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Unsere Meinung: Heil durchs Minenfeld Nahost

Kommentar: Der Papst als Pilger - 15.05.2009

Natürlich sind das Debakel um den Traditionalistenbischof Williamson auf jüdischer und die Regensburger Rede aus dem Jahr 2006 auf muslimischer Seite nicht vergessen. Der blendende Formulierer Joseph Ratzinger hat sich jedoch keine Blöße gegeben; dass er dem Vergleich mit seinem Vorgänger Johannes Paul II. nicht standhalten kann, weiß er selbst.

Während der Papst aus Polen – streng und milde zugleich – mit traumwandlerischer Sicherheit die Herzen der Menschen erreicht hatte, muss Benedikt XVI. um jede Seele ringen. Er tut es mit theologischer Präzision, die schon seine Arbeit als Chef der Glaubenskongregation begleitet hat; die ihm aber auch innerkirchlich nicht nur Freunde bescherte.

Ungeachtet dieser Tatsache hat der Theologenpapst Benedikt einen Traum. Das Heilige Land ist ein Schmelztiegel der monotheistischen Religionen. Im Idealfall könnte hier auch modellhaft das Zusammenleben der Glaubensrichtungen und Kulturen exemplarisch vorgelebt werden. Nicht von ungefähr hat der Papst stets das Verbindende im Glauben an den einen Gott (nichts anderes bedeutet das Wort Allah) hervorgehoben. Eines Gottes, der zwar in unterschiedlicher Weise verehrt wird, der aber dennoch der Urgrund aller Menschen ist.

Die Brücke zu einem gewaltfreien Miteinander bildet eben die Verbindung von Vernunft und Glaube – ein Anliegen, das bereits in der Regensburger Rede anklang und das auch bei der Ansprache in Jad Vaschem im Mittelpunkt stand, als Benedikt die Verbundenheit von Juden («den älteren Brüdern im Glauben») und Christen beschwor und zur Versöhnung aufrief. Eine Botschaft, die sich auch an die Politik richtet.

Man hätte Mäuslein sein wollen beim Gespräch zwischen dem Papst und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, der nun die zweite Chance hat, eine Lösung für sein zerrissenes Land zu finden. Die drei Buchreligionen haben eine gemeinsame Wurzel, und sie besitzen die zentrale Botschaft: Fremde zu achten, die Mitmenschen nicht zu betrügen, zu bestehlen und zu töten.

Würden diese essenziellen Regeln zumindest ein Stück weit beachtet, hätte sich die Pilgerreise des Papstes gelohnt. 

Raimund Kirch

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