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Sonnen- und Schattenseiten des Orients

In Nürnberg soll ein Arabisches Museum entstehen - 30.06.08

In bedächtigen Halbtonschritten klettern die Finger über den schmalen Hals der arabischen Laute. Klagend und stolz zugleich mutet der Klang an. Ein wahrhaft majestätisches Instrument, wurden dessen Saiten doch früher aus dem Darm eines Löwen gefertigt, wie ein Musiker erzählt.


Vom Orient hat jeder bestimmte Vorstellungen, oft sind es aber nur Klischeebilder. Um diese zu korrigieren, soll in Nürnberg ein Museum für Arabische Kultur entstehen – das erste seiner Art in ganz Deutschland.
Vom Orient hat jeder bestimmte Vorstellungen, oft sind es aber nur Klischeebilder. Um diese zu korrigieren, soll in Nürnberg ein Museum für Arabische Kultur entstehen – das erste seiner Art in ganz Deutschland.
Foto: dpa

«Sterne des Orients» heißt die Gruppe mit Mitgliedern aus der Region, dessen Wurzeln im arabischen Raum liegen. Sie zupfen und trommeln auf Einladung des Vereins «Arabisches Museum Nürnberg», der sich am Samstag in der Villa Leon erstmals einer breiten Öffentlichkeit vorstellte. Vergangenes Jahr gegründet, will das Projekt kulturelle Brücken zwischen der arabischen und europäischen Welt schlagen, gegenseitige Vorurteile abbauen und die Begegnung sowie den Austausch zwischen den Menschen fördern. Das erklärte Fernziel ist die Errichtung eines Museums für Arabische Kultur in Nürnberg - das erste seiner Art in ganz Deutschland.

Lebendige Begegnung statt Präsentation toter Steine

Bei dem Museum soll es nicht vordergründig um die Zurschaustellung prunkvoller Exponate gehen. «Wir wollen keine toten Steine zeigen, sondern vielmehr ein lebendiges Begegnungszentrum schaffen», sagt der Schatzmeister und Mitinitiator des Vereins, Wolfgang Mayer. Auf der Terrasse des Wirtschaftsjournalisten entstand die Idee für das Projekt, «aus einer Laune» heraus, das schnell weite Kreise zog.

Neben der Stadt und dem SPD-Bundestagsabgeordneten Günter Gloser konnte man auch Horst Kopp als Mitstreiter gewinnen. Der Professor für Kulturgeographie und Orientforschung an der Universität Erlangen-Nürnberg ist ein ausgewiesener Kenner des arabischen Raums und verfügt über weitreichende Kontakte - auch zu potentiellen Sponsoren. «Am Golf sitzen viele wohlhabende Menschen, die sich auf die eigenen Wurzeln rückbesinnen wollen», sagt Horst Kopp. Dabei sei allerdings Vorsicht geboten: «Wir wollen kein Prestige-Projekt starten, sondern auch die Schattenseiten nicht ausblenden.»

Viele Verbindungen zwischen Nürnberg und Arabien

So sollen auch die politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten nicht außen vor bleiben. «Wissenschaftlich objektiv und nicht emotional verzerrt», so wünscht sich Kopp den Dialog in der geplanten Begegnungsstätte.

Anknüpfungspunkte zwischen Nürnberg und Arabien gibt es viele, die weit in die Geschichte zurückreichen. Ohne Gewürze aus dem Orient hätte Nürnbergs Exportschlager, der Lebkuchen - im Mittelalter die Delikatesse schlechthin an deutschen Fürstenhöfen - reichlich fade geschmeckt. Auch der Ruf Nürnbergs als eines der Zentren des weltweiten Kaffeehandels im 17. Jahrhundert wäre ohne die kostbare Bohne aus dem Morgenland nicht möglich gewesen. Ob Astronomie oder Algebra, Badehäuser oder Bier: Mit zahlreichen Erfindungen und Errungenschaften hat uns der Orient ein bedeutendes Kulturerbe hinterlassen. Auch daran will der Verein anknüpfen. So geht Anfang im Januar kommenden Jahres eine Veranstaltung im Hirsvogelsaal auf Wirtschaftsbeziehungen zwischen Nürnberg und der arabischen Welt ein. Im April folgt dann die Pilotausstellung «Medizin verbindet». Zunächst gilt es aber, ein geeignetes Gebäude zu finden. Diesbezüglich will der Verein in einem Gespräch mit OB Ulrich Maly

Unterstützungmöglichkeiten von Seiten der Stadt ausloten.

Außerdem könnte die Naturhistorische Gesellschaft als Partner für wechselnde Ausstellungen gewonnen werden. Für die geplante Museumsbibliothek wurde bereits ein Grundstock gelegt. Den Initiatoren wurden sämtliche «Restbestände» der Frankfurter Buchmesse zugesagt, auf der vor einigen Jahren Arabien als Gastland vertreten war. Wie wichtig es ist, Aufklärungsarbeit zu leisten, wurde dem Verein erst kürzlich wieder klar. So erreichten Horst Kopp zahlreiche böse Mails, die ihm «Schönfärberei» vorwarfen. Er solle doch auch mal die «abgehackten Hände» zeigen, angeblich gängige Bestrafungsmethode in Arabien. «Dabei kommen amputierte Gliedmaßen ebenso selten vor wie bei uns ein Kannibale auftaucht», sagt Kopp.

Vorurteile bestünden jedoch auf beiden Seiten. So würden uns manche Araber als «Kindesmörder» betrachten, während unser Bild der arabischen Welt von Terrorismus, Ölscheichs und Wüste geprägt sei. Möglicherweise sollen einige dieser Mails im späteren Museum zu sehen sein. Als anschauliches Beispiel dafür, wie hoch die Mauern in den Köpfen nach wie vor sind. Allen Beteiligten ist klar: «Wir brauchen noch einen langen Atem». 



Florian Büttner

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