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Hustensaft für Schimpansen - Die Kältewelle im Tierpark

Zoos müssen einige Sicherheitsvorkehrungen treffen - 02.02. 15:12 Uhr

Münster  - Ein kleines Trampeltier genießt seinen ersten Winter, Affen kriegen Hustensaft. Zootiere machen es sich in der Frostwelle so gut es geht gemütlich. Nur die Schildkröten verschlafen alles.

Der neun Monate alte Elefantenbulle Ludwig steht am Mittwoch im Gehege im Tierpark Hellabrunn in München in der Herde.
Der neun Monate alte Elefantenbulle Ludwig steht am Mittwoch im Gehege im Tierpark Hellabrunn in München in der Herde.
Foto: dpa

Ganz zaghaft steckt das Baby-Känguru sein Näschen heraus. Und verschwindet schnell wieder in Mamas Beutel. «Kälte? Ohne mich!» mag sich das Tierchen, das noch keinen Namen hat, denken. Aber die Kängurus wollen auch an diesem arktischen Wintermorgen im Zoo von Münster nicht auf ihren Spaziergang im Freien verzichten. Die meisten Zootiere haben die Wahl, ob sie lieber im warmen Innengehege bleiben oder nicht. Die syrische Braunbärin Leila hat allerdings schon 20 Winter erlebt, hat wenig Ehrgeiz und fläzt sich faul im Türrahmen. Leilas Schnauze ragt nach draußen, wo das Wetter-Hoch «Dieter» mit minus elf Grad regiert. Ihr massiger Körper breitet sich im warmen Innenraum aus.


Das wenige Monate alte Trampeltier-Fohlen Natalie läuft dagegen neugierig durch die eiskalte Winterluft. Das Tier mit zwei Höckern sucht den Boden nach Strohhalmen ab. Sein zotteliges, beiges Winterfell ist noch etwas heller als das der älteren Tiere, aber seit dem Sommer schon dick genug gewachsen. «Trampeltiere müssen in ihrer Heimat 30 bis 40 Grad Minus aushalten», sagt Biologe Dirk Wewers. «Ihr Hauptverbreitungsgebiet ist die Mongolei.» Tiere mit dickem Fell sind zurzeit in ihrem Element. Kegelrobben ziehen in Münster Bahnen durch das kalte Wasser. Im Zoo Gelsenkirchen spielen die Eisbären Lara und Bill mit Eis, brechen es neugierig auseinander.

Ein Bär sitzt am Mittwoch (01.02.2012) im Allwetterzoo in Münster in seinem Gehege neben einem gefrorenen Wasserfall. Mit Temperaturen um -6 Grad Celsius präsentiert sich das Winterwetter in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens
Ein Bär sitzt am Mittwoch (01.02.2012) im Allwetterzoo in Münster in seinem Gehege neben einem gefrorenen Wasserfall. Mit Temperaturen um -6 Grad Celsius präsentiert sich das Winterwetter in weiten Teilen Nordrhein-Westfalens
Foto: dpa

Seit Deutschland ein einziger Gefrierschrank ist, haben Zoos einige Sicherheitsvorkehrungen treffen müssen. Münsters Amur-Tiger haben zurzeit eine Art Stubenarrest. Der Wassergraben, der ihr Außengehege von den Zoobesuchern trennt, ist zugefroren. «Die Tiere haben eine gewaltige Sprungkraft», sagt Sprecherin Ilona Zühlke. Sie könnten jetzt mit wenigen Sätzen den Graben überwinden. «Dann würden die Tiger hier im Zoo herumspazieren.» Und das will keiner. Daher machen es sich Rasputin und Nely für ein paar Tage im Raubtierhaus bequem. Es ist eine Besonderheit von Münster, dass der Allwetterzoo bei jeder Wetterlage 95 Prozent der Tiere zeigen kann. Erdmännchen versammeln sich um Infrarotstrahler und räkeln sich.

Schimpansen und Orang-Utans bekommen im Gelsenkirchener Zoo derweil Hustensaft und warmem Tee, um sie vor einem Schnupfen schützen. Auch für Elefanten sei Frost gefährlich, sagt der stellvertretende Zoodirektor von Wuppertal, Arne Lawrenz. Wenn die Leitkuh Sabie und ihr jüngster Sohn Uli zu lange draußenblieben, würden ihnen Ohren abfrieren - sie können «sich nicht einfach eine Pudelmütze aufsetzen». Wenigstens muss Lawrenz sich um die Schildkröten keine Sorgen machen. Sie haben sich tief eingegraben und werden erst wieder aufwachen, wenn der Winter vorbei ist.

Übrigens freuen die Temperaturen nicht jedes Tier, von dem man es eigentlich erwarten würde. «Unsere Humboldt-Pinguine sind unglücklich», sagt Direktor Jens-Ove Heckel vom Zoo in Landau in Rheinland-Pfalz. «Ihnen ist es zu kalt.» Diese Vögel stammen aus Chile und Peru. Und dort ist zwar das Meereswasser kalt, nicht aber die Lufttemperatur. «Die stehen im Moment fröstelnd rum oder drücken sich in die beheizte Gemeinschaftshöhle.» 



dpa

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