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Wandern bei Aufseß an der Burgen- und Bierstraße

Schwere Entscheidung: Alkohol oder Bildung? - 06.10.2012 15:40 Uhr

Diese Burg ist der Stammsitz derer von und zu Aufseß.

Diese Burg ist der Stammsitz derer von und zu Aufseß. © Ute Fürböter


Wir starten in Unteraufseß. „Ufsaze“ bedeutet „auf dem Felsensitzend“. Auf einem Felssporn thront tatsächlich eine Burg: der Stammsitz derer von und zu Aufseß. Ihr berühmtester Spross ist der Gründer des Germanischen Nationalmuseums, Hans Freiherr von Aufseß. Bevor wir dem Schloss einen Besuch abstatten, schauen wir in der „Alten Posthalterei“ vorbei. Durch das romantische Gässchen „Unterer Schlossberg“ gelangt man hin. Ein Wegweiser macht die Sache leicht.

Die „Alte Posthalterei“ gehörte ursprünglich zur Burganlage. Sie wurde im 13. Jahrhundert als Schlosskemenate erbaut. Heutzutage kann man im denkmalgeschützten Gemäuer Produkte von 25 Handwerkern kaufen (noch bis zum 15. Dezember; Do, Frei 9-18 Uhr sowie Sa 9-13 Uhr). Wenn gerade Wochenende ist und die Sonne lacht, hat auch das Café geöffnet (noch bis 31. Oktober Fr, Sa 10-18 Uhr und So 13-18 Uhr). Es gibt übrigens nicht nur Kaffee und Kuchen, sondern auch Bier und Brotzeit.

Die Schlangenbrücke steht schon seit der Markgrafenzeit.

Die Schlangenbrücke steht schon seit der Markgrafenzeit. © Ute Fürböter


Mit Grünstrich bzw. Rotkreis geht es weiter. Binnen Minuten erreichen wir das Schloss. Das befindet sich wie eh und je im Familienbesitz, bloß als Wohnort hat es ausgedient. An den markanten Bergfried oder auch Rabenturm, der aus dem 12. Jahrhundert stammt, schließt sich ein schmales, eingeschossiges Steinhaus an. Das ist das älteste Wohnhaus der Gesamtanlage. Hier lebte und arbeitete in bescheiden eingerichteten Räumen der Gelehrte und Kunstsammler Hans von Aufseß (1801-1872). Eine Spezialführung ist ihm gewidmet.

Besucher können auch gern die „Historische Führung“ wählen – eine Art Familiengeschichte im Schnelldurchlauf. Teile des Schlosses werden auch gezeigt, darunter der Damensalon. An Kinder richtet sich ein gesondertes Angebot. Jeweils um 11 und um 14 Uhr geht es los. Tipp für Überraschungsgäste: Einfach an der Tür der Vogtei im Schlosshof läuten. Eine Gruppe von sieben Personen sollte aber beisammen sein (Pauschalpreis 30 Euro). Hinterm Schloss befindet sich der Burggraben. Seit Alterszeiten trennt er den Adelssitz vom Ort. In der Neuzeit verläuft hier der Fränkische Gebirgsweg. Dem folgen wir fortan. Über eine Asphaltstraße gelangen hinunter ins Tal. Dort beginnt ein Wiesenweg. Er windet sich talaufwärts an der Aufseß entlang. Wir passieren die Brunnengasse und erreichen den Brauereigasthof „Stern“. Montags ist Ruhetag, sonst kann man sich fangfrische Forellen oder Schäufele schmecken lassen.

Hinterm „Stern“ geht es weiter gerade aus. An der Neuhauser Straße/Ecke Pulvermühle kann man zum „Hugoturm“ abbiegen. Der Abstecher würde lediglich zwei Kilometer ausmachen. Aber ein Aussichtsturm, der keiner mehr ist, hat wenig Reiz, oder? Bald liegen die letzten Häuser hinter uns. Nun trennt sich der Fränkische Gebirgsweg vom Brauereienweg. Wir biegen links in den Wald ab. Wenig später stehen vor der Schweizerhaushöhle. Außen ist der Felsbrocken wirklich durchlöchert wie ein Schweizer Käse. Im Innern befand sich einst eine Schauhöhle. Wer eine Expedition auf eigene Faust wagt, wird leider keinen Sinterschmuck mehr finden, so hell die Taschenlampe auch ins Dunkel strahlen mag.

Als Nächstes führt uns der Fränkische Gebirgsweg zur Schlangenbrücke hinauf. Aus groben Feldsteinen errichtet, war sie einst Teil eines befestigten Reit- und Fahrweges. Jetzt steht das Relikt aus der Markgrafenzeit wie verloren im Wald. Wir wandern zum Galeriefelsen weiter. Dieser Natur-Balkon bietet einen einzigartigen Fernblick. Zur perfekten Idylle fehlt nur eins: die Stille. Schuld sind die Motorräder, die am Wochenende durch das Aufseßtal jagen.

Ruhiger wird es erst, wenn wir auf den Fränkischen Gebirgsweg zurückkehren. Der Waldpfad gabelt sich bald mit einem Fahrsträßchen. Nach Lust und Laune biegt man dort links ab oder rechts – Schloss Oberaufseß erreicht man so oder so.

Eine Karte zur Wanderung rund um Aufseß.

Eine Karte zur Wanderung rund um Aufseß. © NZ_Infografik


Die Anlage mit den fünf Türmen entstand 1690. Konflikte zwischen den Brüdern Friedrich und Karl Heinrich von Aufseß gingen voraus. Karl Heinrich kehrte dem Stammsitz den Rücken. Dem neuen Schloss verlieh er den klangvollen Namen Oberaufseß. Auf dem Adelssitz lebt heute Baron Eckhart von Aufseß mit Familie. Führungen müssen angemeldet werden (091981555, bitte vormittags anrufen). Für drei Euro pro Person bekommt man Hof und Garten zu sehen, mindestens 12 Leute müssen Interesse bekunden.

Bleibt Heckenhof übrig! Mit Schloss Oberaufseß im Rücken überqueren wir die Aufseß und die Talstraße wie gewiesen. Der Weg steigt leicht an. Der Wald beginnt. Wenn sich die Bäume lichten, ist die sonnige Hochebene erreicht. Ein diagonal geteiltes, rot-weißes Rechteck weist an dieser Stelle scharf rechts.

Wir laufen durch Wiesen und Felder, am Sportplatz vorbei und auch am Galgenhügel. Es geht immer geradeaus. So lange, bis man die ersten Häuser von Heckenhof sieht. Wir durchqueren den Ort. Wo alle Biker sitzen, ist die Kathi-Bräu! Das dunkle Lagerbier, die Brotzeiten und die Ursprünglichkeit des ehemaligen Schlosswirtshauses mögen noch so locken – über den Fränkischen Gebirgsweg, der links hinterm Brauereigasthof ins Aufseßtal hinunterführt, treten wir lieber den Rückweg an. Nach etwa zwei Kilometern sind wir wieder am Ausgangspunkt. Tipp: Im Tal 70 steht der Brauereigasthof Rothenbach, wo in der sechsten Generation Aufseßer Bier gebraut wird.

Weitere Bilder unter www.nz.de/blogs/lieb.

Anfahrt:

mit der R2 bis Forchheim, dann mit R22 nach Ebermannstadt. Hier Anschluss an den Bus 221 (verkehrt nur am Wochenende) bis zur Haltestelle „Brücke“ in Aufseß. In der Woche: bis Bamberg, dann weiter mit dem Frankenbus 975. Mit dem Auto:

A73, dann A70, bei Scheßlitz abfahren und der St2187 nach Heiligenstadt folgen. Dort auf die St2188 in Richtung Aufseß wechseln. Am Fuße des Schlossberges befindet sich ein Wanderparkplatz.

Einkehr:

Kathi-Bräu, ganzjährig geöffnet, von 9 bis 23 Uhr durchgehend geöffnet

Brauereigasthof Rothenbach, von 8 bis 23 Uhr durchgehend geöffnet, ab November Di Ruhetag
 

Ute Fürböter

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