Ist man in Italia geschäftlich unterwegs, sollte man sich unbedingt mit den Formen der Anrede und der Vorstellung und mit den entsprechenden Höflichkeitsfloskeln vertraut machen. „Buongiorno Signor Neri, Le presento la signora Bianchi!“ (Guten Tag, Herr Neri, ich stelle Ihnen Frau Bianchi vor!) „Piacere!“ (Angenehm!)
Lernt man eine Person erst kennen, ist die Höflichkeitsform ein Muss – so wie auch mit Leuten, mit denen man nicht befreundet ist oder mit älteren Leuten. „Come si chiama?“ (Wie heißen Sie?) „Mi chiamo Bonamonte“ (Ich heiße Gutberg). Auch wenn Titel auf der Halbinsel immer seltener verwendet werden, sind sie bei der Vorstellung meistens angebracht. Im Büro unter Kollegen duzt man sich, aber auf keinen Fall am ersten Arbeitstag. Jüngere Leute sollten allerdings abwarten, dass Ältere ihnen das Du anbieten. „Ciao“ wird zur Begrüßung und zur Verabschiedung gebraucht, aber nur wenn man sich duzt!
Obwohl die Italiener in dem Ruf stehen, meist viel zu viel zu sprechen, werden die Gespräche im Belpaese besonders durch die nonverbale Kommunikation beeinflusst: Die Verständigung durch Gestik oder Mimik kann bis 70 Prozent unserer Kommunikation ausmachen. Wenn man zwei Italiener im Gespräch beobachtet, merkt man sofort, wie Gesichtsausdruck und Körpersprache zum Inhalt der Aussage passen oder etwas ganz anderes verraten: Der ehemalige Staatspräsident Giovanni Leone zeigte sein Unbehagen zum Beispiel durch „le corna“ (die gehörnte Hand) – die Körpersprache drückt unbewusst aus, was wirklich gemeint ist. Bei manchen Leuten kann man eine Konversation oder eine Rede auch ohne Ton verstehen oder ohne die Fremdsprache zu beherrschen. Als Beweis dafür schauen Sie sich eine Debatte im italienischen Parlament mit ausgeschaltetem Ton an: Das Ergebnis ist erstaunlich! Bei einigen Politikern hilft sogar un sorriso stereotipato (ein stereotypes Lächeln) oder ein Lifting nicht weiter: Ihre Gedanken werden durch ihre Gesten bloßgestellt!
Für telefonische Gespräche und allgemeine Korrespondenz mit der Halbinsel sind allerdings Italienischkenntnisse notwendig, denn Italiener sind beim Erlernen von Fremdsprachen im Allgemeinen ziemlich faul. I corrispondenti in lingue estere (Fremdsprachenkorrespondenten) können am besten la lingua degli affari (die Geschäftssprache): Allgemeine Sprachgrundlagen, Korrespondenz, Übersetzungen, Textproduktionen und mündliche Sprachbeherrschung üben sie mehrere Stunden pro Woche. Im Unterricht werden sie allerdings auch erfahren, dass es den meisten Italienern schwer fällt, Umlaute auszusprechen und dass man am Telefon diese besser mit ae, ue oder oe buchstabiert.
Man lernt aber auch, dass meine Landsleute nie vor 9 Uhr im Büro erreichbar sind, sich in der Regel eine längere Mittagspause gönnen, aber dafür bis spät abends arbeiten – der Feierabend beginnt in Italia durchschnittlich um 18 Uhr, aber viele sitzen noch länger vor dem Computer und fanno gli straordinari (machen Überstunden). I migliori affari (Die besten Geschäfte) schließt man aber immer noch bei un pranzo o una cena di lavoro (einem Geschäftsessen zu Mittag oder zu Abend) ab: die angenehmste Art der Arbeit, oder?
Fr. 17.02.12
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