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In Venezuela ist Benzin billiger als Wasser

Sprit ist achtmal günstiger - 28.09.2012 14:16 Uhr

In Venezuela können die Autofahrer den Sprit noch ohne Sorgen in den Tank laufen lassen. Benzin ist hier billiger als Wasser.

In Venezuela können die Autofahrer den Sprit noch ohne Sorgen in den Tank laufen lassen. Benzin ist hier billiger als Wasser. © dpa


Freddy braust täglich bis zu zehn Stunden mit seinem Motorrad durch das Verkehrschaos der Millionenmetropole Caracas. Er bietet seine Dienste als "Moto-Taxi" an. Die Frage, wie viel er für eine Tankfüllung von etwa 10 Liter Benzin bezahlen muss, versteht er zunächst gar nicht. Dann aber kramt er in seiner Hosentasche und zeigt grinsend eine kleine Münze: 1 Bolívar. Das sind umgerechnet auf einen Liter 0,018 Euro - nach offiziellem Kurs. Wenn man, wie gewöhnlich, schwarz tauscht, ergibt sich für einen Liter Sprit (95 Oktan) die kaum messbare Summe von etwa 0,008 Euro. Billiger geht’s nicht. Nirgendwo auf der Welt.

Kein Wunder, dass in nobleren Wohngegenden von Caracas, wie etwa im gediegenen Altamira, an Tankstellen des staatlichen Ölkonzerns PdVSA vor allem wuchtige SUV-Geländelimousinen und Luxusschlitten mit bis zu 4 Litern Hubraum an die Zapfsäule fahren. Große beleuchtete Preistafeln an den Tankstellen wie in Europa sucht man vergeblich.

In den armen Gegenden wie etwa dem Barrio Petare röhren dagegen 20 bis 30 Jahre alte Chevrolets oder nicht weniger betagte Modelle des Toyota Landcruiser als Taxi durch die verwinkelten Gassen. Der Verbrauch spielt keine Rolle. Wasser ist viel teurer als Benzin. Für einen Liter Wasser zahlt man am Kiosk 8 Bolívares, das reicht für eine ganze Tankfüllung von über 80 Litern Sprit. Und für eine Schachtel Zigaretten (30 Bolívares) kann man das Auto gleich dreimal volltanken.

An den Benzinpreisen will die Regierung des sozialistischen Präsidenten Hugo Chávez nicht rütteln, denn der Billigsprit soll eine Wohltat fürs Volk sein. Doch der Preis ist teuer erkauft und mit über 90 Prozent subventioniert. Der Preis deckt nur einen Bruchteil der Herstellungskosten. Allein der PdVSA-Konzern verzichtet dadurch nach offiziellen Angaben jährlich auf etwa 1,5 Milliarden US-Dollar. Die
Gesamtsubventionen liegen aber nach verschiedenen Schätzungen deutlich höher, bei mindestens sieben Milliarden US-Dollar.

Venezuela ist Mitglied der erdölexportierenden Länder (OPEC), einer der weltweit größten Ölproduzenten und verfügt nach eigenen Angaben mit etwa 300 Milliarden Barrel über die größten Ölreserven der Welt. Aber das Land muss paradoxerweise Benzin importieren, da die Raffineriekapazitäten nicht ausreichen.
  

dpa

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