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Die Rahmen erinnern an... – stimmt, an den Nürnberger Künstler Harri Schemm. Der verwendet für seine Bilder solche Rahmen, die er aus Obstkisten schneidet und bemalt. Und es ist kein Zufall, dass er bei den Selbstporträts seine Handschrift hinterlassen hat. „Harri Schemm und Colour Gang“ heißt die Ausstellung, in der wir uns hier befinden. Der Zusatz lautet: „We don‘t need no education“.
Wir brauchen keine Erziehung? Oder vielmehr doch: Denn gerade um Erziehung, aber einmal eine ganz andere, und sogar um Schule geht es bei dieser Ausstellung. Das ist Gerda Reuß geschuldet. Die ist Lehrerin an einer so genannten Problemschule – an der Hauptschule Hummelsteiner Weg in der Südstadt. Mit Kunst haben die Kinder, die diese Schule besuchen, nicht viel am Hut. Sie wachsen unter schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf, meist bei alleinerziehenden Eltern. Kunst kann man sich schlicht nicht leisten.
Und dennoch hat Gerda Reuß es geschafft, die Schüler ihrer (inzwischen neunten) Klasse dafür zu begeistern. Seit über zwei Jahren sind die Jugendlichen, die sich selbst den Namen „Colour Gang“ gegeben haben, unter ihrer Ägide in einer Arbeitsgruppe aktiv. Die ist so populär, dass inzwischen fast die ganze Klasse darin ist. „Es ist eine große Ehre, da mitmachen zu dürfen“, schmunzelt Gerda Reuß. Das Schlimmste für die Schüler sei, wenn einer einmal einen Durchhänger habe und sie deswegen ärgerlich werde, erzählt die Lehrerin. „Dann kommt die ängstliche Frage: ,Bin ich jetzt draußen?‘“.
Inzwischen haben die Schüler bereits die verschiedensten Projekte in die Tat umgesetzt. Sie haben in Zusammenarbeit mit dem Medienzentrum Parabol mit Senioren im Bleiweißzentrum einen Film gedreht, mit Kindern eines Kindergartens Bilder gemalt. Sie haben ein Bilderbuch gemacht, für das sie jetzt einen Sponsor suchen. Sie haben verschiedenen Künstlern über die Schulter geschaut. „Raus aus der Südstadt“, lautet die Devise von Gerda Reuß. Und auch: „Raus aus der Schule“.
Mit der Künstlerin Anke Hellmich und vor allem mit Harri Schemm entwickelte sich eine über zwei Jahre währende, kontinuierliche Zusammenarbeit. Der Künstler besuchte die Schüler im Klassenzimmer, die Jugendlichen gingen zu ihm ins Atelier. „Herr Harri“ nennen sie ihn respektvoll. Der 14-jährige Maxim hat ein Porträt von Harri Schemm gemalt. Der Text, der darunter steht, fasst zusammen, wie die Jugendlichen den Künstler sehen: „Mr. Harri is a beautiful artist. He is awesome. He is very big but he draws very well.“
Ein anderes Werk, an dem sie gemeinsam gearbeitet haben, macht deutlich, warum 14-Jährige manchmal besser abstrakt malen als abstrakte Inhalte lernen können: „Hormone 1“ heißt es, und hier sausen „Spermchen“, wie ein Schüler sagt, durchs Bild. Ihre Lebensumstände haben die Jugendlichen auch in weiteren Werken verarbeitet. Verschiedene Bilder, die mit Sand aus Ländern wie dem Libanon, der Ukraine und der Türkei befüllt sind, weisen auf die Herkunft der Schüler hin. Nur drei von ihnen sind deutschstämmig. Schnipsel und Teile verschiedener Formulare von Sozial- und Arbeitsamt stellen die Verbindung zur Realität her.
Dass diese Realität nicht grau, trist oder gar aussichtlos sein muss, dafür steht die gesamte Ausstellung. Gemeinsam mit Harri Schemm, Anke Hellmich und der engagierten Lehrerin Gerda Reuß haben die Jugendlichen sich eine Zukunft erarbeitet. Auf die Frage „Was willst du nach der Schule machen?“ haben alle von ihnen eine Antwort: eine Ausbildung. Ihre Berufswünsche können sie klar formulieren – und unterscheiden sich damit von so manchen Gleichaltrigen.
Und auf eine weitere Frage kommt die Antwort wie aus einem Mund: Was soll aus „Colour Gang“ werden, wenn die Schule abgeschlossen ist? „Wir machen weiter“, sind sich alle einig. Und Harri Schemm – will der auch weitermachen? „Wenn ich darf, ja“, sagt er. „Ich hab‘ ja auch noch tausend Ideen.“
Geöffnet bis 8. November: Di.–Do. 12–18 Uhr
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12