Leonie Wolf (13) steht im Neoprenanzug am Ufer und testet mit den Zehenspitzen die Wassertemperatur. «Angenehm warm», findet sie. Sie lässt es sich nicht anmerken, aber «ein bisschen aufgeregt» ist sie schon, kurz bevor der Windsurfkurs beginnt. Als sie vor ein paar Wochen zum ersten Mal auf einem Surfbrett stand, sei sie nach drei Metern umgekippt. Diesmal soll es besser klappen.
«Wir haben hier ein Revier, das es Anfängern leicht macht», beruhigt Böneker Leonie und ihre Freundin Paulina Ahmad (11). «Die Bucht, in der wir surfen, gibt einem ein sicheres Gefühl. Es gibt wenig Wellenbewegung, da ist das Balancehalten einfach. Und der Wind ist relativ gleichmäßig.» Leonie ist sich noch nicht ganz sicher: «Es sieht ja leicht aus, aber wenn man es selbst macht, ist es bestimmt schwieriger. Man muss immer das Gleichgewicht halten, auch wenn der Wind ins Segel bläst.»
Böneker erklärt am Ufer ein paar Grundbegriffe, dann dürfen die neun Kursteilnehmer aufs Wasser. Zunächst ohne Segel. Leonie kniet auf ihrem Brett und versucht vorsichtig aufzustehen, doch sie kommt aus dem Gleichgewicht und platscht ins Wasser. Ein kurzes Lachen, dann klettert sie wieder aufs Brett. Beim zweiten Versuch klappt es besser: Leonie steht mit ausgebreiteten Armen und treibt über den See. Ein wenig wacklig, aber sie steht. «1a, ihr seid ja alle geborene Surfer», ruft Böneker vom Ufer aus. Zeit für den nächsten Schritt.
Basismanöver als Trockenübung
Bevor die Surfschüler mit Brett und Segel aufs Wasser dürfen, macht Böneker die Basismanöver als Trockenübung an Land vor. Wie wird das Segel aufgeholt und auf den Wind ausgerichtet? Wo müssen Hände und Füße hin? Wie kann man bremsen und wenden? Es sind nur ein paar Handgriffe, mit denen sich ein Surfbrett steuern lässt. Dem Klischee des typischen Surfers entsprechend, hat Böneker eine lässige, entspannte Art zu erklären. Er scherzt, erzählt Geschichten und bezieht die Teilnehmer mit ein. An Land hört sich alles ganz leicht an.
Auf dem See ist es nicht mehr so leicht. Paulina fällt beim Segelaufholen zweimal ins Wasser. Böneker hilft und gibt ihr Tipps, dann steht sie auf dem Brett, hält das Segel fest und fährt los. Gemächlich zwar, aber sicher. Nach ein paar Versuchen gelingt die erste Wende und Paulina zieht ihre Bahnen. «Am Anfang ist es schwierig, die Balance zu finden, weil man gleichzeitig aufs Segel und auf die Füße achten muss» weiß Böneker. «Aber die meisten haben ein sehr schnelles Erfolgserlebnis und können nach einer Stunde schon fahren.»
Bis man richtig lenken und schnell wenden kann, dauert es natürlich etwas länger. «Nach zwei Tagen kann man immer bestimmen, wo man hinfährt. Dann ist man in der Lage, jeden Punkt auf dem See zu erreichen, auch wenn er in Windrichtung liegt», sagt Böneker. Wer einen zweitägigen Kurs erfolgreich absolviert, kann den Grundschein der VDWS (Verband Deutscher Windsurfing und Wassersport Schulen) machen. Dieser «Surfbrett-Führerschein» ist an vielen Gewässern Voraussetzung, um sich Material ausleihen zu können.
An einem Windsurfkurs teilnehmen könne eigentlich jeder, meint Böneker. Man sollte nur mindestens 15 Minuten lang schwimmen können. «Mit dem heutigen Material ist es für jedermann zu erlernen. Mit kleinen und leichten Segeln können Kinder schon ab sechs, sieben Jahren fahren», sagt der 46-jährige Surflehrer. Die Geschwindigkeit und die Natur machen für ihn die Faszination am Windsurfen aus: «Surfen findet immer an schönen Plätzen statt, man kann Wind und Wellen bei allen Bedingungen erleben. Es ist totale Action, und es gibt immer neue Dinge, die man probieren kann.»
Auch Leonie ist nach zwei Übungsstunden überzeugt: «Es macht Spaß, vor allem das Gefühl, wenn man schnell fährt. Ich hätte gerne noch mehr Wind.» Paulina freut sich, wie leicht sie Fortschritte gemacht hat: «Wir können jetzt schon einiges. Lenken und Wenden sind am schwierigsten, aber ich denke, das schaffen wir schon.» Dann steigen die beiden wieder auf ihre Bretter und paddeln hinaus aufs glitzernde Wasser.
Surfschule Seecamping Langlau (Campingplatz Langlau; Grundkurs zwei Tage, ca. zwölf Unterrichtsstunden, inklusive Materialmiete, Erwachsene 150 Euro, Schüler und Studenten 140 Euro, Prüfungsgebühr VDWS-Grundschein: 35 Euro; www.windsurfingschule.de).
Surfschule Brombachsee (Badehalbinsel Absberg; Grundkurs zwei Tage, ca. 16 Unterrichtsstunden, inklusive Materialmiete 155 Euro, Prüfungsgebühr VDWS-Grundschein: 25 Euro)
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