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Raumlösungen statt Möbelbau

Klaus Marquardt von der Firma Raumwerk sucht das Besondere - 09.11. 18:12 Uhr

Nürnberg  - Im März 2007 wurde die letzte Schicht bei AEG in Nürnberg gefahren. Was zurückblieb, waren wütende und frustrierte Arbeiter – und ein Gelände, groß wie 30 Fußballfelder, vollgepackt mit Bürogebäuden und Hallen. Eine tote Immobilie. Sie wieder mit Leben zu füllen, war eine Mammutaufgabe. "Auf AEG", so der neue offizielle Name des Areals, hat sich seither etwas Besonderes entwickelt: Nun teilen sich Künstler das Gelände mit mehr als drei Dutzend Firmen und Einrichtungen. Rund 1000 Menschen arbeiten auf dem Gelände. Einige der Firmen stellt die NZ in einer kleinen Serie vor.

Die eigentliche Fertigung der Möbel ist in der Firma von Klaus Marquardt nur ein Arbeitsschritt. Seine Herausforderung sieht er darin, Raumkonzepte zu entwickeln.
Die eigentliche Fertigung der Möbel ist in der Firma von Klaus Marquardt nur ein Arbeitsschritt. Seine Herausforderung sieht er darin, Raumkonzepte zu entwickeln.
Foto: Josef Hofmann
Die eigentliche Fertigung der Möbel ist in der Firma von Klaus Marquardt nur ein Arbeitsschritt. Seine Herausforderung sieht er darin, Raumkonzepte zu entwickeln.
Die eigentliche Fertigung der Möbel ist in der Firma von Klaus Marquardt nur ein Arbeitsschritt. Seine Herausforderung sieht er darin, Raumkonzepte zu entwickeln.
Foto: Josef Hofmann

Künstler und Firmen Tür an Tür auf einem Areal anzusiedeln, war von Anfang an die Strategie des Vermieters MIB für das ehemalige AEG-Gelände. Klaus Marquardt verkörpert diese Strategie in einer Person. Er ist Schreiner von Beruf, seine eigentliche Liebe gilt aber dem Design und der künstlerischen Gestaltung.

Die Firma Raumwerk, die er zusammen mit seiner Partnerin und Architektin Sylke Axiomakarou betreibt, hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen bei der Gestaltung individueller Küchen und Bäder gemacht. Das Angebot für die Kunden reichte vom Konzept über die Gestaltung und Fertigung des Mobiliars bis zur Komplettabwicklung der Baustellen. Auch Ankleiden und Garderoben gehören zum Angebot. „Alles Einzelanfertigungen“, wie Axiomakarou betont. Schließlich waren die beiden mit dem Anspruch in die Selbstständigkeit gestartet, „das ganz Besondere“ anzubieten.



Nicht alle Aufträge ließen sich mit diesem Anspruch in Übereinstimmung bringen, aber einige waren echte Herausforderungen: Wie die Küche einer deutschen Kundin für ihr Haus in der Karibik. Mehr als 600 Stunden Arbeit verschlang das Projekt von der Planung bis zur Montage. Die Küche mit exklusiven Geräten und komplett steinernen Fronten kostete am Ende rund 120000 Euro. Doch je nach Größe und Ausstattung gibt es die individuelle Küche bei Raumwerk auch schon für etwa 15000 Euro – inklusive Farb- und Lichtkonzept. Anregungen kann man sich im Raumwerk-Laden in Johannis holen – allerdings nur nach vorheriger Vereinbarung.

Marquardt und Axiomakarou geht es nach eigenen Aussagen nicht darum, einzelne Möbelstücke zu verkaufen, sondern „individuellen Wohnraum“ zu schaffen. Dazu sei es nötig, die Kunden kennenzulernen, ihr bisheriges Wohnumfeld zu studieren – „ein zeitintensiver Prozess“, wie Axiomakarou betont: Am Ende eines Besuchs habe sie dann eine „Sammlung von Impressionen, die man im Sinne eines Regisseurs zusammenfügen muss“, erzählt sie.


Bei aller Liebe zum Design: Am Ende kommt es auch auf die handwerklichen Fähigkeiten an.
Bei aller Liebe zum Design: Am Ende kommt es auch auf die handwerklichen Fähigkeiten an.
Bei aller Liebe zum Design: Am Ende kommt es auch auf die handwerklichen Fähigkeiten an.
Bei aller Liebe zum Design: Am Ende kommt es auch auf die handwerklichen Fähigkeiten an.

Dennoch: Ein bisschen Ernüchterung ist in den vergangenen Jahren bei dem kreativen Duo eingekehrt: „Am Anfang wollte ich total abgefahrene Sachen machen. Doch nur wenige Leute wollen total abgefahrene Küchen. Bei den meisten muss es einfach funktionell und repräsentativ sein“, erzählt Marquardt.

Aus diesem Mainstream will er nun wieder heraus. Er will individueller, exklusiver werden. Geplant ist eine Serie von Phonomöbeln. Formen aus den 50er-Jahren will Marquardt dabei „neu interpretieren“ und alte Röhrentechnik mit digitaler verbinden. „Weg von den Auftragsarbeiten“ lautet die Marschroute: „Natürlich gehen wir ein Risiko ein und müssen sehen, ob das Konzept funktioniert“, gibt sich das Duo vorsichtig.

Auch bei der Phonomöbel-Serie wird Marquardt auf das Netzwerk zurückgreifen können, das sich „Auf AEG“ gebildet hat. Gleich gegenüber bietet die Natursteingalerie alles rund um Stein an, schräg gegenüber kann sich Marquardt mit Schlossermeister Marc Robrock austauschen, wenn es um Metallbestandteile des Mobiliars geht. Die Firmen auf dem Gelände ergänzten sich optimal, „so dass sich jeder in seinem Rahmen total entfalten kann“, lobt Marquardt das Konzept „Auf AEG“ und die Zusammenarbeit mit den Nachbarn auf dem Areal.

Aktuelle Informationen unter: www.aufaeg.de oder www.kunstaufaeg.de



Josef Hofmann

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