossenschaft.

Das ausgeliehene Kreditportfolio betrug Ende September 2011 etwa 472 Millionen Euro. Knapp 900 regional verankerte Projektpartnern leiten die Gelder an die Kleinkreditnehmer weiter. Die Zusammenarbeit mit den Partnern vor Ort sei besonders wichtig, sagt Mayer-Höcht: „Wir schöpfen aus den Erfahrungen der Menschen, die sich dort auskennen und die auch kritische Fragen an die Kreditnehmer stellen.“

Die genossenschaftliche Struktur sieht sie als „zutiefst demokratisch und deshalb ideal“. Und Rosalind Copisarow, Geschäftsführerin von Oikocredit International, schreibt im Jahresbericht: „Weltweit wird die Wirtschaft regelmäßig von Finanzkrisen erschüttert. Genossenschaften hingegen tragen zu einer fairen Globalisierung bei. Denn sie schaffen Unternehmen, die Solidarität und Verantwortung, Partnerschaft und faire Regeln und Standards schaffen. Genossenschaften und Kooperativen sind denn auch bevorzugte Kreditnehmer.

Eigene Länderbüros sollen zusätzlich dazu beitragen, dass die Risiken der Darlehensvergabe minimiert werden. Natürlich gebe es Ausfälle, sagt die Geschäftsstellenleiterin. „Etwa nach dem Hurrikan ,Mitch‘ 1998 in Mittelamerika. Da hatten viele unserer Kreditnehmer alles verloren. Das Geld, das die Kooperativen in Nicaragua oder Costa Rica geliehen hatten, war weg. Und sie hatten dringend neuen Kapitalbedarf.“ Trotz dieser Risiken liege die Kredit-Ausfallquote mit 0,3 Prozent extrem niedrig.

Finanziert werden die Darlehen von weltweit rund 43000 Privatpersonen, Vereine und Organisationen, die ihr Geld bei Oikocredit angelegt haben, über 19000 davon kommen aus Deutschland. Die Dividende für das Investment liegt bei etwa zwei Prozent. Wer sein Geld anlegen will, erwirbt Genossenschaftsanteile im Wert von mindestens 200 Euro, die von regionalen Oikocredit-Förderkreisen treuhänderisch verwaltet werden.

Wie zum Beispiel dem Förderkreis Bayern. Das gezeichnete Anteilskapital lag im Freistaat per Ende September bei knapp 33 Millionen Euro. Ende 2010 waren es 30,3 Millionen, ein Jahr zuvor 24,1 Millionen Euro. Bis Jahresende soll der bayerische Regionalkreis 3000 Mitglieder haben, fast 50 Prozent mehr als vor drei Jahren. Wer sein Geld ethisch anlegen, aber keinem Verein beitreten möchte, kann seit Jahresmitte auch auf ein Sparkonto einzahlen, das mit einem Prozent verzinst wird. Die Kontoführung obliegt der GLS Bank, so dass das Geld über den Einlagensicherungsfonds abgesichert ist. 



Gabi Wald-Hauf

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