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Es sind Galoschen, die den 74-jährigen Rino Pannarale besonders an seine Heimat erinnern. Weil das Wetter in Deutschland immer so schlecht sei, schenkte sie ihm sein Urgroßvater 1960, kurz bevor er auswanderte. Er zog sie hier kaum jemals an. Die Galoschen sehen fast aus wie neu. Sie sind ein wichtiges Familienerbstück für den gebürtigen Italiener, der Nürnberg längst als seine Heimat betrachtet.
Kleidungsstücke, Bahntickets, Haushaltsgegenstände: Sie alle können Geschichten erzählen, wenn man ihre Eigentümer danach fragt. Und das tun die Schüler. Die Geschichte des Objekts wird dann auf einem Inventarisierungsbogen erfasst.
Die beiden Klassen nehmen zusammen mit ihrer Lehrerin Elke Mahler am Projekt „Nürnbergs Migrationsgeschichte sammeln, sortieren und zeigen“ teil. Projektleiterin ist Gesa Büchert vom Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte der Uni Erlangen-Nürnberg. Finanziert wird es von der Robert-Bosch-Stiftung. Auch Schüler der Peter-Henlein-Realschule und des Pirckheimer-Gymnasiums sind beteiligt.
Im Stadtarchiv lernten die Schüler, wie man mit schriftlichen Akten umgeht und Fotos wissenschaftlich auswertet. In der Ausstellung „Dageblieben“ des Stadtarchivs und im Museum Industriekultur erfuhren sie, welche Möglichkeiten es gibt, Objekte in Ausstellungen gelungen zu präsentieren. Vieles konnten sie umsetzen: „Die Schüler lassen Ausstellungsstücke ihre eigene Geschichte erzählen oder Dialoge miteinander führen“, berichtet Gesa Büchert, die begeistert vom Engagement der Teilnehmer ist.
Seit September 2011 beschäftigen sich die Jugendlichen mit den verschiedenen Gruppen von Zuwanderern nach 1945: Flüchtlinge und Vertriebene des Zweiten Weltkriegs, Aussiedler und Spätaussiedler, Gastarbeiter und Asylbewerber. Aus ganz unterschiedlichen Gründen kamen und kommen Migranten nach Nürnberg.
Die Schüler suchen nun nach weiteren Erinnerungsgegenständen, die sie für ihre Ausstellung verwenden können. Wer Alltagsgegenstände, Dokumente oder Bilder zur Verfügung stellen möchte, kann diese am Donnerstag, 16. Februar, zwischen 17 und 19 Uhr ins Johannes-Scharrer-Gymnasium (Neubau), Tetzelgasse 20, Zimmer 208, abgeben.
Ist der Besitzer einverstanden, dann gehen die Leihgaben nach der Ausstellung dauerhaft in die Bestände des Museums Industriekultur sowie des Stadtarchivs Nürnberg über. Es gibt aber auch die Möglichkeit, sie nach der Ausstellung zurückzubekommen. Von Dokumenten und Fotos können für die Ausstellung Reproduktionen angefertigt werden. Weitere Informationen gibt es telefonisch unter Tel. 231-3931.


