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Anschlag auf BVB-Bus offensichtlich aus Habgier

28-Jähriger spekulierte auf abstürzenden Börsenkurs des Vereins nach Gewalttat - 21.04.2017 15:48 Uhr

Offensichtlich aus Habgier hat ein 28-jähriger Mann den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt.

Offensichtlich aus Habgier hat ein 28-jähriger Mann den Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verübt. © dpa


Der Mann soll in einem Aktiengeschäft auf einen Kursrutsch der BVB-Papiere gesetzt haben, zu dem es durch die Tat hätte kommen können.

Nach tagelangen Spekulationen über mögliche extremistische Hintergründe des Anschlags vor eineinhalb Wochen nahm der Fall damit eine unerwartete Wende. Der festgenommene Sergej W. nahm laut Bundesanwaltschaft vor der Tat Kredite über mehrere zehntausend Euro auf und spekulierte damit zumindest zum Teil auf fallende Kurse der Aktien des börsennotierten Bundesligavereins. Er kaufte demnach sogenannte Put-Optionsscheine, mit denen er bei einem Kursverfall Gewinne hätte erzielen können.

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Explosion an BVB-Bus: Drei Sprengsätze verletzen Spieler

Am Dortmunder Mannschaftsbus waren am Dienstagabend drei Sprengsätze explodiert. Der Verteidiger Marc Bartra ist dabei schwer verletzt worden. Die Champions-League-Partie von Borussia Dortmund gegen AS Monaco ist abgesagt worden.


"Bei einem massiven Verfall der Aktie von Borussia Dortmund hätte hier der Gewinn nach vorläufigen Berechnungen ein Vielfaches des Einsatzes betragen", erklärte die Bundesanwaltschaft. Zu genauen Summen, die dabei womöglich gewinkt hätten, äußerten sich die Ermittler zunächst nicht. Die Bundesanwaltschaft legt dem 28-Jährigen versuchten Mord, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie gefährliche Körperverletzung zur Last.

Bei dem Anschlag am 11. April waren drei mit Metallstiften gefüllte Sprengsätze in der Nähe des BVB-Mannschaftsbusses explodiert, als sich das Team auf dem Weg zu der Champions-League-Partie gegen den AS Monaco befand. Dabei wurden der BVB-Fußballer Marc Bartra und ein Polizist verletzt.

Über die IP-Adresse des Hotels abgewickelt

Der nun festgenommene Sergej W. hatte den Ermittlungen zufolge in dem Hotel selbst ein Zimmer - und zwar ein Dachgeschosszimmer mit Blick auf den späteren Anschlagsort. Zudem soll er den Großteil der Aktiengeschäfte am 11. April über die IP-Adresse des Hotels abgewickelt haben.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der 28-Jährige allein handelte. "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen haben wir keine Anhaltspunkte für mögliche Gehilfen oder Mittäter", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler. Zu dem verwendeten Sprengsatz konnte sie noch keine genaueren Angaben machen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich schockiert über das vermutete Motiv des Verdächtigen. Wenn der Vorwurf zutreffe, sei dies eine "besonders widerwärtige Form von Habgier", sagte der Minister. Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete es als "einfach grauenhaft", wenn der Beschuldigte tatsächlich aus "bloßer Geldgier" gehandelt haben sollte.

Borussia Dortmund verspricht sich von der Festnahme eine schnelle und umfassende Aufklärung des Falls. Die Vereinsführung hoffe, dass "der Verantwortliche für den niederträchtigen Anschlag" gefasst worden sei, erklärte der Klub.

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Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer wünschte sich, „dass wir die tatsächlichen Hintergründe des Anschlags erfahren“. Für alle, die im Bus gesessen hätten, "wären diese Informationen wichtig, denn sie würden den Verarbeitungsprozess deutlich erleichtern". Trainer Thomas Tuchel äußerte sich ähnlich. Es sei für alle "sehr wichtig", wenn der Fall aufgeklärt werde. Er wisse, dass dies vielen Spielern helfen würde.

Die verschiedenen nach dem Anschlag aufgetauchten Bekennerschreiben führten offenbar in die Irre. Am Tatort waren drei identische Schreiben gefunden worden, in denen ein radikalislamisches Motiv für den Anschlag angegeben wurde. Im Internet wurde nach dem Anschlag auf den BVB-Bus zudem ein Bekennerschreiben aus der linksextremen Szene veröffentlicht. Später ging bei mehreren Medien auch ein rechtsextremes Bekennerschreiben ein. 

afp

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