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NZ: Die Austrittszahlen in der katholischen Kirche sind nicht zuletzt durch den Missbrauchsskandal hoch, regelmäßig zum Gottesdienst gehen vor allem ältere Menschen. Kann Kirche überhaupt noch attraktiv für Jugendliche sein?
Ralph Saffer: Dank des Ministrantendienstes in der katholischen Kirche sind zumindest wenigstens die Ministranten als Jugendliche im Gottesdienst – und allein in Nürnberg haben wir mehr als 1000 Ministranten. Und es gibt Angebote speziell für Jugendliche, die abweichen von der Liturgie einer normalen Sonntagsmesse.
NZ: Und worauf kommt es dabei an?
Saffer: Man muss auf die Sprache der Jugendlichen eingehen. Die Sprache der Kirche ist normalerweise nicht die Sprache der Jugendlichen. Und ganz wichtig ist die Musik. Wir haben bei unseren Jugendgottesdiensten eine eigene Band, es werden moderne Lieder, teilweise sogar aus den Charts, gespielt und dann thematisch in den Gottesdienst einbezogen, das zieht Jugendliche eher an. Und: Man muss gezielt auf Jugendliche zugehen. Man kann nicht erwarten, dass sie einfach kommen. Man muss auch mal riskieren aufzufallen. Natürlich wird man dann auch infrage gestellt. Aber wenn man Jugendliche ernst nimmt, dann nehmen sie einen umgekehrt auch ernst.
NZ: Ihre evangelischen Kollegen in Nürnberg versuchen, mit einer eigenen für alle offenen Jugendkirche das Interesse von jungen Menschen zu wecken. Was versucht die katholische Kirche?
Saffer: In unseren Jugendgottesdiensten geht es um Themen, die junge Menschen bewegen: Liebe, Freundschaft, Respekt. Wir suchen für die Gottesdienste auch ungewöhnliche Orte auf. Eine Osternachtfeier gab es etwa einmal auf der Straße der Menschenrechte oder in den historischen Felsengängen. Am Aschermittwoch waren wir in der Aussegnungshalle des Krematoriums. Tod und Sterben – auch das sind Themen, mit denen Jugendliche sich auseinandersetzen.
Fr. 18.05.12
Fr. 18.05.12
Do. 17.05.12
Mo. 14.05.12