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Erstes Ferienopfer: Welpe Benji von Besitzern ausgesetzt

Zum Ferienbeginn trennen sich jedes Jahr zahlreiche Halter von ihren Tieren - 10.07.2018 10:36 Uhr

Der Welpe Benji war gerade einmal drei Monate alt, als er ausgesetzt wurde. Er wurde von wilden Raben attackiert. © Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.


Sonne, Strand, Palmen und Meer: Wenn Menschen in den Urlaub fahren, dann wollen sie entspannen, vom Berufsalltag Abstand nehmen und abschalten. Stress soll natürlich vermieden werden – in jeglicher Form. Manche Deutsche sehen ihre Urlaubsruhe wohl sogar schon durch ein Bellen oder Maunzen gestört. 

Der Hamburger Tierschutzverein veröffentlichte auf seiner Homepage am Montag ein Bild des kleinen Welpen Benji, den seine Besitzer einfach in einem Park ausgesetzt hatten. Als wäre das nicht schlimm genug, war er dort den aggressiven Krähen wehrlos ausgeliefert. Passanten fanden den kleinen Hund in einem Busch und brachten ihn ins Tierheim. 

Allein im Juni 150 Tiere abgegeben

"Angesichts eines nahenden Urlaubs entledigen sich leider regelmäßig Menschen ihrer Haustiere auf unverantwortliche Weise", kritisiert der Tierschutzverein. Allein im Juni 2018 wurden bei der Einrichtung mehr als 150 Tiere abgegeben, die zuvor im Hamburger Stadtgebiet gefunden worden waren. Manche von ihnen befanden sich sogar in Notlagen und mussten vom vereinseigenen Rettungsdienst abgeholt werden. Ihre Familien und Besitzer tauchten nie wieder auf und ließen die Tiere im Stich.

Kaninchen Mimmy wurde angeblich deswegen ausgesetzt, weil ihre Besitzer Angst vor ihr hatten. © Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.


Benji hat Glück gehabt: Winselnd und zitternd wurde er von seinen Findern ins Tierheim gebracht. Inzwischen geht es dem Welpen den Umständen entsprechend ganz gut. Der Kleine ist noch nicht einmal vier Monate alt. Der Tierschutzverein vermutet, dass er als "arbeitsintensiver Welpe den nahenden Urlaubsplänen seiner Besitzer im Wege stand".

Manchmal gibt es einen Brief oder Zettel 

Andere Herrchen und Frauchen machen ihre Beweggründe schon viel deutlicher: Immer wieder werden Tiere mit Briefen oder Info-Zetteln ausgesetzt. Das ist auch dem Kaninchen Mimmy passiert. Sie wurde in einer Box ausgesetzt, die mit einer Nachricht versehen war. In ihr wurde erklärt, warum Mimmy nicht mehr gewollt war. Sie ließe sich angeblich nicht streicheln, weshalb ihre Besitzer Angst vor ihr hätten.

Kater Flocke war in einer Lidl-Tüte gefunden worden. Sie hatte die Aufschrift: "Hier kommt Nachhaltigkeit zum Tragen." © Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V.


Kater Flocke wiederum wurde Anfang Juli in einer Lidl-Tüte ausgesetzt. Der zweijährige, weiße Kater hatte teilweise verschmutztes Fell, als er gefunden wurde. Durch das Aussetzen ist er sehr verstört. Besonders makaber: Auf der Tüte stand: "Hier kommt Nachhaltigkeit zum Tragen."

Tiere auszusetzen ist illegal

In allen drei Fällen hat der Hamburger Tierschutzverein Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Denn Tiere auszusetzen ist illegal. "Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt auch die Verantwortung für sein Wohlergehen", sagt Vorstand Sandra Gulla. "Es gibt überhaupt keinen Grund ein Tier auszusetzen. Den Mut das Tier bei uns im Tierheim abzugeben, muss man zumindest aufbringen."

Laut dem Tierschutzgesetz ist es verboten, ein von Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen. Eine Geldbuße bis zu 25.000 Euro ist bei einem Verstoß gegen das Gesetz durchaus möglich. Sollte das Tier durch die Aussetzung zu Tode kommen, kann das sogar mit Freiheitsstrafen geahndet werden. Der Hamburger Tierschutzverein appelliert an Menschen, ihr Tier wenigstens im Tierheim abzugeben, wenn sie es nicht mehr wollen. Eine persönliche Abgabe sei "nicht nur eine Frage des Anstands und Respekts, sondern erleichtert auch die Vermittlung."  

Marina Hochholzner E-Mail

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