23°C

Donnerstag, 24.04. - 23:21 Uhr

|

Wie die Reformation nach Franken kam

Wolfgang Osiander schreibt über Andreas Osiander - 02.01.2009

Während in katholischen Gottesdiensten nur die Hostie gereicht wurde, war eine der wesentlichen Neuerungen der Reformation das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Auf diesem Nürnberger Konfessionsbild stehen Luther und Melanchton mit am Altar.

Während in katholischen Gottesdiensten nur die Hostie gereicht wurde, war eine der wesentlichen Neuerungen der Reformation das Abendmahl in beiderlei Gestalt. Auf diesem Nürnberger Konfessionsbild stehen Luther und Melanchton mit am Altar. © aus dem Buch


Der kleine aber feine Schrenk-Verlag in Gunzenhausen hat zum Beginn der Luther-Dekade, die im letzten Jahr begann, einen wichtigen Begleitband herausgegeben. Das Besondere am Buch «Reformation in Franken» ist, dass der Autor Osiander heißt, also so wie einer der bedeutenden fränkischen Reformatoren.

Die Vorfahren des 1993 nach Gunzenhausen versetzten Gymnasiallehrers Wolfgang Osiander stammen aus der Gegend von Dollstein. Sie sind immer katholisch gewesen. Aber auch der 1498 in Gunzenhausen geborene Andreas Osiander hat ja zunächst katholische Theologie studiert. Freilich war reformerisches Denken damals, an der Wende zum 16. Jahrhundert, in vielen Universitäten zu Hause. Mönche, Kleriker, selbst Bischöfe waren höchst unzufrieden mit dem Ablasshandel Roms, der halsstarrigen Theologie von Mutter Kirche, der mirakelgläubigen Volksfrömmigkeit. Martin Luther hat nur das ausgedrückt, was viele seiner Zeitgenossen dachten.

Eines der Zentren reformerischen Denkens im Reich war in der Folgezeit Nürnberg. Andreas Osiander, der in Ingolstadt studiert hatte, lernte als Hebräischlehrer im Augustinerkloster wohl auch den Inspirator Luthers und einen der Wegbereiter der späteren Reformation, Johannes von Staupitz, kennen. Staupitz war Generalvikar seines Ordens. Später wird er auf Distanz zu Luther gehen und zu den Benediktinern übertreten.

Dagegen steigt Osiander schnell zum Vordenker der Reformation in Nürnberg auf. 1522 wird er Prediger an der Lorenzkirche. Als solcher führt er die Nürnberger Religionsgespräche an, die zum endgültigen Bruch mit der katholischen Kirche führen. In der Folge werden sieben Klöster in Nürnberg aufgelöst. Die Stadt übernimmt die Kranken- und Sozialfürsorge, die bis dato weitgehend von Mönchen und Nonnen organisiert worden war.

Osiander wurde zu einem wichtigen Vermittler der Lehre Luthers, von dem er sich jedoch in späteren Jahren wieder entfernen sollte. In seinem «Judenbüchlein» nahm Osiander, im Gegensatz zu Luther, Partei für die Juden indem der dem zeitgenössischen Antijudaismus ausdrücklich widersprach.

Osianders dunkle Seiten werden nicht verhehlt: seine Rechthaberei und Eitelkeit. 1548 verließ er die Stadt im Streit. Er starb 1552 in Königsberg. In seinem Buch geht Wolfgang Osiander den Stimmungen der Zeit nach. Er porträtiert Zeitgenossen Luthers. Beschreibt die Ausgangslage in den Diözesen Würzburg, Bamberg und Eichstätt und erklärt die theologischen Knackpunkte der Reformation. Die Schauplätze werden durch Karten und Fotos anschaulich dargestellt. Raimund Kirch

Wolfgang Osiander. Die Reformation in Franken. Reihe Fränkische Geschichte, Schrenk-Verlag Gunzenhausen. 224 Seiten. 24,90 Euro.  

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

Captcha

Bestätigungswort

Um Ihren Kommentar abzusenden, geben Sie bitte das Bestätigungswort ein. Nicht lesbar? Erzeugen sie durch Klick darauf einen neuen Text.