Der eine oder andere mag sich bei der Lektüre der Todesanzeigen in der NZ gewundert haben: „Wir gedenken an den Tod von Jesus Ben Josef, genannt der ,König der Juden‘. *04 v. Chr. 34 n. Chr.“, hieß es dort. Darunter folgte die Einladung zu einer Trauerfeier: am Karfreitag um 15 Uhr in der Kirche St. Leonhard. Der ungewöhnliche Einfall stammt von Dekan Dirk Wessel – nun ja, eigentlich sei sie abgekupfert, sagt er auf Anfrage. Vor 20 Jahren habe eine katholische Kirche eine solche Anzeige in den „Fürther Nachrichten“ veröffentlicht. Die Idee gefiel Wessel, und nun setzte er sie selbst um. Auch die rund 1000 Gemeindemitglieder erhielten die Anzeige als persönliche Einladung.
„Wir wollen damit darauf aufmerksam machen, dass am Karfreitag der Tod eines echten Menschen betrauert wird“, erklärt der Dekan. „Wenn jemand stirbt, der einem nahe steht, sind das die dunkelsten Stunden. Für das Christentum ist der Karfreitag der dunkelste Tag.“ Heutzutage wüssten viele Menschen gar nicht mehr, was an Karfreitag gefeiert wird. Und sogar das historisch korrekte Geburtsjahr (oder was die Historiker dafür halten) wählte man für die Anzeige. Die christliche Zeitrechnung beruht auf einem Rechenfehler.
Übrigens: Ursprünglich sollte Wessel für die Anzeige den (höheren) Preis für inserierende Unternehmen bezahlen. Er bestand aber darauf, dass es sich bei Jesus um einen Familienangehörigen handele – mit Erfolg.
