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Experten halten Dauerpauken für kontraproduktiv

Ein bisschen Spaß muss sein - 22.02. 07:00 Uhr

Es ist die übliche Tretmühle am Semesterende: Das Arbeitspensum ist eigentlich nicht zu schaffen, für Pausen oder gar Schlaf bleibt wenig Zeit. Doch wer nicht in der entscheidenden Klausur einen Blackout riskieren will, sollte seine Kräfte gut einteilen.

Genug gelernt! Wer viel am Schreibtisch sitzt und lernt, muss auch mal Pause machen, um wieder Energie zu tanken.
Genug gelernt! Wer viel am Schreibtisch sitzt und lernt, muss auch mal Pause machen, um wieder Energie zu tanken.
Foto: dpa
Genug gelernt! Wer viel am Schreibtisch sitzt und lernt, muss auch mal Pause machen, um wieder Energie zu tanken.
Genug gelernt! Wer viel am Schreibtisch sitzt und lernt, muss auch mal Pause machen, um wieder Energie zu tanken.
Foto: dpa

Wenn sich das Semester dem Ende nähert, macht sich bei vielen Studenten allmählich Panik breit: Klausuren stehen an, sie müssen noch ein Referat halten, Hausarbeiten schreiben und einen Praktikumsplatz für die Semesterferien suchen. Eigentlich ist es unmöglich, das alles gleichzeitig zu schaffen.

Spätestens jetzt blenden viele Studenten ihr normales Leben völlig aus und setzen sich 16 Stunden pro Tag an den Schreibtisch. Schlafen und Freunde treffen kann man später schließlich auch noch. Doch wer seinen Körper wochenlang überfordert, darf sich nicht wundern, wenn dann in der entscheidenden Prüfung plötzlich gar nichts mehr geht. Deshalb braucht man ein gutes Zeitmanagement und genug Entspannung.



Egal, wie hart es kommt: „Man muss sich selbst in einem guten Zustand halten“, warnt Zeitmanagement-Coach Sigrid Engelbrecht aus Berlin. „Selbstausbeutung zahlt sich am Ende nicht aus.“ Doch das ist leichter gesagt als getan, wenn sich auf dem Schreibtisch Bücher und Handouts stapeln, die man noch lesen und lernen muss.

Gerade dann sollten Studenten sich die Zeit nehmen, um ihr Programm für die kommenden Wochen zu strukturieren, rät die Expertin: „Erstmal muss man Prioritäten setzen: Wo geht es um die meisten Credit-Points? Wo muss ich vielleicht nicht ganz so perfekt vorbereitet sein?“ Als nächstes teilt man dann die Arbeit auf die noch verbleibenden Wochen auf, und zwar möglichst präzise mit konkreten Zielen für jeden einzelnen Tag. „Aber bitte mit Augenmaß, sonst erlebt man nur Frust“, warnt Engelbrecht. Denn mit mehr als drei Themen pro Tag könne man sich kaum effektiv beschäftigen.

„Das Wochenende sollte man bei der Planung erstmal frei lassen“, rät Sigrid Engelbrecht. „Den Samstag braucht man ohnehin meist noch, weil während der Woche etwas liegengeblieben ist. Und einen Tag sollte man haben, um mal etwas ganz anderes zu machen und Spaß zu haben.“ Haben Studenten einen präzisen Arbeitsplan aufgestellt, falle es oft leichter, sich jeden Tag aufs Neue konzentriert an die Arbeit zu machen. Aber auch jetzt gelte es, Augenmaß zu bewahren. Regelmäßige Pausen seien alles andere als Zeitverschwendung, betont die Expertin.

„Die Qualität der Gedanken wird nicht besser, wenn man stundenlang durchpowert.“ Jeder Mensch habe einen etwas anderen Rhythmus, aber eine gute Faustregel sei, alle anderthalb Stunden 15 bis 20 Minuten lang Pause zu machen. „Stellen Sie sich am besten einen Wecker, sonst versackt man leicht am Rechner.“

Um in solchen Pausen möglichst schnell den Kopf frei zu bekommen, seien Entspannungstechniken wie autogenes Training oder Yoga eine gute Hilfe, sagt Gabriele Bensberg von der psychologischen Beratungsstelle des Studentenwerks Mannheim. Viele Bücher oder CDs, die solche Techniken vermitteln, betrachtet die Psychologin jedoch mit Skepsis. „Am besten lernt man sie im Rahmen eines Kurses über mehrere Wochen mit einem erfahrenen Leiter.“

Aber es gibt auch Techniken, die schnell gehen, und die man nicht lange lernen muss. Etwa die „Handanspannung“: „Man legt beide Hände auf den Tisch, schiebt die Daumen darunter und spannt alle Finger an. Dabei versucht man, die Tischplatte regelrecht zusammenzupressen“, erklärt Bensberg. „Die Spannung hält man circa sieben Sekunden aufrecht, lockert dann die Muskulatur der Hand und lässt das Gefühl der Entspannung auf sich wirken. Zusätzlich kann man innerlich zu sich sagen: ,Ich bin ganz ruhig.‘“ Das sei als Mini-Entspannungsübung schon sehr hilfreich.

Und noch etwas sollte man auf jeden Fall jeden Tag einplanen: Den Feierabend. Mehr als zehn Stunden Arbeitszeit pro Tag seien selten sinnvoll, betont Ingrid Heimbach von der psychologischen Beratungsstelle der Universität Siegen. Der Körper müsse Gedanken, Erfahrungen und Gelerntes erst einmal verdauen. „Und dafür braucht er Ruhe, Entspannung und viel Schlaf.“

Wer sich diese Zeit nicht nimmt, sei relativ schnell nicht mehr aufnahmefähig. Deshalb sei es in der Regel völlig kontraproduktiv, bis in die Nacht am Computer zu sitzen oder sich am Abend vor der Klausur noch stundenlang den Stoff in den Kopf zu hämmern. Wem trotz allem die Arbeit über den Kopf zu wachsen droht, findet in den psychologischen Beratungsstellen der Unis Hilfe. Spätestens, wenn man nicht mehr gut schläft, Herzrasen hat oder sein Interesse an Freunden und Hobbys verliert, werde es Zeit zu handeln, mahnt Bensberg. 



dpa

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