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Warum schweigt Köhler?

Kommentar: Die Enttäuschung des Arno Hamburger - 02.09.2009

Vorweg bemerkt: Hamburger reagiert nicht auf die Israelkritik so verbittert, die ist er gewohnt, sondern weil Felicia Langer die Gefahren ausblendet und in seinen Augen den Rechtsradikalen Wasser auf deren Mühlen liefert.

Natürlich kann einem Deutschen jüdischen Glaubens das Land nicht gleichgültig sein, das ihm während der Zeit des Nationalsozialismus eine Bleibe gewährt hat und das noch heute Juden aus aller Welt ein sicherer Hafen sein will. Den umliegenden Staaten ist das Land Israel nach wie vor ein Dorn im Auge. Der iranische Präsident spricht noch immer von dessen Beseitigung.

Die Jüdin Felicia Langer hat ihrerseits die Siedlungspolitik der Israelis, deren zum Teil rüdes Verhalten gegenüber den Palästinensern und den mangelnden Willen zu einem gerechten Ausgleich scharf kritisiert. So scharf, dass ihr das Leben in Israel unmöglich erschien. Von der Bundesregierung hat sie für ihre Menschenrechtsarbeit das Bundesverdienstkreuz erhalten, was Arno Hamberger absolut nicht verstehen will und kann. Der 86-Jährige hat am eigenen Leib erfahren, wie in seiner Jugend die landläufige Verachtung den Juden gegenüber in einen irrationalen Hass umgeschlagen war, dem Millionen von Menschen zum Opfer fielen.

«Wehret den Anfängen» heißt deshalb sein Lebensmotto, das er kämpferisch vertritt. So musste der Leiter des Fürther jüdischen Museums die Konsequenzen ziehen, weil der eine satirische Ausstellung der jüdischen Künstlerin Anna Adam gezeigt hatte. Besonders ärgerte Hamburger auch das geplante Gedenken an den früheren evangelischen Landesbischof Hans Meiser, der einst die Stimmung gegen die Juden durch antijudaistische Äußerungen angeheizt hatte.

Wie ernst es ihm ist, zeigt nun die Rückgabe seiner beiden Verdienstkreuze, auf die er nach eigenen Angaben so stolz gewesen ist. Ob er gut beraten war, bleibt dahingestellt. Der Bundespräsident wird auch weiterhin seine Entscheidung nicht kommentieren. Die Diskussion über Israel, dem wir Deutsche besonders verpflichtet sind, wird indes weitergeführt, bis eines Tages dort ein gerechter Friede einkehrt, an dem auch Arno Hamburger so sehr gelegen ist. RAIMUND KIRCH 

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