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Es war ein Jahr der Erschütterungen: 2011 explodierte das japanische Atomkraftwerk in Fukushima, 2011 tötete der Norweger Anders Breivik 77 Menschen. Und in Deutschland wurde plötzlich klar, dass man es mit einem viel zu lange unterschätzten Neonazi-Terrornetzwerk zu tun hat. Arif Tasdelen, der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Mögeldorf und Mitglied des Stadtrats, spricht auch die dunklen Seiten des vergangenen Jahres an.
Eine davon trifft die Nürnberger ganz besonders. Denn es waren drei Menschen aus dieser Stadt, die der braunen Mörderbande aus Zwickau zum Opfer gefallen sind. „Es ist schwer zu begreifen, warum die Täter so lange unentdeckt geblieben sind. Warum die Angehörigen der Opfer
zu Verdächtigen gemacht wurden, warum man von Döner-Morden sprach und die Soko Bosporus nannte.“ Es tue ihm weh, sagt Tasdelen, „dass wir schon jetzt nicht mehr darüber reden. Haben wir überhaupt darüber geredet?“ Auch er sei erst kürzlich wieder mit menschenverachtenden Parolen konfrontiert worden. „Scheißtürke – das muss ich mir immer noch anhören.“ Es reiche nicht, dass in Fernsehspots prominente Migranten erzählen, wie gut sie integriert seien. Tasdelen fordert eine neue Willkommenskultur in Deutschland und, dass Menschen mit Migrationshintergrund bessere Chancen bekommen – auch im öffentlichen Dienst, in den Vereinen, bei der Polizei. „Jeder muss sich gegen Diskriminierung stemmen.“ Denn eines möchte er auf keinen Fall: Dass sich seine kleine Tochter, sie ist knapp ein Jahr alt, jemals in dieser Stadt „gehasst und nicht willkommen“ fühlt.
Tief besorgt über den wachsenden Rechtsradikalismus in der Region zeigte sich auch der CSU-Landtagsabgeordnete Karl Freller beim Neujahrsempfang in Langwasser. „Ich verfolge die Berichterstattung und die Geschehnisse mit großem Unbehagen.“ Freller lobte die Arbeit und das Engagement des CSU-Ortsverbandes sowie der beteiligten Vereine. „Es ist eine gute Sache, was hier an Heimat für die Leute gewachsen ist.“ Mit dem guten Vorsatz zu Jahresbeginn, kürzer zu sprechen, verabschiedete sich der Landtagsabgeordnete zum nächsten Termin.
Auch der CSU-Bundestagsabgeordnete Michael Frieser stand unter erheblichem Zeitdruck, da gestern gleich drei Nürnberger Ortsverbände ihre Neujahrsempfänge abhielten. „Der Januar hat nur vier Wochenenden. Da sind terminliche Überschneidungen nicht zu vermeiden.“ Frieser bezeichnete in seiner kurzen Rede Langwasser als einen der interessantesten Stadtteile in Nürnberg. „Integration und Infrastruktur sind hier keine Fremdwörter“, sagte der Integrationsbeauftragten der CDU/CSU-Bundestagsfraktion.
Ein Comeback im sprichwörtlichen Sinne feierte Michael Fraas. Der neue Wirtschaftsreferent der Stadt wuchs in Langwasser auf, wohnte unter anderem elf Jahre in Berlin und kehrte nach insgesamt 20 Jahren wieder in die Noris zurück. Dem CSU-Ortsverband blieb er in dieser Zeit – trotz einiger Abwerbeversuche der Berliner Kollegen – stets treu. „Nach so langer Zeit wieder hier zu stehen, ist etwas ganz Besonderes“, sagte Fraas. In Nürnberg habe sich in dieser Zeit
viel getan.
Fraas betonte, sich als Wirtschaftsreferent unter anderem für einen
festen Standort des Energiecampus Nürnberg einzusetzen, für Hochqualifizierte mehr Anreize zu schaffen, sich in Nürnberg anzusiedeln, sowie die Nordanbindung des Flughafens erneut zum Thema zu machen. „Wir müssen die Diskussion sachlich und vernünftig angehen“, sagte er. „Um die Situation für den Flughafen zu verbessern, muss man ihn an die Autobahn anbinden.“
Fraas begrüßte es, dass nun endlich Konsens darüber herrsche, den Frankenschnellweg kreuzungsfrei auszubauen. „Nun hoffen wir auf einen möglichst hohen Zuschuss vom Freistaat“, sagte er an die Adresse des neuen bayerischen Finanzministers und Parteikollegen Markus Söder gerichtet, der zeitgleich beim Neujahrsempfang in Buchenbühl zu Gast war.


