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Unter großer internationaler Aufmerksamkeit wurde im November 2010 das Memorium Nürnberger Prozesse eröffnet. Besucher aus aller Welt können sich seitdem in einer Ausstellung darüber informieren, wie und warum in den Jahren 1945/46 ein Internationaler Militärgerichtshof im Schwurgerichtssaal 600 hochrangige Funktionäre des NS-Regimes verurteilte.
Aber ist dieses neue Angebot auch für Menschen mit Behinderungen zugänglich? Das überprüfen an diesem Apriltag Gerd Sirotek und Kurt Pogoda von Netscouts. Der IT-Dienstleister, der Menschen mit und ohne Behinderung beschäftigt, erstellt im Auftrag der Stadt Nürnberg einen digitalen Wegweiser durch öffentliche Einrichtungen.
Der Zugang von der Bärenschanzstraße zur Eingangstüre des Memoriums ist unproblematisch. Das sehen Kurt Pogoda und Gerd Sirotek schon auf den ersten Blick: Der Gehsteig vor dem Gelände ist abgeflacht und statt Stufen führt eine sanft geneigte Rampe zum Eingang. Schwieriger könnte sich für Gehbehinderte zuvor jedoch die Parkplatzsuche gestalten: Der Justizparkplatz ist an diesem Tag bis auf den letzten Platz gefüllt und in den Straßen in der Umgebung sind die Parkflächen für Anwohner reserviert. „Wir werden bei der Verwaltung anregen, einen Behindertenparkplatz auszuweisen“, meint Gerd Sirotek, der die Netscouts ehrenamtlich unterstützt. Ganz wichtig für Gehbehinderte sei, dass auf dem Weg vom Auto zum Ziel keine hohen Bordsteine zu überwinden sind.
Nun nehmen Gerd Sirotek und Kurt Pogoda die Eingangstüre genauer unter die Lupe: Die schwere Holztüre ist zwar unverschlossen, lässt sich aber nur mit Kraftaufwand öffnen. Pogoda setzt seinen elektronischen Entfernungsmesser am Türrahmen an. „Einen Meter drei Zentimeter“, diktiert er seinem Kollegen, der die Erhebungsbögen ausfüllt. Generell sei das breit genug für einen Rollstuhlfahrer.
Zur Not helfen die Memoriumsmitarbeiter, die freundlich die Fragen nach den Behindertentoiletten beantworten: „Mit dem Aufzug in den zweiten Stock bitte.“
Der Aufzug ist nagelneu und sehr geräumig: Kurt Pogoda vermisst mit seinem Messgerät Türöffnung, Innenraum und die Höhe der Schalter. Gerd Sirotek schreibt alles zentimetergenau auf. Er hat einen behinderten Sohn und weiß um die Nöte und Wünsche von Menschen mit Handicap. Trotz des ersten guten Eindrucks haben die beiden einen Kritikpunkt: Es fehlt eine Sprachführung, die Sehbehinderte zum Beispiel über das angesteuerte Stockwerk informiert.
Im Dachgeschoss machen sich die beiden auf die Suche nach den Toiletten. Die Ausschilderung ist mager, erst bei einem Rundgang durch die Ausstellung entdecken die Netscout-Mitarbeiter die Sanitäranlagen. Um dort hinzukommen, müssen Nutzer eine etwa fünf Meter lange und nach Erfahrung von Kurt Pogoda relativ steile Rampe überwinden. Der Netscouts-Mitarbeiter lebt mit einer für Außenstehende kaum wahrnehmbaren Gehbehinderung und ist in der Regel alle zwei Wochen für das Internetangebot im Außendienst unterwegs.
Mit dem Messgerät prüfen Kurt Pogoda und Gerd Sirotek nun die Behindertentoilette sehr detailiert: Haltegriffe, eine Notglocke und ein unterfahrbarer Waschtisch sind vorhanden. Zum Rangieren mit einem Rollstuhl reicht das Raumangebot ebenfalls. Trotzdem nehmen die sie die exakten Höhen von Toilettensitz, Waschbecken und Schaltern in ihren Erhebungsbogen auf. Für manche Nutzer seien diese Informationen wichtig, so die beiden Männer.
In den Büros von Netscouts speisen Kurt Pogoda und seine Kollegen anschließend alle Daten in ein Computerprogramm ein. Dieses errechnet dann, ob eine Einrichtung für Behinderte zugänglich ist.
Anhand von Symbolen ist dies für die Nutzer auf einen Blick erkennbar. Daneben gibt es genauere Objektbeschreibungen und viele Informationen, etwa Öffnungszeiten, zu den Einrichtungen. „Vorteil dieses digitalen Wegweisers gegenüber einer Broschüre ist, dass wir die Informationen jederzeit aktualisieren können“, sagt Kurt Pogoda.
www.mobil-in-nuernberg.de
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12