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Wanderung zur Esperhöhle bei Burggailenreuth

Einst wurden hier Menschen geopfert - 04.08.2012

Dabei ist Burggaillenreuth kein Dorf, zumindest nicht mehr. 1976 wurden die damals knapp über 100 Einwohner zu Hauptstädtern. Wie das? Ganz einfach: Burggaillenreuth wurde Ebermannstadt zugeschlagen. Seitdem ist das verträumte Örtchen auf der Jurahöhe einer von 17 Stadtteilen der „heimlichen Hauptstadt der Fränkischen Schweiz“.

Die Burg Gaillenreuth bietet malerische Motive.

Die Burg Gaillenreuth bietet malerische Motive. © Ute Fürböter


Burggaillenreuth ist der ideale Ausgangspunkt für die Wanderung zum Naturdenkmal Esperhöhle. Wer mit der Dampfbahn anreist, muss als erstes den (Burg-)Berg hinauf! Also: Vom Bahnhof im Wiesenttal spaziert man ein Stückchen in Fahrtrichtung – entlang der Wiesent ist die Strecke noch wunderbar eben. Ab dem Wegweiser „Burg Gaillenreuth“ aber geht es zur Sache.

Doch keine Bange, der Anstieg ist moderat. Der Forstweg ist zudem angenehm schattig. Bald ist die Burggaillenreuther Quelle erreicht. Eine Rast bietet sich an. Bänke laden zum Sitzen ein und Schautafeln zu einem Ausflug zurück in die Vergangenheit. Denn wo die Burggaillenreuther jahrhundertelang Wasser schöpften, um es in den Ort hinauf zu schleppen, wurde 1877 endlich eine hydraulische Wasserhebeanlage errichtet. Die gibt es längst nicht mehr, aber in der alten Wasserstube arbeitet trotzdem eine Pumpe. Dieser Widder moderner Bauart befördert traditionell Wasser in den Brunnen des Ortes. Und zwar einzig deshalb, damit die historische Anlage nebst Quelle nicht in Vergessenheit gerät. Der Quellkopf liegt in einer Grotte direkt unterhalb des Forstweges.

Wenn der Wald sich lichtet, ist es geschafft! Höher geht es – vorerst – nicht. Wir stehen jetzt vor der Burg (wo die Autofahrer bereits sind). Seit etwa tausend Jahren thront sie auf einem Felssporn. 1382 wurde Burggaillenreuth von Truppen der Reichsstadt Nürnberg belagert, weil hier, so die Überlieferung, 14 zu Unrecht gefangen genommene Untertanen eingekerkert waren. Bis ins 19. Jahrhundert soll die Burg nahezu vollständig erhalten gewesen sein, seit 1847 fehlt die hintere Kemenate.

Heiraten auf der Ritterburg

Immerhin stehen Vor- und Hauptburg nebst vorderer Kemenate bis heute, blütenweiß getüncht übrigens. Ans fachwerkgeschmückte Jägerhaus (in der Vorburg) grenzt die (bereits erwähnte) Schlosswirtschaft. Die ist, wie praktisch, Café, Restaurant und Pension in einem. Im idyllischen Biergarten kann man unter uralten Linden schmausen – oder Hochzeit feiern (www.diehochzeitsburg.de oder www.burg-gaillenreuth.de). Ritteressen im historischen Ambiente stehen auch auf dem Programm. Unterm Strich: ein Geheimtipp!

Von der Esperhöhle trennt uns jetzt nur noch ein Steinwurf. Wir folgen der Markierung blauer Senkrechtstrich. Vorbei am Gasthof Wolf, der mit zarten Ochsenbäckchen lockt, in Rotwein geschmort (9,50 €). Am Haus der FFW biegen wir links ab wie gewiesen, dann gleich wieder rechts. Auf einem befestigten, sanft ansteigenden Flurweg erreichen wir den Wald.

Für die einen ist die Esperhöhle ein Abenteuerspielplatz – für die anderen ein ausgesprochen unheimlicher Ort.

Für die einen ist die Esperhöhle ein Abenteuerspielplatz – für die anderen ein ausgesprochen unheimlicher Ort. © Ute Fürböter


Wir laufen geradeaus, dann an einer T-Kreuzung links, kurzzeitig wandern wir zwischen Wiesen und Feldern. Ein hölzerner Wegweiser taucht auf – erneut umfängt uns der Wald. Nach einem leichten Schlenker nach links und einem weiteren Stück geradeaus entdecken wir wieder einen Wegweiser – es ist der letzte vor der Esperhöhle.

Über hölzerne Stufen (kindersicher mit Geländer) steigen wir abwärts. Der Pfad windet sich wildromantisch zwischen den moosbedeckten Felsbrocken. Dann stehen wir vor der Versturzhöhle – denken wir. Tatsächlich ist die gigantische Grotte mit der riesigen Tanne nur der Vorgeschmack. Das Ziel, eines der bedeutendsten archäologischen Denkmäler Frankens mit einer Entstehungsgeschichte von etwa 160 Millionen Jahren, befindet sich noch vor uns.

Ein paar Schritte weiter und die 22 Meter lange, senkrecht aufragende Felswand der großen Doline (Karsttrichter) erhebt sich wie eine mächtige Theaterkulisse. Daneben gibt es einen 20 Meter tiefen Schacht, Teil der zum Himmel geöffneten kleinen Doline. Funde aus der Esperhöhle, darunter menschliche Skelettfragmente, weisen auf Menschenopfer im Rahmen der damaligen Religion hin.

Früher hieß die Höhle „Klingloch“

Infografik Esperhöhle

Infografik Esperhöhle © NZ-Info-Grafik


Der große, terrassenförmig erhöhte Vorplatz hat dabei vermutlich als Versammlungsplatz gedient. Übrigens hieß die Höhle im Volksmund „Klingloch“. 1810 wurde sie umbenannt zu Ehren von Johann Friedrich Esper, seines Zeichens Begründer der wissenschaftlichen Höhlenforschung in der Fränkischen Schweiz. Und noch ein Nachtrag: Für Kinder und solche, die es im Herzen geblieben sind, ist die Höhle dank der zahllosen Öffnungen der reinste Abenteuerspielplatz!

Irgendwann muss man weiter. Schade eigentlich. Der Rundweg führt uns zunächst nach Leutzdorf. Im Ort biegen wir am Dorfweiher links ab. Nun folgen wir Rotkeil. Je nach Tempo passieren wir über kurz oder lang eine Bilderbuchschlucht mit zahlreichen markanten Felsnadeln. Am Ende gelangt man wieder hinunter ins idyllische Wiesenttal. Welch glücklicher Zufall: Gleich rechts des Weges befindet sich die „Sachsenmühle“. Die Wirtschaft an der Wiesent besitzt einen der schönsten fränkischen Biergarten, ist bei fast jedem Wetter geöffnet und zudem berühmt für üppige, schmackhafte Brotzeiten. Wer hier nicht einkehrt, ist selbst schuld!

Einfach noch ein bisschen bleiben

Aber man kann auch weiter marschieren. Bis zum Ausgangspunkt Burggaillenreuth – für die Autofahrer ohnehin ein Muss. Alle anderen haben drei Möglichkeiten: Sie können den Rückweg mit der Dampflok antreten. Auch vom Bahnhof Gößweinstein aus. Sie können den Bus (Nr. 389, Haltestelle an der B470) nach Ebermannstadt nehmen. Und Variante drei? Nun, man bleibt noch ein bisschen. Liegt faul an der Wiesent, schaut den Paddlern hinterher und träumt schon vom nächsten Wandererlebnis.

Anfahrt: Mit dem Auto über die A73 bis Forchheim, dann auf der B470 bis Ebermannstadt, am Ortsausgang rechts abbiegen in Richtung Burggaillenreuth.

Mit der Bahn: R 2 bis Forchheim, R 22 bis Ebermannstadt, dann weiter mit der Museumsbahn (Dampflok). Fahrten bis zum 28. Oktober jeden Sonntag und an vielen Feiertagen, Abfahrtszeiten unter www.dfs.ebermannstadt. de/DE/fahrplan.htm

Einkehr Burg Gaillenreuth: geöffnet Mi–So von 11–22 Uhr sowie an allen Feiertagen, Mo. und Di. Ruhetag

Einkehr kurz vor der Esperhöhle: Gasthof Wolf (mit Pension), geöffnet von 8–21 Uhr, dienstags Ruhetag

Die Esperhöhle ist geschützt. In der Zeit zwischen 1. Oktober und 30. April dürfen das Naturdenkmal und dessen Umfeld aus Gründen des Artenschutzes nicht betreten werden.
 

Ute Fürböter

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