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Es kann nur einen geben – Faschingsorden für Markus Söder

"Wenn er die Klappe aufmacht, weiß man nie, was dabei herauskommt" - 24.01.2016 12:32 Uhr

Der bayerische Finanzminster Markus Söder (CSU) posiert in Aachen bei der Verleihung des "Ordens Wider den tierischen Ernst".

Der bayerische Finanzminster Markus Söder (CSU) posiert in Aachen bei der Verleihung des "Ordens Wider den tierischen Ernst". © dpa


Markus Söder hat Fakten geschaffen. Noch bevor sich der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) aus der Spitzenpolitik verabschiedet hat, noch bevor dessen Nachfolge ausdiskutiert ist. Aspirant Markus Söder kam als Bayern-König Ludwig II. zur Ordensverleihung wider den tierischen Ernst nach Aachen – und stellte in seiner närrischen Antrittsrede ausdrücklich fest: Für die Nachfolge kann es nur einen geben – ihn selbst, König Ludwig.

Der Aachener Karnevalsverein zeichnete Söder für Humor und Menschlichkeit im Amt aus. Ihn – und nicht Seehofer, der nach eigenem Bekunden ja auch großen Wert auf Humor legt. „Mein Hofschreiber sagt mir, die beiden seien wahre Freunde – nur merkt es keiner“, sagte Söder in der Rolle König Ludwigs. Der CSU-Finanzminister, der mit würdiger Miene, Bart und Frisur dem echten Ludwig schon recht ähnlich sah, hielt sich in der Veranstaltung wacker. Auch wenn's zeitweise unbequem war.

Im November hatte der Aachener Karnevalsverein den neuen Ordensritter für seine Forderung nach schärferen Kontrollen für einreisende Flüchtlinge direkt nach den Anschlägen von Paris kritisiert. Jetzt sagte die saarländische Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) in ihrer Laudatio: „Wenn er die Klappe aufmacht, weiß man nie, was dabei herauskommt.“

Redner machten sich Gedanken, ob so einer wie Söder integrationsfähig sei. In Bayern ginge Söder ohne weiteres als Moslem mit deutsch-arabischem Hintergrund durch, meinte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek. „Ich sag Ihnen, wenn Söder sich drei Tage nicht rasiert, er müsste an bestimmten Bahnhöfen vor der selbst ernannten Bürgerwehr fliehen – und zwar ins nahe gelegene Flüchtlingsheim.“ Obwohl Söders Aussagen für kleinkariertes Denken stünden, hege er weiterhin die Hoffnung auf Integration durch den Karneval – der ja auch für Toleranz stehe.

Der deutsch-marokkanische Komiker Abdelkarim hielt einen flammenden Appell gegen „die Bajuwarisierung des Rheinlandes“. „Das Maß ist voll. Wehret den Anfängen! Auch ich bin für eine Obergrenze für Bayern im Rheinland“, bekannte er. Zumindest solle man sie in einer Transitzone zwischenparken. „Man kann dann gucken, wer kommt. Wenn es CSU-Politiker sind, kann man denen das Grundgesetz vorlesen“, meinte der Komiker und spielte damit auf Söders Gedanken zur Einschränkung des Asylrechts an.

Sein Kollege Ingo Appelt rief dem CSU-Mann zu: „Söder, bevor ihr die Grenze dicht macht, stellt Plakate auf: „Sie wollen nach Deutschland, wir sind umgezogen. Bitte besuchen Sie uns in unserer Filiale am Bosporus." Dies unter Bezug darauf, dass die EU und die Türkei in der Flüchtlingsfrage enger zusammenarbeiten wollen.

Kramp-Karrenbauer ließ zumindest ein gutes Haar an Söder. Der sei ja immerhin schon in der Integrationsarbeit aktiv: „Mit Bild online hat er ein eigenes Portal gegründet: I make you integriert dot com. Und da kann man jetzt in ganz einfachen Bildern sehen, was wir im Alltag von den Flüchtlingen an Integrationsleistungen erwarten.“ Das erste Bild sei eine Rasur mit dem Fünf-Klingen-Nassrasierer – „ein Signal an alle Bärtigen, die jetzt kommen“. Den Bayern-König mit schwarzem Vollbart dann wohl inklusive.

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dpa

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