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Doch die Staatsgemäldesammlung wollte ihren Schatz nicht ins 200 Kilometer entfernte Nürnberg reisen lassen. Die Begründung ist später nicht haltbar, löst aber eine weitere Runde in der Auseinandersetzung aus. Nürnberg habe dem Bild, das vor 40 Jahren bei der großen Dürer-Ausstellung gezeigt wurde, schweren Schaden zugefügt, heißt es.
Inzwischen haben sich einige Behauptungen wie auch die zitierte als falsch herausgestellt. Doch die Wogen haben sich noch nicht geglättet. Der „Münchner Kulturvollzug“ legte gestern noch einmal im Internet nach. Das „skandalöse Gezerre um das berühmteste Gemälde des alten Meisters“ wurde dort erneut aufbereitet. Die Worte des Autors sind nicht ganz so wohl gesetzt wie bei dem Beitrag der ebenfalls in München ansässigen Süddeutschen Zeitung über die Landtagsdebatte am 15. Februar. Aber beide gehen in die gleiche Richtung. Die Kommentatoren äußern Unverständnis über die Haltung der Franken und den Ausgang des Streits.
Ob der Rückzieher des Germanischen Nationalmuseums, das auf eine Überführung des Bildes für die Ausstellung zum Jahr der Kunst angesichts des angeblich fragilen Zustandes des Kunstwerks verzichtete, nun auf Dauer negativ auf die Insitution zurückschlägt oder nicht, das ist offen. Nicht nur Oberbürgermeister Ulrich Maly wunderte sich über die Kehrtwende der Restauratoren.
Es ist nicht die einzige Verstimmung, die zwischen dem Germanischen Nationalmuseum und der Stadt in den letzten Wochen aufgetreten ist. Anfang Februar wurde öffentlich, dass sich die große Kulturinstitution diesmal nicht an der Blauen Nacht beteiligen wird. Das schmerzte die städtischen Organisatoren. Schließlich glänzte das Germanische Nationalmuseum in der Vergangenheit nicht nur mit attraktiven Angeboten, sondern spielte auch beim Verkauf der Eintrittskarten eine bedeutende Rolle. Insider bedauern zudem, dass nicht einmal die „Straße der Menschenrechte“ mit einem Programm belebt wird.
Die Begründung, dass es sich bei der Entscheidung des Direktors Ulrich Großmann um sicherheitsrelevante Aspekte gehandelt habe, löst überwiegend Kopfschütteln aus. Die Intervention des Oberbürgermeisters nutzte nichts, das Haus bleibt geschlossen. Es ist zudem schon schade, dass die Dürer-Ausstellung noch nicht eröffnet ist, wenn die Blaue Nacht stattfindet und somit eine Chance vertan wird, breiten Bevölkerungsschichten einen Zugang zum Meister AD zu bieten.
Bemerkenswert ist nach dem wochenlangen Streit um das Bild, der auf seinem Höhepunkt sogar die Fans des 1. FCN zu einer demonstrativen Meinungsäußerung brachte, dass ein fünfhundert Jahre altes Kunstwerk noch so viel Zündstoff in sich birgt. Leider ging es nicht um die Kunst selbst, sondern um den Umgang damit. Der Streit hat die alte Konfliktlinie zwischen München und Nürnberg wieder deutlich zu Tage treten lassen. Es hat aber auch dafür gesorgt, dass das Interesse an der Kunstausstellung über den frühen Dürer im Vorfeld stark gestiegen ist.
Jetzt ist die spannende Frage, ob es das Germanischen Nationalmuseum schafft, die Spannung bis zur Eröffnung zu halten. Zudem wäre es sicher wichtig, dass sich auch die junge Generation für den Klassiker begeistern lässt. Auf jeden Fall sollten sich Einheimische rechtzeitig Eintrittskarten sichern. Eine Reservierung ist bereits jetzt möglich.
„Der frühe Dürer“, vom 24. Mai bis 2. September im Germanischen Nationalmuseum. Infos www.kpz-nuernberg.de
Di. 22.05.12
Di. 22.05.12
Mo. 21.05.12
Mo. 21.05.12
Di. 15.05.12
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12