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Wann fällt uns der Himmel auf den Kopf?

Die Angst der Menschen vor dem nächsten Weltuntergang - 06.07. 17:50 Uhr

Nürnberg  - Das Ende der Welt ist nahe. Kehrt um, tut Buße! Die Zeichen sind eindeutig, und die vieldeutigen Zeichen weisen ebenfalls in die selbe Richtung: Schluss, Aus, Ende Gelände!


Gewaltige Naturkatastrophen wie das jüngste Erd- und Seebeben in Japan schüren immer wieder die Ängste der Menschen vor einer Katastrophe, die alles Leben auf der Erde auslöscht.
Gewaltige Naturkatastrophen wie das jüngste Erd- und Seebeben in Japan schüren immer wieder die Ängste der Menschen vor einer Katastrophe, die alles Leben auf der Erde auslöscht.
Foto: dpa
Gewaltige Naturkatastrophen wie das jüngste Erd- und Seebeben in Japan schüren immer wieder die Ängste der Menschen vor einer Katastrophe, die alles Leben auf der Erde auslöscht.
Gewaltige Naturkatastrophen wie das jüngste Erd- und Seebeben in Japan schüren immer wieder die Ängste der Menschen vor einer Katastrophe, die alles Leben auf der Erde auslöscht.
Foto: dpa

So tönen die Propheten des Weltuntergangs seit altersher. In jeder Kultur, in jeder Religion mit Ausnahme des Hinduismus und Buddhismus. Dort gibt es zwar auch einen Weltuntergang, aber erst in vielen tausend Jahren. Viel Zeit, um noch einige Inkarnationen zu durchleiden.

Der nächste Weltuntergang steht uns am 21. Dezember 2012 ins Haus, also in knapp eineinhalb Jahren. So sagt es nämlich der Kalender der Mayas. Und woher wollen die das wissen? Ist das die Rache der Indianer an den Spaniern? Oder schöpfen sie aus bösen Erfahrungen mit lange zurückliegenden und zyklisch wiederkehrenden Katastrophen? Und wie sieht der Weltuntergang überhaupt aus?

Der Zeitschriftenredakteur und erklärte Skeptiker Bernd Harder erklärte im Planetarium einem illustren Kreis an Interessierten die verschiedenen Gesichter des Kataklysmus. Illuster deshalb, da wir – meist ohne es zu wissen – schon so viele Weltuntergänge überstanden haben. Erinnert sei bloß an die Sonnenfinsternis 1999, oder an Silvester 1999, als angeblich sämtliche Computer die Umstellung auf die Zahl 2000 nicht verkraften sollten.

Was deutet auf den Weltuntergang hin? Laut Auskunft heiliger Schriften umwälzende politische Ereignisse, brutale Gewalt, Naturkatastrophen, und vor allem ein allgemeiner Verfall von Sitte, Anstand und Moral. Über letzteren Punkt klagten schon die alten Griechen (für die die Knabenliebe ganz normal war). Gewalt und Naturkatastrophen gibt es auch immer wieder. Es ist allerdings die Häufung derselben, die den Weltpessimisten zu schaffen macht. Tatsächlich gab es in den letzten Jahren eine Zunahme an Erdbeben, wie Bernd Harder einräumt. Dies aber liege daran, dass weltweit immer mehr Messstationen existieren und jedes Zucken der Erdkruste verzeichnen.

Angst vor dem geheimnisvollen „Planet X“

Was führt nun das Ende der Welt herbei? Da fahren die Esoteriker schweres astronomisch-physikalisches Geschütz auf: Polsprung, Zusammenbruch des erdmagnetischen Schutzschirmes, Sonnenstürme und gar der ominöse „Planet X“, der alle paar Jahrtausende an der Erde vorbeischwirrt. „Sobald Esoteriker von physikalischen Ausdrücken hören, sind sie ganz hin und weg“, beobachtet der Skeptiker.

Tatsächlich verfügt die Erde über ein elektromagnetisches Feld. Tatsächlich übt sich die Sonne alle elf Jahre in gesteigerter Aktivität, die den Funkverkehr beeinträchtigen kann und ansonsten für zauberhafte Polarlichter sorgt. Und natürlich hat die Erde einen magnetischen Nord- und Südpol. Und tatsächlich gab es in der Vergangenheit alle 250000 Jahre einen Polsprung. Der nächste Polsprung ist eigentlich schon überfällig. Nord und Süd tauschen dann die Plätze. Wenn das passiert, proklamieren die Esoteriker, gibt es Erdbeben und Tsunamis ungeahnten Ausmaßes, der Schutzschirm bricht zusammen und die Sonne grillt uns alle bei lebendigem Leib.

Tatsache ist, dass sich solch ein Polsprung nie von einem Moment auf den anderen vollzieht. „Das ist ein ungeheuer langsamer Vorgang, der bis zu zehntausend Jahre dauern kann“, konstatiert Bernd Harder.

Der nächste Sonnensturm steht uns, sofern der Zyklus stabil bleibt, für 2012/13 ins Haus. Aber da es auch positiv denkende Esoteriker gibt, muss uns die Sonne nicht unbedingt rösten, sie kann uns sogar erleuchten. Angeblich wirkt der Elektronensturm direkt auf unser Gehirn ein. Dies führt zu einem weltweiten allgemeinen Bewusstseinswandel. Alle haben sich lieb, Krieg ist blöd, und das Leben verwandelt sich in ein globales Volksfest mit Hippiemusik. Eine wunderschöne Utopie, die man gar nicht aufgeben will. Doch der böse Skeptiker widerlegt auch diese These: „Unser Hirn funktioniert nicht elektromagnetisch, sondern elektrochemisch. Wenn wir auf magnetische Kraftfelder ansprechen würden, dann müsste schon ein Computertomograph uns in Genies verwandeln.“

Aber Berichte von fürchterlichen Zusammenbrüchen, denen nur eine Handvoll Menschen entkam, gibt es weltweit, nicht nur in der Bibel, auch im Gilgamesch-Epos und im südamerikanischen Popol Vuh.

Können das wirklich nur lokale Katastrophen gewesen sein? Hier nun kommt der Planet X ins Spiel. Damit ist ein Planet gemeint, der jenseits des Pluto die Sonne umkreisen soll. Noch halten die Astronomen Ausschau, doch angeblich kannten ihn bereits die Sumerer, die ihm den Namen Nibiru verliehen. Dieser Planet schaut angeblich alle 3657 Jahre bei uns vorbei, kommt der Erde gefährlich nahe, haut sie aus der Umlaufbahn und verursacht irrsinnige Katastrophen, wie etwa die ägyptischen Plagen. Doch wenn Nibiru tatsächlich zyklisch die Erde durchschüttelte, dann hätte die Erde schon längst ihre Umlaufbahn verlassen, und nichts – aber auch gar nichts – könnte sie in ihre alte Bahn zurückschieben.

Nach dem Ende kommt ein neuer Anfang

Die Waffen liegen also bereit, der Countdown läuft. Doch wieso starren jetzt alle Propheten gebannt auf den Maya-Kalender? Dieser Kalender besteht aus einer kreisrunden Steintafel mit 20 Sektoren, die wiederum mit den Sektoren kleinerer Steinkreise korrespondieren. Das funktioniert wie ein Zahnradsystem. Oder wie ein Zahlenschloss. Bis alle Ausgangszahlen wieder beisammenliegen, vergehen im kleinen Zyklus 52 Jahre. Doch bei der sogenannten Großen Zählung vergehen 13000 Jahre.

Warum aber soll am 21. Dezember 2012 Schluss sein? Wo ein Ende ist, muss auch ein Anfang sein. Den datieren die Maya-Experten auf den 11. August 3113 vor Christus. Was aber ist da geschehen? Niemand weiß es. Die Maya-Priester und Gelehrten haben dieses Datum rückwirkend ausgewählt. Vielleicht fand damals ein astronomisches Ereignis statt? Oder etwas von besonderer Bedeutung? Leider hat die katholische Kirche in einem Akt beispielloser Kulturschande sämtliche Schriften der Maya-Kultur vernichtet.

Muss es nun krachen? „Nein“, glaubt Bernd Harder, „sehr wahrscheinlich beginnt dann für die Große Zählung ein neuer Durchlauf, so wie auf den 31. Dezember der 1. Januar folgt.“

Leider glauben immer noch genügend Menschen an den sehr baldigen Weltuntergang, obwohl ungezählte Jüngste Tage ins Land gegangen sind. Eine Frage aus dem Publikum weckt allerdings Unbehagen: „Kann es sein, dass der Weltuntergang doch stattfindet, weil gemäß der sich selbst erfüllenden Prophezeiung eine durchgeknallte US-Präsidentin (Sarah Palin) auf den roten Knopf drückt, weil es so geschrieben steht?“ Da fällt selbst dem Skeptiker nichts mehr ein. 



Reinhard Kalb

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