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Schloss Almoshof zeigt Werke von Häftlingen

Seelenlandschaften auf Papier - 05.02. 19:11 Uhr

Nürnberg  - Zum ersten Mal hat das Schloss Almoshof seine Pforten für Häftlinge geöffnet. Genauer gesagt, für ihre Kunstwerke. Noch bis zum 26. Februar sind 88 Bilder zu sehen, die in der Kunstgruppe der Untersuchungshaftanstalt Nürnberg entstanden sind.

Sabine Schnee und Seelsorger Frank Baumeister betreuen die JVA-Kunstgruppe. Auf diesem Bild zeigt ein Häftling, was ihn bewegt: Er ist hinter Gittern, seine schwangere Frau und das Kind davor – das Leben geht weiter, ohne ihn.
Sabine Schnee und Seelsorger Frank Baumeister betreuen die JVA-Kunstgruppe. Auf diesem Bild zeigt ein Häftling, was ihn bewegt: Er ist hinter Gittern, seine schwangere Frau und das Kind davor – das Leben geht weiter, ohne ihn.
Foto: Stefan Hippel
Sabine Schnee und Seelsorger Frank Baumeister betreuen die JVA-Kunstgruppe. Auf diesem Bild zeigt ein Häftling, was ihn bewegt: Er ist hinter Gittern, seine schwangere Frau und das Kind davor – das Leben geht weiter, ohne ihn.
Sabine Schnee und Seelsorger Frank Baumeister betreuen die JVA-Kunstgruppe. Auf diesem Bild zeigt ein Häftling, was ihn bewegt: Er ist hinter Gittern, seine schwangere Frau und das Kind davor – das Leben geht weiter, ohne ihn.
Foto: Stefan Hippel

„Freunde“ hat einer sein Werk genannt, auf dem sich eine Schlange ringelt und ein Papagei auf einem Ast sitzt. Daneben hängt ein zart schraffiertes Bild, auf dem ein Kind mit einem Hund spielt, ein Vögelchen in der Hand. „Meine Sehnsucht“ heißt eine Landschaft mit blühenden Wiesen vor grün bewachsenen Bergen. Es sind zu Papier gebrachte Einblicke in Seelenlandschaften.

„Wir haben hier eine Vernissage ohne Künstler“, betont Frank Baumeister. Der JVA-Seelsorger hatte 2003 eine Kunstgruppe gegründet, für Männer, die in U-Haft auf ihren Prozess warten. Anfangs verwendete die Gruppe für ihre Malerei Schuhcreme, Zahnpasta und Rote-Beete-Saft, weil sie über kein Geld verfügte. Inzwischen unterstützt der Staat die wöchentlichen Treffen der Männer finanziell.



Ein Platz in der Gruppe ist heiß begehrt. Denn die meisten der Einsitzenden verbringen vier bis zehn Monate in Untersuchungshaft. Manche stehen auch unter Verdacht, Gewaltverbrechen begangen zu haben – dann bleiben sie möglicherweise zwei Jahre lang hinter Gittern. Diese Zeit verrinnt quälend langsam: Eine Stunde ist Hofgang, eine weitere ist Aufschluss, in der die Zellentür geöffnet ist. Die restlichen 22 Stunden des Tages warten die Häftlinge auf den Beginn ihres Prozesses. Wer da seine Isolation nutzen kann, um durch Malerei mit sich selbst ins Gespräch zu kommen, hat großes Glück.


„Gostenhof“ hat der Maler, ein Mittzwanziger, dieses Werk genannt. Es zeigt penibel gezeichnete Graffiti, das sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
„Gostenhof“ hat der Maler, ein Mittzwanziger, dieses Werk genannt. Es zeigt penibel gezeichnete Graffiti, das sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
Foto: Stefan Hippel
„Gostenhof“ hat der Maler, ein Mittzwanziger, dieses Werk genannt. Es zeigt penibel gezeichnete Graffiti, das sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
„Gostenhof“ hat der Maler, ein Mittzwanziger, dieses Werk genannt. Es zeigt penibel gezeichnete Graffiti, das sich mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt.
Foto: Stefan Hippel

„Manche“, erklärt Sabine Schnee, „erfahren hier das erste Mal Lob.“ Die Sozialpädagogin betreut zusammen mit Seelsorger Baumeister die Kunstgruppe und hat oft erlebt, dass auch harte Jungs vor Aufregung erröten, wenn sie ihr Bild den anderen mitmalenden Häftlingen fünf Minuten lang erklären sollen.

Sie erzählt von einem Mittzwanziger, einem Schlägertypen, der seine Kindheit im Heim verbrachte und seine Jugend hinter Gittern. „Einer, der alles in sich hineingefressen hat und dann hochgegangen ist wie ein Dampfkessel“, weiß Sabine Schnee. Dieser Mann malt Graffiti, bunt und penibel gezeichnet, „denen kann man ansehen, wie sensibel er ist.“

Dem Seelsorger, der Sozialpädagogin und den vielen Besuchern der gestrigen Vernissage ist klar, dass diese Männer nicht ohne Grund in U-Haft sitzen. „Aber der Mensch ist mehr als die Straftat, die ihm vorgeworfen wird“, sagt Frank Baumann. Kunst sei für diese Männer die Möglichkeit, etwas von bleibendem Wert zu erschaffen. Die ausgestellten Bilder seien oftmals ihr ganzer Stolz.

„Innenansichten“ mit Werken der Kunstgruppe der JVA Nürnberg ist bis 26. Februar zu sehen im Kulturladen Schloss Almoshof, Almoshofer Hauptstr. 49-53. Geöffnet: Mo. bis Fr. 10-12 Uhr und 14-16.30 Uhr; Di. zusätzlich bis 18 Uhr; So. 14-17 Uhr. Am Mittwoch, 8. Februar, findet um 19.30 Uhr eine Führung statt.
  



Ngoc Nguyen

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Kurzbeschreibung:
Die JVA in der Mannertstraße besteht aus einem Männergefängnis, einer Untersuchungs- und Frauenhaftanstalt und einem Jugendarrest.
Leiterin des Gefängnisses, das über Platz für über 1000 Inhaftierte verfügt, ist seit 2010 Renate Schöfer-Sigl.

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