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Eher durch Zufall ist er dazu gekommen: Im Winter 2010 unterhielt sich Bolland an einem Stand am Hugenottenplatz in Erlangen mit Mitgliedern von Ärzten ohne Grenzen. Er wollte nicht spenden, er wollte mitarbeiten. Als er sagte, dass er Elektroingenieur sei, erzählten die Ärzte, dass fünf Minuten zuvor jemand von Ingenieure ohne Grenzen am Stand vorbeigekommen war. Bis dato kannten weder die Ärzte noch Bolland diese Organisation. Kein Wunder, denn 2003 in Marburg gegründet, ist sie noch recht jung. Inzwischen gibt es 24 Regionalgruppen in Deutschland. Bolland leitet die Nürnberger Gruppe, die seit Anfang 2009 besteht, seit Dezember 2010.
Die Nürnberger Ingenieure widmen sich momentan verschiedenen Projekten in dem Dorf Nagasséga im Norden Benins. Im Gegensatz zu anderen Hilfsorganisationen verstehen sich die Ingenieure ohne Grenzen als einzelner Baustein, der einem bestehenden Partnerprojekt bei Bedarf hinzugefügt wird. In diesem Fall ist es der Erlanger Verein Dassari Benefiz, 1995 von André Tagali gegründet. Nach Diplom und Promotion im Chemie-Ingenieurwesen wollte dieser die Entwicklung in seinem Heimatort vorantreiben.
Bolland flog mit Tagali und einem weiteren Ingenieur im Frühjahr 2011 für 18 Tage nach Benin. Auf der 600 Kilometer langen Fahrt vom Flughafen in der Hafenstadt Cotonou gen Norden nahm die Infrastruktur immer weiter ab. „Als wir in Nagasséga ausstiegen, waren wir von dickbäuchigen, schwarzen Kindern umringt und wurden angeschaut wie ein Zirkuselefant.“
Mangelernährung ist ein Problem, essen die Bewohner doch überwiegend Hirse, Mais und Yamswurzel. Auf acht Monate extreme Trockenheit folgen vier Monate Regenzeit. Und so wurde der Bau von Zisternen angestoßen, um das Wasser für die Felder-Bewässerung aufzufangen. Was sich simpel anhört, ist nicht so einfach. Es bedarf der richtigen Konstruktion, um zu vermeiden, dass sich die Wasserbehälter zu Malaria-Brutstätten entwickeln.
Bei ihrem Einsatz folgen die Ingenieure ohne Grenzen zwei Grundsätzen: Nachhaltigkeit und Hilfe zur Selbsthilfe. „Man kann sich am besten mit etwas identifizieren und es wertschätzen, wenn man selbst mitgearbeitet hat.“ Die Organisation bemüht sich, Material vor Ort einzukaufen – auch wenn es teurer ist und eine schlechtere Qualität hat.
Die Arbeits- und Lebensbedingungen sind hart: In Nagasséga etwa gibt es weder fließendes Wasser noch Strom. Ehe Dassari Benefiz drei Brunnen bohren ließ, wurde Wasser aus Erdlöchern geschöpft. Von 18 bis sechs Uhr ist es dunkel. Damit es in einem Raum im Dorf elektrisches Licht gibt, hat Bolland mit seinen Helfern, Solarmodule aufs Schuldach montiert.
Auch ein „Elektrokiosk“ wurde eingerichtet, wo Akkus von LED-Lampen und Handys aufgeladen werden können. Die zuvor verbreiteten Kerosinlampen verursachen oft Verletzungen. Einen Arzt gibt es nicht. Die Liste von all dem, was es nicht gibt, ließe sich fortsetzen. Oder wie Bolland es sagt: „Es gibt noch viel zu tun in der Welt.“
Aktive Ingenieure, Rentner und Studenten sind bei den Ingenieuren ohne Grenzen herzlich willkommen. Die Regionalgruppe Nürnberg trifft sich am Donnerstag, 29.September, in der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Raum A102, Keßlerplatz 12. Außerdem präsentieren sich die Ehrenamtlichen bei der Langen Nacht der Wissenschaften in der Technischen Fakultät der Uni Erlangen. Informationen bei Michael Bolland unter Tel. 0172/8624442 oder unter nuernberg@ingenieure-ohne-grenzen.de


