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PRO: Normalerweise plädiere ich stets gegen Nostalgie und Sentimentalität. Aber! Es gibt Ausnahmen von der Regel, und wenn ich zunehmend Mühe habe, mein Smartphone zu bedienen, mein Auto selber die Scheibenwischer einsetzt, ohne mich zu fragen und meine Freunde bang auf ihre Aktienpakete starren, statt auf ihre Vespa, ist auch mir nach Flucht.
Flucht in die Zeit, in der die „Sesamstraße“ das Aufregendste des Tages war, wenn nicht gerade ein neuer Ball gekauft worden war oder das Nachbarskind einen neuen Roller hatte. Das sind Ereignisse, die man verkraftet und schnell bewerten kann. Aber heute? Wir sollen aussehen wie frische Twens, uns aber jederzeit klar zu Atomkraft, Transaktionssteuer und Eurobonds äußern, erfolgreich im Job und im Familiegründen sein. Da finde ich es eigentlich ganz normal, wenn sich mancher 38-Jährige in ein T-Shirt wirft, das das Krümelmonster vorne drauf hat, und damit beim Schaufensterbummel vor dem BMX-Laden stehen bleibt. Es ist einfach eine kleine Pause, mehr nicht. isis
CONTRA: Einmal hielt eine Freundin ein T-Shirt hoch und sagte seufzend: „Ist das nicht süüüß?“. Der Klang ihrer Stimme war weich wie bei einer Frau, die einem Welpen die wuscheligen Ohren streichelt oder einem Baby die zarten Wangen. Das Motiv: der Trickfilm-Maulwurf aus der „Sendung mit der Maus“. Das Shirt war ernsthaft für Männer gedacht.
Vieles, was Designer jetzt verkaufen, ist Vintage. Der Stil ist alt, der Preis ist neu. Diese Kleidung soll an die Zeiten erinnern, auf die der Käufer oft verklärend zurückblickt. Weil im Nachhinein kaum etwas toller als die eigene Kindheit ist, gibt es nun viele kindische Drucke auf T-Shirts: Micky Maus, Barbapapa, das Krümelmonster.
Auf den ersten Blick wirkt das nett nostalgisch. Dann kommt man ins Grübeln. Wie alt ist dieser Mensch eigentlich, wenn er als Sechsjähriger Barbapapa im Fernsehen erlebt hat? Antwort: Viel älter, als er tut. Mein Appell: Runter von der Zeitschleife. Die Gegenwart ist schön! ng
